Umm Abdullah
Hallo liebe Biggi, derzeit sehen meine Nächte so aus: nach zwei Stunden sind sie vorbei. Kind 1 (26 Monate) steht auf und will dauergestillt werden, da das Baby (10 Tage) nicht ohne mich schlafen kann, hab ich einen Arm bei ihm. Oder es liegt auf mir drauf. So kann ich während des Stillens nicht einschlafen. Egal welche Stillpositionen ich verwende alles ist unbequem. So warte ich dann bis Kind 1 abgedockt hat. Nach 10 min steht er wieder auf und verlangt noch mal die Brust und stillt dann wieder mindestens 1 Stunde.. so geht das die ganze Nacht bis ich 6 Uhr sage, dass Mama nicht mehr kann und dann weint er lange und herzzerreißend, weil er nicht versteht wieso er seine Brust nicht bekommt. Er kann ohne stillen auch nicht einschlafen und ist dementsprechend sehr sehr müde. Das Baby will alle 4 Stunden gestillt werden und das nur kurz. Ich weiß es ist schwer für mein Kind seit der Ankunft des Babys, da er auch noch sehr sensibel ist, braucht er nachts meine Nähe. Aber so kommen wir nicht ausreichend Schlaf und so kann das nicht weitergehen.. was soll ich tun?
Liebe Umm Abdullah, sprich mit Deinem Kind! Erkläre ihm, dass Du müde bist und nicht dauernd stillen kannst. Vielleicht würde es helfen, wenn Du Deinem Kind die Brust tagsüber vermehrt anbieten würdest, damit es sich sicherer fühlt. Dein Kleiner muss nun lernen, dass da noch jemand ist, dass er nicht mehr nur alleine die ganze Aufmerksamkeit bekommt - und das tut weh. Du machst alles richtig, aber Ihr beide braucht Ruhe und Zeit, um Euch an das neue Menschlein zu gewöhnen. Kann dein Mann ein paar Tage daheim bleiben und das Baby übernehmen? Könntest Du dir am Abend extra für den Großen Zeit nehmen und ihn ganz alleine stillen für einige Minuten, die dann nur ihm ganz alleine gehören? Dein Großer braucht die Versicherung, dass er genau so wichtig ist wie das Baby und es ist wichtig, dass Du auch Zeit für ihn alleine hast. Wie wäre es, wenn Du während dem Stillen ein Buch vorliest? Mir persönlich gefällt das Buch "Ich will auch Geschwister haben" von Astrid Lindgren für diesen Zweck sehr gut. Ein Buch, das sich vor allem auch mit dem Thema Stillen beschäftigt und mit liebevoll gezeichneten Bilder aus der Sicht des größeren Bruders vom Auf die Welt kommen, dem Stillen und Tragen erzählt ist "Busi sagte Henriette" von Edith Seitz. "Busi sagt Henriette bekommst Du im Buchhandel (Edition buntehunde, ISBN 3 934941 03 6). Weitere Tipps für die Zeit nach der Geburt: o dem älteren Kind eine Babypuppe schenken, (oder sie ihr von dem Baby schenken lassen), die es ebenfalls versorgen und stillen kann. Außerdem kann das ältere Kind in die Versorgung des Babys miteinbezogen werden (es kann die Windeln reichen, den Po eincremen ...). Entscheidend ist, dass er sich wichtig fühlt und weniger zurückgesetzt durch das Baby. o dem älteren Kind erlauben wieder klein zu sein, eben auch ein Baby, und es, wenn das Baby schläft, ein bisschen herumtragen, mit ihm ausgiebig kuscheln usw. Der oft geäußerte Spruch "Du bist jetzt schon so groß" führt bei manchen Kindern gerade zum Gegenteil dessen, was man erreichen wollte, denn "groß sein" bedeutet nach Auffassung des Kindes, dass es jetzt nicht mehr so wichtig ist. (Ich weiß, dass dies objektiv nicht so ist, aber das Kind kann es so empfinden). o ein Tragetuch verwenden. Mit dem Baby im Tuch, ist mindestens eine Hand frei für das ältere Kind (bei einem korrekt gebundenen Tuch). So kann die Mutter sich mit dem älteren Kind beschäftigen und gleichzeitig auf das Bedürfnis des Babys nach Nähe und Körperkontakt eingehen. Das Baby ist mit dabei, schläft wahrscheinlich sogar recht gut und es wird Freiraum für das Große gewonnen. Viele Mütter machen die Stillzeit mit dem Baby zu einer gemütlichen Kuschel- und Lesestunde für das größere Kind. Mit etwas Übung kann das Baby beim Stillen mit einem Arm gehalten werden und in den anderen Arm kann sich das größere Kind mit einem Bilderbuch o.Ä. kuscheln. Das ältere Kind kann das Buch so halten, dass die Mutter darin lesen kann oder mit ihm die Bilder anschauen und außerdem bekommt es die wichtige Aufgabe, die Seiten umzublättern. So weiß dein Kind, dass es wichtig ist und wird nicht mehr so versessen darauf sein, an die Brut zu dürfen. Eine andere Möglichkeit die Stillzeiten für das große Kind zu etwas besonderem zu machen ist eine "Stillkiste" (der Begriff stammt von einer meiner Gruppenmütter). In dieser Kiste sind besondere Dinge (z.B. ganz spezielle Stifte und glänzende Papierbögen, bunte Perlen, die zu Ketten aufgereiht werden können, ein Spielzeugauto je nachdem, was für das Kind besonders attraktiv sein kann), die nur zu den Stillzeiten benutzt werden dürfen. Wenn Du mit beiden Kindern unterwegs bist, sind die Kombination Buggy (großes Kind und/oder Einkäufe) und Tragetuch (Baby) optimal. Sprich auch mit deinem Kind und sage ihm, dass Du es nicht mehr so oft oder gar nicht stillen magst, aber entziehe nur die Brust und nicht deine Liebe. Nur Mut, auch der (Still)Alltag mit zwei kleinen Kindern ist meisterbar, Ihr braucht nur Zeit dazu! LLLiebe Grüße Biggi
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