Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

Abstillen wegen Medikamenten

Frage: Abstillen wegen Medikamenten

Mitglied inaktiv

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Hallo Ich muss innerhalb von etwa zwei Tagen mein gut zwei Jahre altes Kind abstillen, weil ich längere Zeit Medikamente einnehmen werden muss, die nicht mit dem Stillen vereinbar sind (Cortison und ACE-Hemmer). Mein Kind hat bisher noch zwei bis vier Mal täglich kurz gestillt und abends, nachts (1 - 2 mal) und morgens. Ich rechne mit ziemlich heftigem Protest, wenn ich ab sofort nicht mehr auf die Stillwünsche eingehen kann und der Gedanke an so einen "schnellen Entzug" macht mir zu schaffen. Gibt es etwas, das ich beachten kann, um es meinem Kind (und auch mir) zu erleichtern? Danke für jede Antwort und Gruss Mioma


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Liebe Mioma, es ist nicht korrekt, dass Cortison mit dem Stillen nicht vereinbar wäre. Kortison ist in der Stillzeit nicht generell kontraindiziert. Im Zweifel kann und sollte sich deine Ärztin oder der Apotheker jederzeit an das Berliner Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie ("Embryotox") wenden, das unter der Telefonnr. 030-30308-111 erreichbar ist, per mail unter mail@embryotox.de, oder online unter www.embryotox.de bzw. http://www.bbges.de/content/index024a.html. Bis dahin hilft dir hoffentlich diese Info: Zitat aus "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Spielmann, Schaefer, 7. Auflage 2006: "4.11.7 Cortcosteroide Erfahrungen. Praktische Bedeutung für die Stillzeit haben vor allem die Glucocorticoide. Therapeutisch verwendet werden die nicht fluorierten Corticoide Prednison (z.B. Decortin®), Prednisolon (z.B. Solu Decor tin®), Methylprednisolon (z.B. Urbason®) sowie Deflazacort (Calcort®), Hydrocortison (z.B. Hydrocortison Hoechst®), Prednyliden und die fluorierten Derivate Amcinonid (Amciderm®), Beclometason (z.B. Sanasthmyl®), Betamethason (z.B. Celestamine®), Budesonid (Pulmicort®), Cloprednol (Syntestan®), Dexamethason (z.B. Fortecortin®), Flunisolid (Syntaris®), Flumetason (z.B. Cerson®), Fluocortolon (Ultralan®), Fluticason (z.B. Flutide®, Flutivate®), Mometason (z.B. Ecural®), Triamcinolon (z.B. Volon®). Einige Präparate werden ausschließlich inhalativ zur Behandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen verwendet. Die M/P Quotienten von Prednison und Prednisolon liegen zwischen 0,05 und 0,25. Eine Stunde nach parenteraler Verabreichung einer Einzeldosis von 110 mg Prednisolon wurden 760 µg/l Milch gemessen. Vier Stunden später waren es 260 µg/l und etwa 9 Stunden nach Applikation noch 60 µg/l. Nach intravenöser Injektion von 1 g Prednisolon wurden entsprechend der 9fach höheren Dosis etwa 9fach höhere Werte in der Milch gemessen, 24 Stunden nach der Applikation war das Corticoid nicht mehr nachweisbar (eigene Beobachtungen). Andere Autoren haben unter niedrigeren Tagesdosen (10 80 mg) einen entsprechend geringeren Übergang für den Säugling ermittelt (Übersicht in Bennett 1996, Greenberger 1993). Zusammenfassend ist mit einem Anteil von durchschnittlich 1 2% der mütterlichen gewichtsbezogenen Dosis für den Säugling zu rechnen. Im Fall der oben beschriebenen 1 g Dosis hätte der Säugling mit der ersten Mahlzeit eine Stunde nach Injektion 0,2 mg Prednisolon/kg Körpergewicht erhalten, über 24 Stunden wären es 0,32 