AnRaLu
Liebe Stillberaterinen, Ich bin einfach nur noch verzweifelt. Ich habe am 8.11.2016 meine erste Tochter zur Welt gebracht. Noch im Kreißsaal haben wir angefangen zu stillen. Außer am Anfang schmerzende Brustwarzen hatten wir nie Probleme. Leider geht es mir seit Monaten körperlich immer schlechter. Mich plagten und plagen Symptome wie permanenter Schwindel, Kreislaufprobleme, Hitzewallungen, eine Gewichtsabnahme von 12 kg in den letzten 5 Wochen trotz vermehrten Appetits und extreme Stimmungsschwankungen. Ich habe immer alles auf die Hormonumstellung nach der Schwangerschaft geschoben, als jedoch vorletzten Freitag körperlich und psychisch nichts mehr ging habe ich meinen Hautarzt aufgesucht. Nach einer Blutentnahme stand die Ursache fest. Ich habe eine extreme Schilddrüsenüberfunktion entwickelt. Dank der Werte und der Tatsache das ich voll Stille habe ich innerhalb von zwei Tagen einen Termin beim Radiologen erhalten. Dieser bestätigte die Überfunktion anhand eines Ultraschalls und einer erneuten Blutabnahme. Diesen Dienstag dann der Schock. Mein Hausarzt rief mich an, teilte mir mit was im Bericht vom Kardiologen steht, nannte mir das Medikament Carbimazol mit einer Dosierung von 2x10mg täglich und beiläufig sagte er "Stillen können sie bei der Dosierung aber nicht mehr, holen sie sich noch heute das Rezept ab und beginnen mit der Einnahme." Mir schossen sofort die Tränen in die Augen und nein, ich habe an diesem Tag das Rezept nicht mehr geholt. Das habe ich am Mittwoch gemacht und auch direkt meine Gynäkologin aufgesucht. Diese bestätigte die Aussage, dass ich bei der Einnahme von 20mg Carbimazol abstillen müsste und drückte mir ein Rezept über Abstilltabletten in die Hand. Aus meiner Verzweiflung heraus rief ich in der radiologischen Praxis an, der Arzt nahm sich tatsächlich zwei Stunden später Zeit für mich und riet mir auch zum Abstillen. Er erzählte mir aber auch, dass sich der Wert innerhalb der nächsten zwei Wochen schon so weit stabilisieren könnte, dass ich auf 10mg reduzieren könne. Den Kontrolltermin habe ich am 30.03. Ich habe gestern (Donnerstag) mit der Einnahme der Carbimazol begonnen und meiner Kleinen von dem Moment an Flaschennahrung gegeben. Sie macht das wirklich toll mit der Flasche und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Ich konnte mich allerdings noch nicht überwinden mit den Abstilltabletten zu beginnen. Ich habe mir eine Handmilchpumpe besorgt und schütte die abgepumpte Milch weg. Ich habe die Hoffnung, dass ich in 2,5 Wochen vielleicht wieder Stillen kann. Lt. Embryotox ist dies bei einer Einnahme von 10mg möglich. Tue ich ihr und mir damit überhaupt einen Gefallen? Wenn der Wert in zwei Wochen nicht besser ist bin ich bestimmt noch niedergeschlagener weil ich dann kein Strohhalm mehr habe. Anderseits könnte ich es mir nicht verzeihen wenn ich die Abstilltabletten nehme und der Wert besser ist. Wie Sie bestimmt merken drehe ich mich seit Dienstag nur im Kreis. Haben Sie vielleicht einen Ratschlag für mich? Über Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus.
