Jasmin79
Hallo liebes Stillberatungsteam, meine Tochter ist schon 27 Monate alt und wird noch abends zum Einschlafen gestillt. In ca. 50% der Nächten schläft sie durch, wenn sie wach wird, wird sie auch dann noch zum Weiterschlafen gestillt. Eigentlich wollte ich nur bis zum 1. LJ stillen, aus verschiedenen Gründen habe ich es aber immer wieder hinausgeschoben (Tochter war oft krank, zahnen, etc.). Ausserdem ist sie sehr sehr willenstark und impulsiv. Da ich selbst psychisch sehr angeschlagen bin (Depressionen,etc.) habe ich bisher auch nicht die Kraft aufgebracht das Abstillen "durchzuziehen". Meine Tochter nimmt auch keinen Schnuller, und wenn ich ihr eine Milchflasche anbiete, trinkt sie zwar etwas davon, verlangt aber anschließend wieder die Brust. Wenn mein Mann versucht sie ins Bett zu bringen, dann geht das solange gut bis es ans Einschlafen geht, dann muss ich kommen, dann trinkt sie an der Brust und schläft in aller REgel dabei ein. Inzwischen habe ich das Gefühl dass es an der Zeit ist abzustillen. Ich lese auch viel im Forum von Dr. Posth und ich habe das Gefühl dass sie im Moment sehr hin- und hergerissen ist. Sie möchte sich von mir lösen, ist aber doch noch irgendwie abhängig von mir zwecks der Brust. Dies scheint sich langsam zu einem Problem zu entwickeln. Vielleicht habt ihr Tips für mich wie ich es angehen kann? Ich fürchte ich habe nach wie vor nicht die Kraft das "Schreien und Brüllen und Verlangen" nach der Brust auszuhalten. Sie kann sich wirklich extrem reinsteigern (generell). Mich persönlich würde es nicht so sehr stören noch weiterzustillen, wenngleich ich immer öfter das Gefühl habe ihr zu schaden, da ich inzwischen auch wieder die Pille nehme. Ich würde auch gerne mal Antidepressiva nehmen um endlich aus diesem Loch herauszukommen.... Ich danke euch für jeden Tip im voraus. Jasmin
Liebe Jasmin, weder die Pille noch Antidepressiva sind ein Abstillgrund. Auch die Einstellung, dass das Langzeitstillen die Loslösung beeinträchtige oder ein Problem in Hinblick auf die Theorie des Übergangsobjektes darstellt, ist keineswegs bewiesen. Dieser Vorstellung liegt eine Hypothese zugrunde, für die es keinen Beweis gibt. Diese Überlegungen beruhen auf Beobachtungen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe die vor langer Zeit gemacht wurden. Dem Stillen oder gar dem längeren Stillen wurde dabei überhaupt keine Aufmerksamkeit entgegengebracht (wohl auch, weil kaum bzw. nicht lange gestillt wurde). Die Praxis zeigt jedenfalls, dass langzeitgestillte Kinder nicht unselbständiger sind als kurz oder gar nicht gestillte Kinder und auch keine vermehrten Probleme mit der Loslösung haben, im Gegenteil: Oft haben sie ein so starkes Vertrauen in sich und die Welt, dass sie recht forsch die Welt entdecken wollen. Außerdem spricht gegen diese Theorie, dass es dann weltweit gesehen sehr viele Kinder Probleme mit der Selbstregulation haben müssten, denn es gibt ja nun mal viele Kulturen, in denen das lange Stillen deutlich über das Babyalter hinaus üblich ist und es gibt Kulturen, in denen keine Übergangsobjekte bekannt sind. Das lange Stillen führt definitiv nicht zu einer verspäteten Loslösungsphase. Wenn Du also nicht wirklich abstillen möchtest, musst Du es nicht, Du schadest deinem Kind nicht. Es ist absolut nicht ungewöhnlich, dass ein Kind in diesem Alter noch gestillt wird, es ist lediglich in unserer Kultur nicht so verbreitet. Allerdings gibt es sehr viele Kleinkinder, die gestillt werden, aber ihre Mütter gehen damit nicht an die "Öffentlichkeit", um eben Anfeindungen aus dem Weg zu gehen. Eben so wenig ist es ungewöhnlich, dass ein Kleinkind nachts aufwacht. Wäre es übrigens sooo außergewöhnlich, dass ein Baby oder Kleinkind nachts aufwacht, dann gäbe es wohl kaum eine solche Flut von Ratgeberbüchern, was zu tun sei, um das Kind zum Durchschlafen zu bringen. Allein die Tatsache, dass Bücher zu diesem Thema in riesigen Mengen verkauft werden zeigt, dass es wohl der "Normalzustand" ist, dass kleine Kinder nun einmal nicht durchschlafen. Für ein Kind ist das Stillen viel, viel mehr als nur Nahrungsaufnahme. Das Abstillen bedeutet daher auch mehr als das reine Ersetzen einer Nahrung durch eine andere. Im Alter deiner Tochter ist es dem Kind auch sehr bewusst, dass Stillen mehr als nur Trinken bedeutet. Ich werde dir jetzt ein paar Möglichkeiten aufzählen, ein älteres Stillkind von der Brust zu entwöhnen. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt "biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Du Deinem Kind die Brust nicht von Dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die Deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du Dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt Dich hinzulegen, wenn Du Dein Kind zum einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es Dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn Dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Dein Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Außerdem möchte ich dir das Buch "Wir stillen noch über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen, das bei La Leche Liga und jeder La Leche Liga Stillberaterin (also auch bei uns) und im Buchhandel erhältlich ist. LLLiebe Grüße Biggi
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