Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

abstillen mit 13 monaten wegen medikamenten einnahme

Frage: abstillen mit 13 monaten wegen medikamenten einnahme

Mitglied inaktiv

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hallo, meine tochter ist 13 monate alt und ich stille sie in der nacht voll und auch mehrmals am tag. ich habe mit 6 monaten mit der beikost angefangen und sie ist inzwischen von der mohrrübe bis hin zum brutterbrot alles sehr gerne, jedoch möchte sie immer wieder an die brust. aufgrund eines fieberanfalles und des darauffolgenden 4 wöchigen urlaubes hat sich ihr still verhalten sehr stark geändert, so daß sie immer öfter an die brust möchte. obwohl sie alle mahlzeiten zu sich nimmt. da sie schnuller, aptamil und fläschchen generell verweigert habe ich wenige alternativen, muß jedoch jetzt akut wegen medikamenten einnahme aufgrund nierensteinen abstillen. wie gehe ich nun vor? meine tochter ist sehr willensstark und wird sich nicht einfach mit einem gläschen milch ablenken lassen. da ich nicht viel zeit habe, muß es sehr zeitnah und auch in sehr kurzer zeit passieren, habe gehört, daß man sich scharfe paste oder auch zitronensaft auf die brust tun kann, damit das kind abgestillt wird, jedoch sträuben sich meine haare bei dem gedanken, ich habe schon die kinderärzte und auch meine hebamme gefragt, aber leider keine passende antwort bekommen, außer daß ich meine tochter einige tage zu den großeltern geben soll, da sie aber dort noch nie geschlafen hat, habe ich angst vor einem traumatischen erlebnis. ich wäre sehr dankbar, wenn sie mir ein stück weit, weiter helfen könnten!!! herzlichen dank im voraus.


Biggi Welter

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Liebe daefni, jetzt mal ganz langsam: Ein Krankenhausaufenthalt oder auch eine Operation ist nicht sofort ein Abstillgrund. Es gibt nur sehr wenige Situationen, die hier ein Abstillen erforderlich machen würde (z.B. eine Chemotherapie bei einer Krebserkrankung oder eine Therapie mit radioaktiven Substanzen). Wenn Sie also nicht gerade eine so schwerwiegende Erkrankung haben - und davon gehe ich bei Nierensteinen nicht aus - dann gibt es jetzt keinen Grund abzustillen. Sie können im Prinzip stillen, bis unmittelbar vor der OP und auch gleich wieder nach der Operation, sobald Sie wach genug sind, um das Kind selbst zu halten. Narkosemittel, Schmerzmittel und was sonst noch erforderlich ist, können so gewählt werden, dass es mit dem Stillen zu vereinbaren ist. Eventuell müssen die Ärzte nachschauen, welche Medikamente für stillenden Mütter geeignet sind oder sie fragen bei Unklarheiten im Institut für Vergiftungserscheinungen und Embryonaltoxikologie in Berlin (Tel.: 030-30308111) nach. Stillen ist viel, viel mehr als nur Nahrung für den Körper und deshalb bedeutet Stillen nicht nur, dass das Kind Mahlzeiten an der Brust zu sich nimmt. Das sollte Ihnen absolut bewusst sein, wenn Sie Ihr Kind abstillen: Sie ersetzen nicht einfach nur ein Nahrungsmittel durch etwas anderes. Die immer wieder vorgeschlagene "Curry Methode" (auch Senf oder Zitronen-Methode genannt) kann einen sehr gravierenden Vertrauensbruch bedeuten. Stellen Sie sich vor, Ihre kleine Tochter kommt vertrauensvoll zu Ihnen, um an der Brust zu trinken und muss dann erfahren, dass die Brust abscheulich schmeckt. Können Sie sich den Schreck und Schock vorstellen? Ich will nicht leugnen, dass Kinder auf diese Weise abgestillt werden, doch um welchen Preis. Wenn Sie jetzt für sich beschlossen haben, dass Sie Ihre Tochter abstillen wollen, so kann ich Ihnen nur davon abraten es auf durch "kalten Entzug" zu tun. Erstens kann dies zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind führen und zweitens gibt es keine Garantie, dass Ihre Tochter nach dem Klinikaufenthalten nicht doch weiter an die Brust will. Möchten Sie denn weiterstillen? LLLiebe Grüße, Biggi