mg/kg. Das ist selbst bei dieser mütterlichen Höchstdosis nur etwa ein Sechstel einer üblicherweise gut verträglichen therapeutischen Kinderdosis (2 mg/kg/Tag). Für den Säugling ergibt sich kein Risiko durch eine kurz dauernde Hochdosisbehandlung, selbst dann nicht, wenn gleich nach der Injektion gestillt wird. Auch unter länger dauernder Behandlung mit 80 mg/Tag wird mit der Muttermilch nur eine Prednisolonmenge übertragen, die weniger als 10 % der körpereigenen Cortisol Produktion entspricht. Zu den übrigen Corticoiden liegen keine ausreichend dokumentierten Transferdaten vor. Empfehlung für die Praxis: Prednisolon, Prednison und Methylprednisolon sind Corticoide der Wahl für eine systemische Behandlung in der Stillzeit. Auch hohe Dosen bis 1 g, einmalig oder wenige Tage nacheinander verabreicht, z. B. beim Asthmaanfall oder bei multipler Sklerose, erfordern keine Einschränkung des Stillens. Bei wiederholter Gabe solch hoher Dosen sollte, wenn es sich einrichten lässt, 3 4 Stunden mit dem Stillen gewartet werden. Wirkungsgleiche Mengen der anderen Corticoide sind wahrscheinlich auch verträglich. Die regelmäßige inhalative Anwendung eines Corticoids bei Asthma ist ebenso unbedenklich wie andere lokale Corticoidanwendungen." Bei den ACE-Hemmern kommt es auf den Wirkstoff an. Ich zitiere dir mal, was die Embryotox zum Wirkstoff Captopril schreibt: "Stillzeit Pharmakokinetik: HWZ: 2 h, Metabolite: 12 h; Proteinbindung: 25-30%; molare Masse: 217; relative Dosis: 0,014%; Anteil einer therapeutischen Frühgeborenendosis von 0,03 mg/kg/d: ca. 2,3%; M/P-Quotient: 0,03; orale Bioverfügbarkeit: 60-75%. Klinik: Symptome bei gestillten Kindern wurden bisher nicht beobachtet. Aufgrund des geringen Überganges in die Muttermilch sind diese auch nicht wahrscheinlich. Eine Hypotonie bei den Säuglingen kann nicht ausgeschlossen werden. Empfehlung: Die lange eingeführten ACE-Hemmstoffe Captopril, Enalapril sowie Benazepril können in der Stillzeit verordnet werden, wenn die Antihypertensiva der ersten Wahl nicht wirksam oder nicht indiziert sind. Sicherheitshalber ist zumindest bei jungen Säuglingen unter 2 Monaten auf Ödeme und den Gewichtsverlauf als Indikatoren für eine gestörte Nierenfunktion zu achten." Ich denke, du solltest wirklich deinen behandelnden Arzt auffordern, ein für DEINEN "Fall" spezifische Beratung bei der Embryotox einzuholen. Das geht in der Regel recht flott, und es ist im Übrigen dein gutes Recht. Mag sein, dass dein Arzt der Meinung ist, dein Kind sei ja nun alt genug um auch ohne Stillen klar zu kommen, aber die Enscheidung, ob und wann - und warum - du abstillst sollte deine bleiben. Er ist dein Arzt, nicht dein Stillberater ;-) Lieben Gruß, Kristina


Mitglied inaktiv

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Liebe Kristina Vielen lieben Dank für diese ausführliche Antwort. Ich habe halt etwas Angst, dass - da ich wahrscheinlich eine langfristige Behandlung über mich ergehen lassen muss - da doch irgendwas zum Kind übergehen könnte. Werde aber die Sache mit meinem Arzt noch ansprechen. Da mein Kind doch schon etwas älter ist, bin ich nah dran, halt wirklich einen abrupten Stillstop durch zu ziehen. Gibt es etwas, das ich - falls ich mich für diesen Weg entscheide - tun kann, um so einen Schritt für mein Kind etwas zu erleichtern? Lieben Dank und Gruss Mioma


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