Frage im Expertenforum Erziehung an Christiane Schuster:

Weiß nicht mehr weiter

Frage: Weiß nicht mehr weiter

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Liebe Frau Schuster, ich habe ein Problem, auf das ich wirklich nicht sehr stolz bin: Im Moment ist unsere fast 10 Monate alte Tochter wirklich sehr sehr anstrengend. Andauernd ist sie wegen nichts am weinen, ich kann nicht mal kurz aus dem Raum gehen, oder sie dem Papa auf den Arm geben, ohne daß sie anfängt, Theater zu machen. Erst wenn ich dann wieder da bin, und sie auf den Arm nehme, beruhigt sie sich allmählich. Neulich hat sie mittags wieder Theater gemacht, hat ihren Brei nach dem halben Glas aus irgendeinem Grund verschmäht und ein riesen Geschrei gemacht. Warum, weiß ich nicht. Ich habe sie dann in ihren Laufstall gestellt und bin kurz rausgegangen, weil ich verhindern wollte, daß ich mich wieder aufrege. (Ich muß dazu sagen - was keine Entschuldigung oder einen Freifahrtschein für mich sein soll- daß ich aus einem Elternhaus komme, in dem Kinder-Schlagen und Babys-Schreien-Lassen zur normalen Erziehung gehört. Ich habe mir immer vorgenommen, daß ich meine Kinder nicht hauen werde und daß mein Kind nicht schreien muß, ich aber irgendwie in letzter Zeit sehr schnell vom Geschrei meiner Tochter genervt bin. Ich weiß nicht, wieso sie so ist, sie kann seit gut einer Woche an Tischen, Stühlen und an der Hand laufen, schläft aber merkwürdigerweise seit Weihnachten etwa nicht mehr durch und sie schläft auch meistens nur noch bis 4.00 oder 5.00 morgens, wobei sie meistens erst um 20.00 Uhr ins Bett geht, und da sie in unserem Zimmer schläft ist die ständige Aufwacherei nachts und das frühe Aufstehen recht nervig. Eine Freundin meinte auch, ich solle sie mal schreien lassen, sie nicht immer auf den Arm nehmen, aber wenn ich mal wirklich versuche, sie schreien zu lassen, könnte ich gleich mitheulen, und ich fühle mich dann als die schlechteste Mutter auf der ganzen Welt. Das dumme ist nur (und dafür schäme ich mich wirklich), daß ich dann genervt bin, sie hochnehme - sie schreit immer noch und hört nicht auf, daß ich ihr dann schon ein paar Mal auf den Po gehauen habe. Nicht wirklich fest, aber trotzdem, dann schreit sie nur noch mehr, und ich könnte mich dann oft selber dafür schlagen. Ich nehme mir immer vor, ruhig und gelassen zu bleiben, nicht zu überreagieren, meistens klappt es, aber es ist jetzt doch immerhin schon 4 Mal vorgekommen. Hinterher mache ich mir immer Vorwürfe (ich weiß auch, daß das hinterher nichts mehr bringt). Haben Sie vielleicht ein paar Tips für mich, wie ich besser damit umgehen kann? Ich will doch eigentlich alles richtig machen und nur das Beste für meine Tochter, aber dann... Schreien lassen möchte ich sie halt auch nur ungern. Aber genervt hingehen und ihr dann eine auf den Po zu hauen vor lauter genervt sein, ist ja auch nicht as wahre. Leider habe ich auch nicht die Möglichkeit, meine Tochter mal übers WE oder am Abend zu den Großeltern zu bringen, da wir mit denen keinen bzw. keinen guten Kontakt haben. Und wenn mein Mann die Kleine dann am Abend nimmt, oder am WE höre ich sie dann ja doch, wenn sie schreit und dann renne ich wieder hin. Und einem fremden Menschen möchte ich sie nicht anvertrauen. Ich hoffe, Sie können mir ein wenig weitehelfen, und halten mich nicht für eine Rabemutter. Vielen Dank Josephine


