Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen bei fast 2.jährigem Kind

Frage: Abstillen bei fast 2.jährigem Kind

kikoa

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Sehr geehrte Frau Welter, meine Tochter wird in ca. einem Monat 2 Jahre alt und ich würde sie gerne abstillen. Da ich in den anderen Antworten keinen Fall gefunden habe, wo ein Kind so alt ist, stelle ich nun selbst die Frage. Ich stille sie mittags und abends vor dem Einschlafen, nachts, wenn sie aufwacht (was nicht selten passiert) und manchmal sogar morgens, wenn sie aufwacht und danach verlangt. Ich habe sie bisher sehr gerne gestillt, aber da es nun oft sehr unangenehm ist bis hin zu schmerzhaft durch ihre Zähne, möchte ich sie gerne abstillen. Das Problem ist, dass sie sehr gerne gestillt wird, sie liebt es. Sie verlangt nun auch mit Worten danach und lässt nicht locker, bis sie es kriegt. Sie hat nie ein Milchfläschchen genommen auch nicht mit Muttermilch. So langsam fängt sie an, mal 20-30 ml Vollmilch aus dem Fläschchen zu trinken, will dann aber trotzdem noch gestillt werden. Wie stelle ich es nun am besten an? Ich will sie auf keinen Fall schreien lassen und will es nicht auf die harte Tour machen. Sie soll nicht das Gefühl haben, ich lasse sie im Stich oder ich nehme ihr Liebe und Zuneigung weg. Wie lange kann sowas dauern? Ist es realistisch zu hoffen, dass es in 2 Monaten erledigt ist? Mit freundlichen Grüßen kikoa


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe kikoa, wenn Sie nun abstillen wollen, dann sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass eure Stillzeit nun langsam zu Ende geht und zeigen Sie ihm, dass Sie es selbstverständlich noch genau so lieb haben wie schon immer. Sie entziehen ihm die Brust aber nicht Sie selbst und Ihre Liebe. Dazu können Sie die Stillzeiten immer weiter verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen oder zu trinken anbieten. Eine andere Möglichkeit ist es, dass statt Ihnen, Ihr Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Sie wenden sich jedes Mal Ihrem Kind zu, sondern ihr wechselt euch ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er euer Kind auf andere Weise beruhigen müssen. Sie können Ihr Kind ja zuerst (kurz) stillen und dann Ihrem Partner übergeben. Das Verändern von Ritualen kann helfen. Das kann auf verschiedene Art und Weise möglich sein. Ihr könnt ein festes Ritual mit Kuscheln und Vorlesen oder Geschichte erzählen einführen. Viele Eltern beginnen auch bereits bei einem wenige Monate alten Baby damit, den Tag am Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und so ein Gespräch (das sich im Laufe der Zeit dann entwickeln wird) über die Erlebnisse, Freuden, aber auch Sorgen und Nöte des Kindes zu führen. Durch solch ein Gespräch bleiben Eltern dann auch in engem Kontakt mit ihrem Kind und der leider viel beobachtet Sprachlosigkeit zwischen Eltern und Kind kann entgegengewirkt werden. Wenn Ihr Partner nicht einspringen kann, bleibt es an Ihnen, Ihr Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Wichtig ist, dass Ihr Kind weiterhin Ihre Liebe und Zuneigung spürt und Sie nicht gleich die Geduld verlieren, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Probieren Sie es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. LLLiebe Grüße Biggi Welter


kikoa

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Leider lässt sich von meinem Mann nicht ins Bett bringen, sondern nur von mir... Kann ich bei ihr auch die Methode mit "biete nicht an, lehne nicht ab" anwenden? Das mit dem kürzer Stillen ist so eine Sache. Sie saugt sich nämlich regelrecht fest, wenn ich versuche, sie früher abzumachen, und das tut mir dann nur noch mehr weh... Haben Sie ein paar Erfahrungswerte, wie lange so ein Abstillprozess dauern kann? Vielen Dank!


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe kikoa, der Abstillprozess dauert so lange, wie Sie es zulassen. Für Ihr Kind wird es einfacher, wenn es Zeit bekommt und sich an die neue Situation gewöhnen kann. Sie können Ihrer Tochter erklären, dass es Grenzen gibt, die sie einhalten muss und müssen dann selbst auch darauf achten, dass diese Grenzen auch wirklich Grenzen sind. Das erfordert häufig Konsequenz, deshalb ist es wichtig die Grenzen genau zu überdenken und nur dort aufzustellen, wo sie Ihnen wirklich wichtig sind, sonst ist es schwer immer konsequent zu bleiben. Ja, Sie können erst einmal nicht anbieten und nicht ablehnen und ganz allmählich vorgehen. Wenn es so nicht klappt, können Sie einen Schritt weiter gehen und eine Mahlzeit ausfallen lassen. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Womöglich wäre "punktuelles Abstillen" eine Lösung für Sie. Es ist eine Alternative zum vollständigen Abstillen. Damit meine ich, dass zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird oder Sie versuchen Ihr Kind davon zu überzeugen, nach einer ausreichend langen Zeit an der Brust, etwas anderes zu tun. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel oder bei der La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin oder im Stillshop auf dieser Seite erhältlich. LLLiebe Grüße, Biggi


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