Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abends weniger Milch - wie nachhelfen?

Frage: Abends weniger Milch - wie nachhelfen?

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Hallo, ich habe das Problem, daß ich gegen Abend immer weniger Milch habe. Ich trinke über den Tag verteilt ca. 3 Liter (Milch, Saftschorle) und ca. 2-3 Tassen Milchbildungstee (Weleda). Unsere Tochter möchte aber immer schon abends fast stündlich trinken und ich bekomme nicht genug Nachschub. Dazu muß ich sagen, daß sie jetzt schon seit 5 Wochen durchschläft (ca. 8-12 Std.) und ich morgens dann natürlich immer sehr viel Milch habe. Diese pumpe ich dann ab und friere sie ein. Diese Milch bekommt sie dann, wenn ich mal nicht da bin. Und neuerdings gebe ich ihr abends auch oft noch davon ein Fläschchen, weil sie erst dann genug hat und schlafen kann. Was kann ich denn noch tun, damit ich abends mehr Milch habe? Oder soll ich ihr einfach immer abends die morgens abgepumpte Milch per Flasche geben? Vielen Dank für Eure Tipps und Antworten. Susanne + Tessa 13 Wochen alt


Biggi Welter

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? Liebe Susanne, ich glaube nicht, dass Sie am Abend wirklich zu wenig Milch haben. Die kurzen Stillabstände am Abend sind nämlich kein zwingender Beweis für zu wenig Milch. So kleine Babys wollen im Schnitt zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden. Im Schnitt heißt, es gibt Babys die seltener nach der Brust verlangen (eher wenige Babys) und es gibt Babys, die häufiger an die Brust wollen (die Mehrzahl). Nun ist es jedoch nicht so, dass ein Kind zügig zwanzig Minuten trinkt und sich dann nach drei Stunden das nächste Mal rührt, sondern es kommt immer wieder zu Stillepisoden, die so ablaufen: das Kind trinkt eine kurze Weile, hört auf, döst vielleicht sogar weg und beginnt erneut kurz zu trinken usw. Dieses Verhalten heißt Clusterfeeding und ist absolut normal für kleine Babys. Besonders gehäuft treten diese Stillepisoden am Nachmittag und Abend auf, wie überhaupt die Abstände zwischen den Stillzeiten im Verlauf des Tages immer kürzer werden. Dazu kommt, dass in bestimmten Alterstufen Wachstumsschübe zu erwarten sind, in denen die Baby manchmal schier ununterbrochen an die Brust wollen. Das Dauerstillen kann sehr anstrengend und auch nervend sein, aber es hat seinen Sinn. Rein wissenschaftlich gesehen ist es so, dass das Baby durch den Stillmarathon die Prolaktinausschüttung anregt und so dafür sorgt, das die Milchbildung angeregt wird und genügend Milch für das Kind zur Verfügung steht. Wenn Sie Milch am Morgen abpumpen und diese dann am Abend geben, greifen Sie in das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage ein, denn der Brust wird am Morgen ein höherer Bedarf als er tatsächlich vorhanden ist und am Abend ein niedrigerer Bedarf als wirklich gegeben vorgegaukelt. Deshalb ist diese Vorgehensweise nicht empfehlenswert. Viel eher sollten Sie versuchen, dass sich Ihre Brust auf die tatsächlichen Gegebenheiten einstellen kann. Sie müssen in der Stillzeit nicht eine bestimmte Litermenge an Flüssigkeit zu sich nehmen, um genügend Milch zu bilden. Vielmehr ist es richtig, sich nach dem Durstgefühl zu richten. Eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme führt nicht zu mehr, sondern zu weniger Milch, da sie dazu führt dazu, dass das antidiuretische Hormon (ADH) zurückgeht, die Frau erfährt dann eine vermehrte Wasserausscheidung („schwemmt aus") und die Milchbildung verringert sich. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit (davon höchstens zwei bis Tassen Milchbildungstee, der aber nicht getrunken werden muss) sind im Allgemeinen ausreichend. Wenn der Urin dunkelgelb wird und die Menge gering ist, trinkt die Frau zu wenig. Schwarzer Tee, Matetee und Kaffee sollten nur mäßig genossen werden. Auf Limonaden oder Colagetränke sowie künstlich gesüßte Getränke sollte möglichst verzichtet werden. Auf die (angebliche) milchflussfördernde Wirkung von Bier oder Sekt sollte verzichtet werden. Alkohol geht bereits in kleinen Mengen in die Milch über und belastet den Stoffwechsel des Babys. Häufiges Anlegen und ein gut saugendes Kind stimulieren die Brust zu mehr Milchbildung. Deshalb sollte das Baby häufiger angelegt werden, wenn die Milchmenge erhöht werden soll. Es ist nicht sinnvoll, den Abstand zwischen den Stillzeiten lange zu halten „damit sich mehr Milch ansammelt", denn die Brust funktioniert nicht wie eine Flasche, die wieder aufgefüllt werden muss. Der größte Teil der Milch wird während des Stillens gebildet. Achten Sie auch auf absolut korrektes Anlegen und richtiges (An)Saugen Ihres Babys. Nur ein gut angelegtes und korrekt trinkendes Baby stimuliert die Brust optimal. Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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