awg
Liebe Frau Welter, ich hätte ein paar Fragen zum Thema Abstillen: - Ich bin bei dem Thema hin- und hergerissen. Einerseits haben mein Sohn (knapp 20 Monate) und ich eine sehr innige und schöne Stillbeziehung. Er sucht sehr häufig die Brust und wir sind eigentlich noch nicht bereit zum Abstillen, zumal ich die ersten zwei Lebensjahre gerne, gemäß auch der WHO-Empfehlung, dabeibleiben würde. Andererseits sind da inzwischen 14 Zähnchen, die sich sicherlich weniger freuen, tags wie nachts immer wieder von Milchzucker umspült zu werden. Zudem steht im Juni der Kitaeintritt an und manchmal denke ich, es wäre vielleicht nicht verkehrt, wenn ich bis dahin „verlässlich“ abgestillt hätte – zumal ich die Eingewöhnung machen werde und nicht glaube, dass es förderlich wäre, wenn mein Sohn plötzlich zu mir kommt, um an meiner Brust Trost und Halt zu suchen. Oder was wäre hier Ihre Empfehlung? - Mein Sohn stillt sowohl tagsüber (in aller Regel jedoch nicht zur Nahrungsaufnahme) als auch nachts noch. Sollte peu à peu oder abrupt abgestillt werden? Intuitiv würde ich von Ersterem ausgehen, da ja auch der Körper sich allmählich gewöhnen sollte an die geringere Nachfrage. Aber ist es nicht verwirrend für das Kind, wenn es einmal an die Brust darf und sie beim nächsten Mal verweigert bekommt? - Ich bin sehr unsicher, was das Zurückfahren des nächtlichen Stillens angeht. Tagsüber kann ich, wenn mein Kind hungrig ist und an die Brust will, ihm stattdessen etwas zu essen anbieten. Nachts geht das so natürlich nicht, und ich kann einfach auch nicht mit Sicherheit ausschließen, dass mein Sohn während der zwölf Stunden, die er im Bett verbringt, nicht durchaus auch mal hungrig ist und er eben nicht nur an die Brust will, um zu nuckeln, sondern um seinen Hunger zu stillen. Entsprechend schwer tue ich mich mit dem Gedanken, ihm die Brust zu verweigern. Unser älteres Kind war ein Flaschenkind und ich weiß noch, wie wir ihm, solange er beim Abendessen noch nicht so viel aß, immer noch eine Flasche Milch anboten vor dem Zähneputzen. Nachts wachte er in dieser Zeit nicht mehr auf und wollte irgendetwas. Diese zusätzliche Milchportion aber entfällt bei unserem Stillkind, das weder Flasche noch Schnuller gewöhnt ist (und akzeptiert). Natürlich kann ich ihn stillen, bevor wir ihn bettfertig machen, aber meine Brust gibt nicht (mehr) das an Milchmenge, was der Große damals über seine Flasche bekommen hat. Haben Sie mir/ uns hier vielleicht einen Rat oder Tipp? - Hätten Sie über das Buch von Elizabeth Pantley hinaus eine Literaturempfehlung zum Thema Abstillen? So einen typischen Klassiker, der bindungs- und bedürfnisorientiert durch den Prozess des Abstillens begleitet ? - Und: Ist eine FSME-Impfung während der Stillzeit kontraindiziert? Vielen lieben Dank für Ihre Hilfe! Herzlichen Gruß awg
Liebe awg! Ich würde sogar wegen dem Kitastart nicht abstillen ;-). Gerade jetzt ist es doch wichtig, dass zu Hause nicht auch noch Veränderungen kommen, dein Kind braucht Sicherheit, die Kita wird aufregend genug! Es ist immer gut, sich auch seine eigenen Gedanken zu machen und aufs Mutterherz zu hören... tatsächlich macht es keinen Sinn, dein Baby abzustillen, denn es tut ihm wirklich gut, in der Zeit, die ihr zusammen seid, "Normalität" tanken zu können. Leider lässt uns unser Alltag wirklich wenig Alternativen, und für viele kleine Kinder ist die intensive Fremdbetreuung und das Leben in der Gruppe einfach eine riesige Herausforderung. Ich würde ab dem ersten Tag nicht in der Kita stillen, das wird dein Kind schnell lernen und akzeptieren, aber zu Hause ist zu Hause. Auch kannst du durchaus Regeln aufstellen und nur zu bestimmten Zeiten stillen, dein Kind kann und wird das in diesem Alter lernen! Wenn du das nicht möchtest, kannst du sicherlich auch abstillen. Vielleicht versuchst du es beim Abstillen damit, die Stillzeiten immer weiter zu verkürzen. Damit meine ich, du stillst dein Kind eine bestimmte Zeit und dann nimmst du es sanft von der Brust und streichelst es, kuschelst mit ihm, bietest ihm zusätzlich ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke an usw. Im Laufe der Zeit verkürzt du die Zeit an der Brust immer mehr. Ich möchte dir nun noch ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest du etwas, was dir zusagt. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat, heißt „biete nicht an, lehne nicht ab“. Das bedeutet, dass du deinem Kind die Brust nicht von dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn du dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn du zum Beispiel sitzen bleibst, anstatt dich hinzulegen, wenn du dein Kind zum Einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeitausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst deinen Sohn eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Ihr könnt ein festes Ritual mit Kuscheln und Vorlesen oder Geschichte erzählen einführen. Viele Eltern beginnen auch bereits bei einem wenige Monate alten Baby damit, den Tag am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und so ein Gespräch (das sich im Laufe der Zeit dann entwickeln wird) über die Erlebnisse, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte des Kindes zu führen. Durch solch ein Gespräch bleiben Eltern dann auch in engem Kontakt mit ihrem Kind und der leider viel beobachtet Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kind kann entgegengewirkt werden. Wenn dein Partner nicht einspringen kann, bleibt es an dir, euer Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt, oft hilfreich. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Probiere es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. Und noch zur Impfung: Laut "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Spielmann, Schaefer, 7, gilt folgendes: "Impfungen Entsprechend der Verlautbarung des amerikanischen Advisory Committee on Immunization Practice (ACIP) von 1994 dürfen Frauen sowohl mit Tot als auch Lebendimpfstoff in der Stillzeit geimpft werden. Alle bei der Mutter verwendeten Impfstoffe und Immunglobuline gelten während der Stillzeit als sicher für den Säugling. Bei manchen Impfstoffen, z.B. gegen Meningokokken, Pneumokokken (Shahid 195 & 2002) und Cholera, wurde diskutiert, ob relevante, das Kind schützende Mengen der mütterlichen Antikörper in der Milch erscheinen. Es gibt keine Impfung, die eine Einschränkung des Stillens erfordert.“ Auch hier noch eine Info: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/FSME/FSME-Impfung/FSME-Impfung.html Liebe Grüße Biggi
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