Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen

Frage: Abstillen

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Hallo liebe Biggi, meine Tochter ist gerade 8 Monate alt geworden und ich ueberlege schon sie abzustillen. Leider weiss ich nicht wie das funktioniert. Habe schon versucht ihr Pulvermilch und Schnuler anzubieten, leider mag sie das nicht. Ich stille sie eigentlich sehr gerne und Milch habe ich auch genug, aber sie "frisst" mich einfach auf, bin total ausgepowert - muede ohne Ende, ich fuehle mich kapput. Ich nehme taeglich Vitamine und ernaehre mich auch gut. Vielleicht mache ich irgendetwas falsch. Hoffe du hast Tipps fuer mich. Danke im Voraus und liebe Gruesse Magalie


Biggi Welter

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? Liebe Magalie, ich denke, dass fast jede Mutter nachvollziehen kann, wie erschöpft frau sein kann, wenn sie ein nahezu dauerstillendes Baby und zu wenig Schlaf hat. Da liegt der Gedanke daran, dass es mit „nur einer Flasche“ doch so viel einfacher sein könnte, oft nahe. Doch es gibt einige Punkte, die gegen diese „eine Flasche“ sprechen. Der erste Punkt ist der, dass es keine Garantie gibt, dass das Kind dann auch nur eine Minute länger schlafen wird. Es kann sogar sein, dass das Kind deutlich unruhiger sein wird und eventuell mit Bauchproblemen oder Unverträglichkeitsreaktionen kämpfen wird. Bei jedem Kind – nicht nur den Kindern mit erhöhtem Allergierisiko – steigert die Gabe von künstlicher Säuglingsnahrung das Risiko für Allergien. Es ist jedoch nicht das Stillen, das dich erschöpft, sondern die Tatsache, dass frau mit der Mutterschaft einen der härtesten Berufe der Welt übernommen hat. Mutter sein ist ein 24 Stunden Job, sieben Tage die Woche und 52 Wochen im Jahr, ohne Urlaubsanspruch. Diese Arbeit ist anstrengend, auch wenn nicht gestillt wird. Im Gegenteil, durch das Stillen bekommt die Frau oft die Gelegenheit, sich auch am Tage einmal hinzulegen oder zumindest sich hinzusetzen, die Füße hoch zu legen und ein paar ruhige Minuten mit dem Kind zu verbringen. Würde Stillen die Reserven der Mutter aufzehren, dann hätte die Klasse der Säugelebewesen nicht überlebt! Es ist keineswegs so, dass Stillen an der Gesundheit der Mutter zehrt, im Gegenteil, es gibt eine ganze Reihe von gesundheitlichen Vorteilen für Mutter UND Kind. Die WHO empfiehlt das lange Stillen nicht nur wegen der Vorteile für das Kind, sondern auch wegen der Vorteile für die Mutter. Ich habe meine Zweifel, ob dir das Abstillen wirklich eine Erleichterung bringen würde, denn sehen wir es doch einmal realistisch: Selbst wenn deine Tochter die Flasche bekommt, bedeutet das nicht, dass sie automatisch mehr schläft, am Tag weniger anhänglich an DICH sein wird und Du wirklich entlastet wirst. Es ist auch die Frage, ob es wirklich so sein wird, dass häufig jemand anderes da sein wird, das deine Tochter übernimmt und ihr die Flasche geben wird, denn in der Realität ist es doch so, dass dann vielleicht ein paar Mal eine Großmutter, eine Freundin oder der Partner einspringt, aber dann bleibt doch wieder alles an dir hängen und dann bist Du diejenige, die Flaschen zubereiten und reinigen muss, die nachts aufstehen muss usw. Ehe Du nun wirklich - wohl auch gegen deine innere Überzeugung - abstillst, versuche doch einmal einen anderen Weg: Gönne dir selbst in dieser anstrengenden Zeit so viel Ruhe wie möglich. Jetzt ist nicht die Zeit für blitzende Fußböden und spiegelnde Fenster. Lass den Haushalt auf Sparflamme laufen. Wenn die Fenster erst in einem halben Jahr wieder geputzt werden, dann schadet das niemandem und Tiefkühlgemüse ist nicht so schlecht und muss nicht geputzt werden. Nicht alles muss gebügelt werden. Mach den Tragetest. Bügele etwas und trage es für zehn Minuten. Das nächste Mal bügelst Du es nicht und trägst es für zehn Minuten. Dann vergleichst Du: ist der Unterschied nach der kurzen Tragezeit wirklich so deutlich, dass das Bügeln sich gelohnt hat? Viel Bügelarbeit lässt sich sparen, wenn die Wäsche sorgfältig aufgehängt wurde bzw. nicht lange im Trockner liegen bleibt, wenn der Trockner fertig ist. Es ist nicht viel mehr Arbeit, die doppelte Menge von zum Beispiel Nudelsauce zu kochen. Du kannst dann eine Hälfte einfrieren und hast damit schnell eine Mahlzeit, wenn ein Tag mal wieder sehr hektisch war. Versuche dir am Tag Freiraum für dich zu schaffen. Vielleicht kann dir dein Mann, deine (Schwieger)Mutter, eine Freundin oder ein verantwortungsbewusster Teenager dein/e Kind/er für eine Stunde oder so abnehmen, mit ihm spazieren gehen oder spielen und diese Zeit nutzt du für DICH. Selbst wenn Du nur in Ruhe in der Badewanne liegt, einmal um den Block joggst oder dich mit einer Zeitung und einer Tasse Tee in einen anderen Raum begibst, so ist das ein Weg aufzutanken und wieder neue Kraft zu schöpfen für den anstrengendsten Beruf der Welt: Mutter. Kurz: beschränke viel Dinge auf das absolut Notwendige, so dass Du auf diese Weise mehr Zeit für dich bekommst. Diese „gewonnene" Zeit kannst Du dann dazu nutzen, dich wieder zu erholen, neue Energie zu tanken. Suche dir wirklich Hilfe und Unterstützung. LLLiebe Grüße Biggi


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