Mitglied inaktiv
Hallo Biggi, ich bin ziemlich verzweifelt, vielleicht hast Du einen Rat für mich und meinen Sohn. Ich fühle mich wie in einer Sackgasse, aus der ich nicht mehr rauskomme. Mein Sohn wird im Mai drei Jahre alt und ist immer noch total scharf auf Muttermilch. Er möchte 6 - 20 mal pro Tag an meinen Brüsten nuckeln, vor allem zuhause. Ich wollte eigentlich nur 6 Monate voll stillen und dachte, Babys stillen sich mit einem Jahr dann alleine ab und trinken nur noch aus der Tasse. Ich wollte mein Kind nicht mit Gewalt abstillen, sondern ihn selbst entscheiden lassen, wie lange er es braucht. Nun soll er bald in den Kindergarten und sein Seelenheil scheint immer noch von der Brust abzuhängen. Er braucht die Brust auch meistens zum Einschlafen. Sobald ich sitze, will er nuckeln. Wenn ich ihn nicht lasse, dann ist das SEHR schlimm für ihn, als stürze eine Welt für ihn zusammen. Und glauben Sie mir, ich kann viel Geschrei aushalten, denn er hat von Anfang an viel geschrien, sogar unterwegs im Kinderwagen, und hat mehrere Trotzanfälle pro Tag, wo ich die Ruhe bewahren muss. Als er ein Jahr alt war und ich immer noch stillte, habe ich auch viel Kritik von anderen Müttern, Kinderärzten usw. aushalten müssen. Um niemanden zu stören, hab ich es zum Glück geschafft, meinen Sohn hauptsächlich nur noch zuhause zu stillen. Aber seit er zwei Jahre alt ist, reicht es mir wirklich mit dem Genuckel. Fläschchen, Schnuller, Kuscheln, Schmusedecke oder ähnliches akzeptiert er bis heute nicht als Ersatz für die Brust. Er liebt es, die Brust zu riechen, er sagt, sogar mein Pulli riecht wie meine Brust, doch nur daran riechen reicht ihm nicht. Er hat schon immer wenig gegessen, ist recht klein und dünn, aber sehr gesund. Nachts schläft er meistens gut durch seitdem er 9 Monate alt ist, aber 10 Stunden Schlaf pro Tag haben ihm schon immer gereicht. Von der Windel will er sich leider auch noch nicht verabschieden, aber sprachlich ist er recht weit. Seit zwei Jahren stille ich ihn nur noch auf Verlangen (biete nicht an, lehne nicht ab), meide das Stillen in der Öffentlichkeit, habe es also versucht einzugrenzen, doch das trug nicht zum Abstillen bei, wie ich erhofft hatte. Wie kann ich ihn jetzt Abstillen, ohne ihm zu sehr weh zu tun? Sorry, dass ich hier meine Lebensgeschichte ausbreite, aber das Thema liegt mir schon lange auf dem Herzen. Ich bin wirklich nicht gegen das Langzeitstillen, aber für mich hat es inzwischen einen sauren Beigeschmack. Danke fürs "Zuhören". Tanja
Liebe Tanja, Du hast selbst schon erkannt, dass deinem Sohn sehr bewusst ist, dass das Stillen viel mehr als nur Nahrung ist und da er noch nicht so weit ist, von sich aus darauf zu verzichten, fürchtet er jetzt, diesen wichtigen Teil eurer Beziehung zu verlieren und verlangt wahrscheinlich noch öfter nach der Brust. Deshalb ist es ein sehr weiser Entschluss, dass Du den Abstillversuch zunächst einmal beendet hast, um die Situation nicht noch weiter eskalieren zu lassen. Wenn es dir möglich ist, dann warte bis zu einem neuen Versuch solange ab, bis sich die Gemüter wieder beruhigt haben und dein Sohn nicht mehr so aufgebracht und verunsichert ist. Sobald sich die Situation insgesamt wieder beruhigt hat, kannst Du einen neuen Abstillversuch unternehmen. Rede mit deinem Sohn darüber, das Du die Stillzeit nun ausklingen lassen möchtest, damit er sich nicht überrumpelt fühlt. Triff zum Beispiel eine Abmachung mit ihm, dass Du jeden Abend etwas kürzer stillst und dann eine Geschichte erzählen möchtest. Verändere das Abendritual und beziehe seinen Vater stark mit ein. Wichtig ist, dass dein Sohn spürt, dass Du ihm zwar die Brust entziehst, nicht aber deine Liebe. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen. Wichtig ist auch, dass Du dir in deinem Entschluss abzustillen wirklich sicher bist und realistische Vorstellungen davon hast, welche Vorteile dir das Abstillen bringen wird. Dein Sohn spürt deine Zweifel, wenn Du nicht vollkommen davon überzeugt bist, dass Du abstillen willst. Außerdem möchte ich dir das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL-Stillberaterin (auch hier im Still-Shop) erhältlich. Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt. LLLiebe Grüße Biggi
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