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Hallo Josephine Allein, dass Sie sich Gedanken über Ihr Verhalten machen, zeigt eindeutig, dass Sie keine Rabenmutter sind sondern ein menschliches Wesen, dessen Nerven auch nicht "unkaputtbar" sind. Reden Sie sich kein schlechtes Gewissen ein, sondern holen Sie sich Hilfe, wie Sie es hier im Forum schon ein wenig getan haben. Andrea hat eigentlich schon den "Nagel auf den Kopf getroffen". Versuchen Sie mal, ihre Ratschläge praktisch umzusetzen. Gleichzeitig rate ich Ihnen dringend dazu, für sich selbst regelmäßig eine Auszeit zu organisieren. Kann Ihr Mann nicht vielleicht mit seiner Tochter in seiner Freizeit spazieren gehen, sodass Sie wirklich nur an sich selbst denken können, indem Sie gemütlich in die Badewanne steigen, eine CD hören oder aber schlafen um wenigstens für kurze Zeit abschalten zu können? Bitten Sie ggf. ein älteres Nachbarkind, mit Ihrer Tochter auch am Vormittag mal rauszugehen um Ihnen ein wenig mehr Ruhe zu gönnen. Ist es finanziell machbar, sollten Sie evtl. doch über Ihren eigenen Schatten springen und mal über eine Tagesmutter nachdenken, die Ihren Schatz für 2 oder mehr Std. tägl. betreut. Um Jemanden zu finden, der wirklich auch im Interesse des Kindes und in Ihrem Interesse handelt, können Sie sich an Tagesmutter-Vereine oder ans Jugendamt wenden. Die dort empfohlenen Tagesmütter werden laufend geschult und auch überprüft, sodass Sie keine Angst haben müssen "in falsche Hände zu geraten". Ihre Tochter merkt auch mit 10Mon. schon, dass Sie mit den Nerven am Ende sind. Das macht sie unsicher; diese Unsicherheit drückt sie durch Weinen aus, da sie keine andere Möglichkeit hat um auf sich aufmerksam zu machen und um Hilfe zu bekommen, da sie allein diese Unsicherheit nicht einordnen kann. Halten Sie durch und: bis bald?


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Hallo Josephine, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben! Diese Situation ist selbstverständlich eine große nervliche Belastung für dich und kaum eine Mutter kann sich davon freisprechen, da mal nicht die Nerven zu verlieren. Jana ist 1 Jahr alt und ich habe dieses Verhalten auch kennengelernt. Wichtig ist jetzt nur eine Lösung zu finden, wie du aus diesem Kreislauf rauskommst. Überprüf mal das Gesamtschlafbedürfnis deiner Tochter und mache mal ein Schlafprotokoll. Ich kann mir vorstellen, daß das durchaus mit der Unausgeglichenheit deiner Tochter was zu tun haben kann. Ich würde mal folgendes versuchen: Möglichst feste Zeiten für die Schläfchen setzten, eines vormittags eines Nachmittags, die Zeiten dazwischen überbrücken, auch wenn sie quengelt. Lange alleine Schreien lassen verursacht evtl. nur Verlassensängste und macht sie nur noch anhänglicher. Zu den festen Schlafzeiten führe Rituale ein: z.B. Windel wechseln, dann auf deinem Schoß ein-zwei Lieder singen , danach ins Bett setzten und verabschiede dich mit "Schlaf schön" und dann erstmal raus aus dem Zimmer. Es gibt wahrscheinlich schon Protest, wenn du sie ins Bett setzt - lasse sie aber drin! Bleib auch nicht zögernd in der Tür stehen, gehe trotzdem. Sie wird sonst die Unsicherheit merken und noch einen Zahn zulegen. Nach drei Minuten wieder bei Gebrüll rein ins Zimmer und liebevoll aber mit Bestimmtheit sagen, daß es nun Schlafenszeit ist. Anfangs kostet es Nerven, und du mußt noch einige Male zu ihr ins Zimmer gehen. Bleibe nie länger als 1-2 Minuten! Als Einschlafhilfen gib ihr ein Schmusetuch oder Kuscheltier, aber keine Flasche und kein Händchen-halten ins Ritual einbinden! Sonst will sie das auch, wenn sie nachts wach wird. Bloß nicht entnervt aufgeben. Es lohnt sich ganz bestimmt! Sie lernt so, alleine einzuschlafen und vor allem statt mehrer kurzer Schläfchen bald zwei längere zu halten: eine gaaaanz wertvolle Auszeit für dich und sie wird auch anschließend bestimmt länger gutgelaunt bleiben. Ich exerziere das gerade seit ein paar Tagen durch und es wird jeden Tag besser! Vielleicht kommen bei deiner Tochter auch noch entwicklungsbedingte Unzufriedenheiten dazu (eine neue Fähigkeit, die sie noch nicht so beherrscht, wie sie es gerne möchte z.B.), daß geht aber auch wieder vorbei! Ich kann mich so gut in deinen Gemütszustand reinversetzen! Wenn du magst, kannst du mir ja mal mailen:KleineEmma@web.de LG, Andrea (UND ES HILFT WIRKLICH!!!)


