Mitglied inaktiv
Liebe Biggy, ich habe bzw. denke, dass ich ein sogenanntes 24 Std. Baby habe. Mein Sohn ist von Anfang an sehr zappelig und ziemlich anspruchsvoll. Schon die Säuglingsschwester meinte, dass er ein kleiber Zappler sei. Und das hat sich nicht geändert, es ist schlimmer geworden. Eigentlich wollte ich nur 6 M stillen, aber es wurde immer länger. Ich muß auch dazu sagen, dass er nur beim Stillen einschläft! Ich habe auch alles probiert, um ihm das abzugewöhnen. Habe abendl. Rituale eingeführt, aber er will immer die Brust. Jetzt sind gerade wieder 4 Zähne durchgebrochen (er hat jetzt 16) und da wollte er auch tagsüber an die Brust. Sonst reichte es ihm zum Schlafen. Er ist tagsüber sehr quengelig auch wenn ich auf ihn eingehe. Vielleicht zu viel? Er schläft leider auch sehr schlecht, d-h- er geht erst um 21.00 h ins Bett (eher habe ich probiert, da gibt es Gebrüll) und ist morgens um 5.15 h wieder da. Dann schläft er mittags 2- 3 Stunden. Ich habe auch schon versucht, den Mittagsschlaf zu verkürzen, aber dann ist er unausstehlich. Nun möchte ich ihn langsam abstillen, habe aber einen Horror davor. Wie soll ich das nur anstellen? Heute nennt man Kinder schnell hyperaktiv, aber ich glaube, dass es auf meinen Sohn zutrifft. Er rennt R E N N T wirklich nur den ganzen Tag und kann sich schlecht konzentrieren. Bitte helfen Sie mir! VIELEN DANK!! LG
? Liebe Marie, Sie haben recht: heute ist das Wort Hyperaktivität in aller Mund und jedes Kind, das etwas lebhafter ist, hat schnell das Etikett „hyperaktiv" weg. Leider sind in vielen Fällen die Eltern oder noch häufiger irgendwelche Verwandten oder Bekannten sehr rasch mit dieser „Diagnose", obwohl es sich einfach nur um ein Kind mit etwas größeren Bedürfnissen handelt. Gerade solche dahingeworfenen Bemerkungen wie die der Kinderschwester in Ihrem Fall können Eltern sehr verunsichern obwohl sie keine echte Grundlage haben. Ehe Sie selbst sich jetzt mit großen Sorgen herumquälen und bei Ihrem Sohn aufgrund seiner Aktivität ein solches Problem befürchten, sollten Sie ein ausführliches Gespräch mit Ihrer Kinderärztin/arzt führen. Die kann Sie dann auch beruhigen und Ihnen versichern, dass Ihr Sohn für sein Alter eine ganz normale Schlafdauer hat. Insgesamt schläft Ihr Sohn elf bis zwölf Stunden und das ist keineswegs ungewöhnlich wenig für ein Kind von 16 Monaten. Wenn Sie jetzt abstillen wollen, dann können Sie es mit den folgenden Tipps, die sich beim Abstillen eines älteren Babys bewährt haben, versuchen: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Eine andere Möglichkeit ist es, dass statt Ihnen Ihr Partner die Nachtschicht bzw. das zu Bett bringen zum Teil übernimmt. Also nicht Sie wenden sich jedesmal dem Kind zu, sondern Sie wechseln sich ab und da ein Mann keine Brust zum Stillen hat, wird er Ihr Baby auf andere Weise beruhigen müssen. Das Verändern von Ritualen kann helfen. Wenn Ihr Partner nicht einspringen kann, bleibt es an Ihnen, Ihr Kind auf andere Weise zu trösten und zu beruhigen und ihm einen Ersatz für die Brust anzubieten. In dieser Situation ist ein Nachthemd bzw. Kleidung, die sich vorne nicht öffnen lässt oft hilfreich. Außerdem möchte ich Ihnen das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL-Stillberaterin (auch bei uns) erhältlich. Wichtig ist, dass Ihr Kind spürt, dass Sie ihr zwar die Brust entziehen, nicht aber Ihre Liebe. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Zum Schluss noch etwas, was unter Umständen paradox klingt: einige Kinder stillen sich von alleine ab, sobald ihre Mutter die Abstillbemühungen aufgibt. LLLiebe Grüße Biggi Welter
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