Frage im Expertenforum Kochen für Kinder an Dipl. oec. troph. Birgit Neumann:

Verweigerung Obst und Gemüse

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Frage: Verweigerung Obst und Gemüse

pietschi-baby

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Hallo, meine Tochter ist jetzt 16 Monate und isst am Familientisch mit, bisher auch immer super und alles klasse. Seit ca. 8 Wochen nun Probleme. Sie verweigert sämtliches Gemüse und auch Obst, egal was sie vorher mochte, egal was ich koche... sie isst Obst nur wenn es püriert ist (Gläschen oder diese Quetschdinger). Was mach ich denn nun? Habe Angst das sie nicht genug versorgt wird..?? Und ich weiß vor allem nicht mehr was ich kochen soll?? Habe schon von nur Gemüse, dann Auläufe oder Gratins bis hin zu NUdeln mit Gemüse viel probiert. Hast du vielleicht noch einen Tipp?? DAnke und Gruß Daniela


Birgit Neumann

Birgit Neumann

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Hallo Daniela Eine gute Methode, in Kinder Obst und Gemüse hinein zu bekommen, ist neben dem Gewöhungseffekt und dem Nachahmungsinstinkt, Gemüse und Obst in Gerichten zu verstecken. Biete immer wieder selbstgekochtes Obstmus an, Kartoffelbrei, Tomatensosse und iss du auch mit. Versuche Obst und Gemüse in Gerichte einzuarbeiten. Kleingeschnitten, püriert, als Füllung etc Gemüse lässt sich nicht nur in Pizza gut verarbeiten, sondern auch in Fleischsossen. Bolognesesosse oder Gulasch sind gute Beispiele. Lege den Fokus nicht nur aufs Mittagessen. Jede Mahlzeit, auch die ZMZ liefern Kalorien und Nährstoffe. Lass dein Kind aus dem Kochtopf probieren. Bereitet Mahlzeiten gemeinsam zu und lass deine Tochter schon mal vorher probieren. Ermuntere dein Kind immer wieder dazu, mal etwas Neues zu probieren. Denn nur darüber können neue Esserfahrung gesammelt werden und neue Dinge akzeptiert werden. Das kann die Auswahlpalette vergrößern und Appetit auf Neues bilden. Langsam und unmerklich lässt sich die Palette der Gerichte erweitern. Den Zeitpunkt dafür bestimmen oft unerwartete Momente und Situationen. Manchmal ist so eine Situation nicht der Esstisch, sondern vielleicht der Spielplatz, bei der Oma, im Urlaub, im Restaurant etc Kinder wollen alles BE-GREIFEN. Es heisst, dass möglichst viele Sinne beteiligt sein sollten, damit etwas nachhaltig prägt. Riechen, Sehen, Fühlen, Schmecken... Kartoffelbrei kannst du mit Möhren orange "färben". Gib dem Ding einen originellen Namen wie "DIE MAUS" Kartoffelbrei. Auch durch eine solche "Identifikation" schaffst du Vertrautheit, Neugier und spierlerischen Anreiz. Die Kartoffel ist ohnehin sehr vielseitig einsetzbar - Knödel, Gnocchi, Pommes, Backofenkartoffeln, Pellkartoffeln, Rösti u.v.m., Suppen... bspw Erbsensuppe: Finde eine ´Namen dafür:-) TK-Erbsen in leicht gesalzenem Wasser kochen. Nach dem Kochen pürieren und anschliessend noch mal durch ein Haarsieb streichen. Mit Sahne nochmals aufkochen, abschmecken (Zucker, ganz wenig Salz) - Toll! In Pfannkuchen kannst du wunderbar Obst (Äpfel) oder Gemüse (Zucchini)verstecken. 1 Ei verquirlen, 5 EL Milch dazu. 3 EL Mehl beimischen, etwas Zucker, eine Prise Salz. kurz stehen lassen. Einen Apfel feinreiben, in den Teig geben. In Fett kleine Portionen rausbacken. den Apfel merkt man kaum. auch Zucchini kannst du feinreiben, etwas trockentupfen und unter den Teig mengen. Hast du schon sämtliche Gemüsesorten oder Obstsorten ausprobiert? Auch Mais, Erbsen, Brokkoli, Zuckerschoten etc? Manchmal hilft es, die Kinder zu beobachten, wann sie bereit sind, neue Speisen zu probieren. Nutze die Gunst der Stunde, um neue bzw alte Sorten (erneut) zu testen. Auch in Waffeln lässt sich dergleichen verstecken. Käsewaffeln 100 g Butter oder Margarine 3 Eier 250 g Mehl Salz, Pfeffer 1/2 Liter Milch geriebenes Gemüse 200 g geriebener Käse Ca. 150 ml Buttermilch So geht's: Die Butter bei schwacher Hitze zerlassen und etwas abkühlen lassen. Die Eier trennen. In einer Schüssel das Mehl mit Salz und Pfeffer mischen. Die Eigelbe mit der Milch verquirlen und unter das Mehl rühren. Das Gemüse, den Käse und die Butter zugeben. Die Eiweiße zu Schnee schlagen und vorsichtig unterheben. Im Waffeleisen backen. Auch die Präsentation ist wesentlich am Erfolge beteiligt: Statt einem Berg grüner Erbsen lieber mal nur Erbsen als Deko (als Blümchen) auf den Teller tun. Wenn es dem Kind schmeckt, kann nachgelegt werden. Ein super Beispiel ist die Pizza. Die Tomaten gehören da einfach dazu und werden kommentarlos mitgegessen. Gemüse darf ruhig ordentlich weich gekocht sein und mit viel Fett zubereitet sein. Hier zeigt das Beispiel mit dem Rahmspinat (mit dem Extrablubb .