Mitglied inaktiv

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Liebe Josephine, ich habe 10 Monate alte Zwillis und Marie spielt mir mir das selbe Spiel. Die Nacht ist um 4 Uhr vorbei - glaubt sie! Ich nehme sie nur kurz raus und tröste sie, 2 oder 3 Minuten streichel ich sie dann, erzähl ihr leise was, geb ihr ihren Hasi, ihre Mickymaus und ihren Nucki, leg sie wieder hin und sie ist dann ruhig. Mittags geht es gleich nach dem Essen zum Waschen und dann ins Bett. Ich mach ihr dann immer Musik an (Kinderlieder, egal was, die Hauptsache es dudelt) verabschiede mich von beiden und linse nur mal durch den Türspalt. Meist schreit sie ja, wenn sie ins Bett muss. Anfangs bin ich nur kurz hingegangen, hab sie geküßt und gestreichelt, ihr gut zu geredet. Sie schreit immer noch, aber nur kurz. Diese 1 - 2 Stunden, die beide schlafen, nutze ich intensiv, nicht etwa für Hausarbeit sondern für mich und die nächste "Runde". Übrigens schlafen sie nicht die ganze Zeit sondern erzählen und spielen auch, tun das sogar leise, als wenn sie wüßten, dass Mittagsruhe ist. Marie kriecht mir nämlich überall hin hinterher und wenn sie mich nicht sieht schreit sie gleich "Mama". Heute schrie sie wieder wie wild und hörte auch nicht auf. Erst nach einer halben Stunde schmuseln hatte sie sich beruhigt. Nach dem Schlafen machen wir "Kaffeklatsch", danach spiele ich mit beiden und dann müssen sie sich auch mal etwas selbst beschäftigen. Meine beiden spielen leider nicht miteinander sondern jede für sich. An die Rituale haben sie sich nun schon gewöhnt und ich geh auch mal raus, und atme tief durch, weil ich auch manchmal ganz schön genervt und auch gereizt bin. Das Ganze gibt sich aber hoffentlich auch bei Deiner Kleinen, denn ich habe das gleiche schon vor 6 Wochen mit meiner Sophie durchgemacht und die ist jetzt ganz lieb (sicher nur so lange, bis Marie wieder ruhiger ist). Und - noch ein Tipp: 2 x im Monat habe ich mal frei. Kann dann ohne die Kinder mal ein paar Stunden wegfahren. Papa übernimmt alles und ich zieh dann, egal was ist, die Tür hinter mir zu und genieße den Tag. Wenn ich nach Hause komme, sind alle fix und fertig und ich glücklich und viel erhohlter. Und mein Mann weiß dann immer wieder mal, was er an mir hat, sagt er danach jedenfalls immer. Also, schämen musst Du Dich nicht. Alles Liebe Simone


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