Mitglied inaktiv

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liebe biggi, zuerst einmal ganz lieben dank für die superschnelle antwort, es ist so, daß unsere tochter inzwischen einen soor im mund und darmbereich hat, obwohl sie selbst keinen infekt hatte, der kinderarzt meinte, daß es von meinen schmerzmedikamenten kommen kann, ich habe immer noch den nierenstein und auch blut im urin, müßte entzündungehemmende medikamente nehmen, jedoch gibt es wohl keine die stillbegleitend eingenommen werden können, habe auch inzwischen einen nierenstau, da wäre es mir natürlich lieber ich könnte medikamente einnehmen bevor ich eine nierenschiene per op gelegt bekomme. nun sind gestern meine eltern angereist und übernehmen tagsüber die betreuung, so daß sie mich gar nicht so oft sieht und wenn dann versuchen wir sie von der brust mit bananen und gruken abzulenken. ehrlich gesagt, bin ich auch inzwischen sehr verunsichert worden, da es hier zulande eher unüblich ist, ein kind solange zu stillen und alle unsere bekannten schon mit 6 monaten abgestillt haben, so daß ich immer wieder mit der frage konfrontiert werde...wie du stillst immer noch? ich selbst bin türkin und ich komme gerade aus unserem urlaub, da war die stimmung sehr entspannt, da man durchschnittlich 2 jahre stillt. aber hier ist es eher schon fast unmoralisch. schwiegermutter, die meinen man gar nicht gestillt hat, spricht wohl meinen mann auch immer an, daß ich endlich abstillen soll, da es ansonsten mit der abnabelung immmer schwieriger wird. und ich würde mich, ganz im ernst, auch mal über eine nacht durchschlafen freuen :-))))) aber ich werde auf jeden fall mal in berlin anrufen und nachfragen welches entzündungshemmende medikament ich nehmen kann, damit wäre mir schon sehr geholfen. wir versuchen zur zeit sie tagsüber nicht zustillen und nachts darf sie nuckeln inklusive frühstück, heute hat es schon ganz gut geklappt und ich habe auch das gefühl, daß sie deswegen mehr ißt, kann das sein? denn das wäre sehr schön, da unsere tochter nicht gerade der große esser ist, obwohl ich immer alles frisch mit dem dampfgarer zu bereite, aber vielleicht liegt es auch an meiner kochkunst :-)))) ist denn schon der entzug tagsüber eine schlimme erfahrung? sollte ich mir mehr zeit lassen? ich habe schon versucht die stillmahlzeiten durchs essen zu ersetzen, aber sie ist einfach sehr brustfixiert und bekommt teilweise mittags keine 200 gr gemüse runter, da sie immer wieder an die brust will....vielen herzlichen dank für ihre mühe und antworten im voraus.... lieben gruß daefni