Kristina Wrede
Liebe AnRaLu, wir dürfen (und können) hier ja keine medizinische Beratung machen, aber deine Situation ist überhaupt nicht so, wie die Ärzte sagen. Nicht zwangsläufig. Schau, ich zitiere dir dazu aus "Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit" Schaefer, Spielmann, Vetter 7. Auflage 2006: "Thyreostatika Erfahrungen. Zu den Thyreostatika zählen Carbimazol (z. B. Carbimazol Hexal®), Propylthiouracil (z. B. Propycil®), Thiamazol (= Methimazol, z.B. Favistan®) und Natriumperchlorat (Irenat®). Carbimazol wird zu Thiamazol als aktivem Metaboliten verstoffwechselt. Carbimazol und Thiamazol besitzen einen M/P-Quotienten von etwa 1. Unter täglich 40 mg Carbimazol wurden Konzentrationsspitzen des Methimazol von 0,72mg/l Milch gemessen (Cooper 1984). Daraus errechnet sich eine relative Dosis für Carbimazol von maximal 27% für Jen gestillten Säugling, im Durchschnitt sind jedoch nur 2-10% der gewichtsbezogenen Dosis anzunehmen (Übersicht in Bennett 1996). Unter 5 mg/Tag Thiamazol konnten maximal 65 µg/l Milch gemessen werden. Ein Säugling erhält demnach täglich bis zu 9,8 µg/kg. Das entspricht etwa 12% der mütterlichen Dosis pro kg Körpergewicht. Im Plasma eines gestillten Zwillingspärchens wurde Thiamazol mit 45 und 53 µg/l im subtherapeutischen Bereich gefunden. Die Kinder zeigten keine Symptome, ihr Schilddrüsenstatus war unauffällig (Rylance 1987). Von 46 gestillten Kindern, deren Mütter einen Monat lang 20 mg Methimazol und von 42, deren Mütter zunächst 30 mg täglich einnahmen und dann bis auf eine Erhaltungsdosis von 5-10 mg reduzierten, wiesen alle gleich bleibend normale T3-, T4- und TSH-Werte auf (Azizi 2002). Nicht nur altersentsprechende Schilddrüsenparameter, sondern auch eine normale psychomotorische Entwicklung bis zum Alter von 49 bis 86 Monaten wurden beobachtet (Azizi 2003). Bei Behandlung mit 400 mg Propylthiouracil wurden in der Muttermilch maximal 0,7 mg/l gefunden. Das sind für den Säugling in 24 Stunden höchstens 0,1 mg/kg, also 1,5% der mütterlichen gewichtsbezogenen Dosis. Der M/P-Quotient liegt bei 0,1 (Kampmann 1980). In älteren, methodisch unzureichenden Untersuchungen wurden M/P-Werte von 12 beschrieben. Eine neuere Untersuchung an elf Kindern, deren Mütter täglich 300-750 mg einnahmen, erbrachte erhöhte TSH-Werte bei zwei Kindern 7 Tage nach der Geburt. Diese normalisierten sich jedoch trotz gleich bleibender oder erhöhter mütterlicher Dosis. Es wurde kein Zusammenhang zwischen der mütterlichen Dosis und dem mütterlichen Schilddrüsenhormon fT4 einerseits und dem kindlichen TSH andererseits gefunden. Die Autoren sehen auch bei der höchsten Tagesdosis kein Risiko für das gestillte Kind (Momotani 2000). Natriumperchlorat ist ein Reservethyreostatikum. Es blockiert die Schilddrüse durch Verdrängung des Iod und wird bei szintigraphischen Untersuchungen anderer Organe mit radioaktiv markiertem Iod verwendet. Durch Perchlorat wird auch der Iodtransport in die Brust gehemmt (Janssen 2001), denn das laktierende Brustgewebe kann Iod anreichern. Erfahrungen zur Stillzeit liegen nicht vor. Empfehlung für die Praxis: Propylthiouracil ist Thyreostatikum der ersten Wahl in der Stillzeit. Thiamazol und Carbimazol können auch eingenommen werden, insbesondere wenn die tägliche Erhaltungsdosis 10 mg nicht überschreitet. Wenn Thiamazol oder Carbimazol in einer höheren Dosierung gegeben werden, oder die Dosis von Propylthiouracil im oberen therapeutischen Bereich liegt, sollten nach etwa 3 Wochen die Schilddrüsenparameter des Säuglings kontrolliert werden. Schilddrüsenhormone dürfen nicht zusammen mit Thyreostatika gegeben werden, da hierdurch eine höhere Dosierung der Thyreostatika erforderlich wird. Natriumperchlorat soll in der Stillzeit nicht genommen werden." Du siehst, es steht nichts drin von "sofortigem Abstillen erforderlich", sondern von "Kontrolle erforderlich". Sollte einer der Ärzte das nicht glauben wollen und weitere Informationen benötigen, können sie sich an die Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie in Berlin wenden. Das Team um Dr. Ch. Schaefer hat dort einen speziellen Beratungsdienst für Ärzte zu Medikamentenfragen und Fragen zu Diagnoseverfahren in Schwangerschaft und Stillzeit eingerichtet. Erreichbar sind sie unter 030-450525700 erreichbar, per mail unter mail@embryotox.de, oder online unter www.embryotox.de bzw. http://www.bbges.de/content/index024a.html. Die Embryotox ist DIE Stelle, die sich wirklich auskennt! Lieben Gruß, Kristina
AnRaLu
Ich sollte nachts nicht so lange Texte schreiben. 1. Entschuldigen sie Rechtschreibfehler 2. Der Bericht kam vom Radiologen und nicht vom Kardiologen. Gruß Ramona
AnRaLu
Vielen lieben Dank für die Antwort.
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