-)), wie der Siegeszug angetreten werden konnte. Bestimmt mag dein Kind ein paar wenige Sorten gerne essen, die die Vielfalt auf dem Teller steigern. Kartoffeln, Tomatensosse, Salatgurke? Oder saure Gurken, Gemüsemais? Pflanzt auf der Fensterbank eine Bohnenpflanze. Die darf dein Kind hegen und pflegen, schliesslich ernten, kochen (!!) und essen. Ladet zu diesem Schmaus das Kuscheltierchen ein... Kocht zusammen Marmelade. Gebt Früchte in einen Topf, hier darf dein Sohn rühren und riechen (!) und die fertige Marmelade der Oma schenken. Über Umwege kann man langfristig manchmal viel erreichen. Um den 18. Lm herum, setzt ein Entwicklungsfortschritt ein, der mit besonderer Skepsis gegenüber essbaren Dingen einhergeht. Zum Leidwesen von Mama und Papa resultiert daraus häufig ein sehr eingeschränktes Essesnrepertoire. Besonders (grünes) Gemüse erfreut sich fortan häufig weniger Beliebtheit. Es handelt sich dabei um ein genetisch programmiertes Verhalten, das die Kinder gewissermaßen schützt(e). Sie essen nun nicht mehr alles was sie sehen. Um nun auch unbeliebtere Speisen lieben zu lernen, hilft ihnen der Nachahmungsinstinkt. Koche deshalb Speisen, die alle Familienmitglieder essen und biete deiner Kleinen immer und immer wieder kleine Portionen davon an. Irgendwann wird sie essen. Vermutlich wird nicht jedes Gericht ihr Leibgericht werden, aber immerhin ein paar der üblichen Familiengerichte wird sie bald gerne mögen und essen wollen :-) Trotz Gemüseinhalt. Das Schlagwort hierzu heisst: "Soziales Lernen" . Deine Tochter mag auch Obst nicht so gerne - bzw am liebsten in einer breiigen Konsistenz, gelöffelt aus dem Gläschen oder aus dem Quetschbeutel. Das kennt deine Kleine und mag es. Neue Essgenüsse sind ihr nicht willkommen. Auch das ist altersgerecht, wenn auch anstrengend für die Eltern. Babies, Kleinkinder und Kinder eine sog. Neophobie. Eine Angst vor dem Neuen (essen). Bei manchen Kindern ist sie stärker ausgeprägt. Sie ssen nur das, was sie kennen - denn Unbekanntes könnte giftig sein. Besonders bittere Speisen sind oft giftig. Deswegen wird ein bitterer Geschmack von vielen Kindern abgelehnt. Grüne Paprika schmecken gekocht meist bitter. Aber auch alte Möhren oder Zucchinin etc. Und neben dem Geschmack ist auch das Mundgefühl für Kinder wichtig. Manche mögen es lieber knackig , also lieber in eine frische Möhre reinbeissen, statt gekochte Möhren essen. Andere finden die gekochte Variante, z.b. püriert in der Suppe lecker. Kinder müssen oft über 10 mal von etwas probieren, bevor sie wirklich gut akzeptieren. Die Kleinen müssen neue Speisen erst kennenlernen, neue Geschmackseindrücke sammeln, bewerten, neue Konsistenzen akzeptieren, kauen, selber essen lernen. Kleine Mengen können ausreichen. Freue dich, wenn dein Kind etwas gegessen hat oder auch nur probiert hat. Das ist besser als nichts und dein Kind lernt dazu. Ein reichhaltig gedeckter Tisch mit immer ungefähr gleichbleibendem Angebot weckt die Neugier und fördert das soziale Lernen. Spielerisch erlebt, immer wieder die gleichen Dinge präsentiert, mit vielen Sinnen erfahren, das prägt nachhaltig. Hieraus bildet sich eine gute Basis! Kinder suchen sich ihre Vorbilder. Häufig sind das die Eltern oder nur Mama oder nur Papa. Manchmal die Oma oder eine Freundin. Die Kleinen lernen insgesamt durch Beobachtung. Was von den Personen im Umfeld immer und immer wieder gegessen wird und immer und immer wieder auf dem Tisch steht - hier trauen sich die Kinder schliesslich irgendwann einmal zu zugreifen und zu kosten. Also dann Grüße B.Neumann


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