Mitglied inaktiv
Meine Tochter ist z. Zt. 3 Monate alt. Ich möchte Sie bis zum 6. Monat voll stillen, da ich selber an sehr vielen Allergien leide. Wie aber funktioniert das Abstillen. Ich möchte mich jetzt schon darüber informieren, damit ich auch alles richtig mache. Ich finde nirgends einen Zufütterungsplan oder Tipps zum Abstillen. Daher meine Frage: "Wie stillt man am besten ab." Für die Beantwortung vielen Dank im voraus. Ulla Feldt
Liebe Ulla, Du möchtest dein Kind nicht länger als ein halbes Jahr stillen, hast aber noch einige Fragen dazu, wie dies dann in der Praxis ablaufen kann. Bevor ich auf deine Frage nach der günstigsten Mahlzeit eingehe, möchte ich zunächst nochmals betonen, dass ein Kind, das jünger als ein Jahr ist immer zur Flasche hin abgestillt wird. Das heißt: als Alternative zu deiner Brust braucht es Flaschenmahlzeiten, diese u.U. genauso oft wie es vorher bei Dir gestillt hat! Es ist sinnvoll, vor dem Abstillen die Flaschennahrung mit dem Kinderarzt zu besprechen, gerade wenn das Baby allergiegefährdet ist. Beikost kannst Du dann zusätzlich langsam einführen. Langsames Abstillen ist am besten für Mutter und Kind! * Abruptes Abstillen ist schwierig für beide, es kann physisches Unwohlsein und Gesundheitsprobleme bei der Mutter hervorrufen. Der Körper produziert weiterhin Milch, auch wenn die Mutter mit dem Stillen aufhört. Da diese nicht abgefordert wird, kann es zu Milchstau, Mastitis und Brust-Abszess kommen. Bromocriptin-haltige Mittel wie "Pravidel" haben sich hierbei nicht bewährt. In den USA wurden gefährliche Reaktionen auf diesen Stoff beobachtet, wie Schlaganfall, Anfälle sowie Todesfälle (FDA 1994). * Abruptes Abstillen verursacht plötzliche hormonelle Veränderungen, die Depressionen mit sich bringen oder verschlimmern können. Verursacht wird dies speziell durch den plötzlichen Abfall des Prolaktinlevels (das sogenannte Wohlfühlhormon). * Außerdem verursacht abruptes Abstillen ein emotionales Trauma beim Baby - es empfindet einen plötzlichen "Liebes-Entzug". Mit der Zufütterung beginnen (also den Grundstein setzen, zum Weglassen einer Mahlzeit), ist am günstigsten zu einer Zeit, in der dein Kind gut gelaunt und hellwach ist - das ist bei einigen Babys vormittags, bei anderen eher am frühen Nachmittag (nur zu dicht vor dem Abend ist nicht empfehlenswert, da dann mögliche negative Reaktionen nicht genau beobachtet werden können!) Der günstigste Zeitpunkt ist etwa mit sechs Monaten (bzw. bei Allergiker-Kindern oft sogar erst mit neun Monaten), das Kind zeigt es selbst: - es stößt nicht mehr mit der Zunge den Löffel und alle feste Nahrung heraus - es ist in der Lage sich aufzusetzen - es zeigt Interesse für Essen und beobachtet schon lange "die Großen" beim Essen Die Einführung der Beikost sollte langsam erfolgen. Es ist am günstigsten mit einem Nahrungsmittel zu beginnen, zunächst nur eine geringe Menge anzubieten (jeweils nur mit ein paar Löffeln beginnen) und diese dann langsam zu steigern. Am Anfang sollte nur eine neue Nahrung, ein- oder zweimal am Tag gegeben werden und etwa eine Woche gewartet werden, bevor wieder etwas Neues angeboten wird. (Also nur Karotte, nur Kartoffel, nur Banane, nur geriebener Apfel usw.). Der Sinn dieser Vorgehensweise ist folgender: Falls sich eine allergische Reaktion zeigt, kann man auf diese Art leichter feststellen, was sie verursacht hat. Auch wenn das Risiko einer allergischen Reaktion nach dem ersten halben Jahr nicht mehr so groß ist, besteht die Möglichkeit dass eine Speise eine allergische Reaktion auslöst (Ausschlag, Durchfall, Erbrechen). Wurde immer nur ein neues Nahrungsmittel eingeführt, dann lässt sich leichter feststellen, welches Nahrungsmittel nicht vertragen wurde. Die betreffende Speise sollte dann aus dem Speiseplan gestrichen und erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder angeboten werden. Bereits eingeführte Nahrungsmittel, die gut vertragen werden, können miteinander gemischt werden. Die Empfehlung lautet also nicht strikt erst eine komplette Mahlzeit vollständig zu ersetzen, ehe die nächste Mahlzeit ersetzt wird, sondern erst etwa eine Woche abwarten, ehe ein neues Nahrungsmittel eingeführt wird und die Beikost als Ergänzung und nicht als Ersatz für die Muttermilch (oder Ersatzmilch)betrachten. Daher gibt es auch keine festgelegte Zahl für die Stillmahlzeiten, sondern das Kind kann weiterhin nach Bedarf gestillt oder mit Pre-Nahrung gefüttert werden. Ohnehin sollte der Begriff BEI-Kost wörtlich verstanden werden, es ist ergänzende Kost, die die Muttermilch nicht ersetzen, sondern ergänzen soll. Sollte die Muttermilch durch die Beikost ersetzt werden, würde es Anstatt-Kost heißen. Wird in Zusammenhang mit der Beikostmahlzeit gestillt, kann das Kind außerdem einige Nährstoffe aus der Beikost besser aufnehmen und verwerten. Ich hoffe, ich konnte deine Frage ausreichend beantworten, solltest Du noch Fragen haben, bin ich gerne für dich da. LLLiebe Grüße Biggi
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