Biggi Welter

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Liebe daefni, es tut mir so leid, dass Sie sich so unwohl fühlen und sich verteidigen müssen, weil sie noch stillen. Es gibt keine offizielle Definition für Langzeitstillen, im Allgemeinen hat es sich eingebürgert, dass davon in unserer Gesellschaft gesprochen wird, wenn das Kind älter als ein Jahr ist. Selbstverständlich bezieht sich der Begriff nicht auf ausschließliches Stillen. Die WHO empfiehlt ausdrücklich für ALLE Kinder eine Stillzeit von bis zu zwei Jahren und darüber hinaus. Die Ernährungsempfehlungen der WHO sind (in englisch) nachzulesen unter www.who.int/chd/publications/newslet/diaglog/9/feeding_young_children.htm . Es steht in der Innocenti Deklaration ausdrücklich, dass diese Empfehlungen für alle Kinder und nicht nur für Kinder in Drittweltländern Anwendung finden. Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt ebenfalls eine mindestens einjährige Stillzeit für alle Kinder und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen. Die neueste Verlautbarung der American Academy of Pediatrics ist übrigens sehr eindeutig. Dort steht nämlich „There is no upper limit to the duration of breastfeeding and no evidence of psychologic or developmental harm from breastfeeding into the third year of life or longer“. (Es gibt keine Obergrenze für die Stilldauer und keinen Beleb für Schädigungen hinsichtlich der Psyche oder der Entwicklung, wenn bis in das dritte Lebensjahr oder länger gestillt wird). Der Einstellung, dass das Langzeitstillen die Loslösung beeinträchtige oder ein Problem in Hinblick auf die Theorie des Übergangsobjektes darstellt, ist keineswegs Fakt. Dieser Vorstellung liegt eine Hypothese zugrunde, für die es keinen Beweis gibt. Die Überlegungen beruhen auf Beobachtungen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, die vor langer Zeit gemacht wurden. Dem Stillen oder gar dem längeren Stillen wurde dabei überhaupt keine Aufmerksamkeit entgegengebracht (wohl auch, weil kaum bzw. nicht lange gestillt wurde). Die Praxis zeigt jedenfalls, dass langzeitgestillte Kinder nicht unselbständiger sind als kurz oder gar nicht gestillte Kinder und auch keine vermehrten Probleme mit der Loslösung haben, im Gegenteil: Oft haben sie ein so starkes Vertrauen in sich und die Welt, dass sie recht forsch die Welt entdecken wollen. Außerdem spricht gegen diese Theorie, dass es dann weltweit gesehen sehr viele Kinder Probleme mit der Selbstregulation haben müssten, denn es gibt ja nun mal viele Kulturen, in denen das lange Stillen deutlich über das Babyalter hinaus üblich ist und es gibt Kulturen, in denen keine Übergangsobjekte bekannt sind. Das lange Stillen führt definitiv nicht zu einer verspäteten Loslösungsphase, aber ihr Kind spürt jetzt ihre Unsicherheit und das ist etwas, was Kinder extrem schlecht vertragen. Kinder brauchen Klarheit und Zweifel sowie Unsicherheit der Eltern verwirren sie und beeinflussen ihr Verhalten, so dass sie z.B. besonders klammern oder eben sehr lange und häufig an der Brust trinken. Das Problem ist nicht das Stillen – das in diesem Alter außerdem noch vollkommen normal ist, denn statistisch gesehen findet ein selbstbestimmtes Abstillen meist irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag statt – sondern der Druck, der von außen auf Ihnen lastet. Lassen Sie sich von niemandem drängen und wenn SIE noch nicht abstillen möchten, dann müssen Sie es nicht, denn es gibt wirklich auch stillverträgliche Medikamente! Ganz llliebe Grüße, ich hoffe, es geht Ihnen bald besser! Biggi


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liebe biggi, noch einmal ein herzliches dankeschön für ihre zeitnahe antwort!!! zur zeit gehts mir gesundheitlich besser und mein mann findet das gejammere unserer tochter auch nicht mehr so toll, denn meine eltern sind heute wieder nach hause gefahren und er mußte das einschlafritual absolvieren, ich denke, daß ich unsere tochter zwar abstillen werde, aber uns die zeit lassen werde, die wir brauchen, zur zeit funktioniert es ohne stillen tagsüber sehr gut und sie ißt auch viel besser, aber nachts werden wir uns wohl noch etwas mehr zeit lassen, die zeit, die soraya noch braucht! alles wird gut. DANKE FÜR DEN BEISTAND UND DAS VERSTÄNDNIS!!!! lieben gruß. daefni


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