Frage im Expertenforum Erziehung an Christiane Schuster:

Meine Tochter, 5, redet nicht mit Erwachsenen!!

Rund ums Baby Adventskalender 2025
Frage: Meine Tochter, 5, redet nicht mit Erwachsenen!!

Mitglied inaktiv

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Hallo, meine Tochter, bald 5, redet außer den vertrauten Familienmitgliedern mit so gut wie keinem, mit keinem Erwachsenem. Mit Kindern braucht sie zwar eine lange Aufwärmphase aber danach ist sie nicht mehr zu bremsen. Zu hause und mit vertrauten Personen hört sie nicht auf zu reden, singen usw, auch körperlich sehr sehr aktives Kind. Das ist schon immer so gewesen und ist keine vorübergehende Phase. Mit meiner Schwägerin hat sie bis heute noch kein Wort gewechselt, auch nicht "Hallo" oder "Danke" o.ä. Im Kindergarten redet sie wohl mittlerweile ein wenig, wenn es unbedingt sein muss, auch nur in knappen Ausdrücken. Wir haben schon eine Beratungsstelle besucht und die Psychologin hat sie einen halben Tag im KIGA beobachtet. Sie meint sie ist ein total aufgewecktes, intelligentes und "normales" Kind. Meine Tochter hätte sogar über ein Rollenspiel mit ihr Kontakt aufgenommen, aber ohne Worte. Sie meint sie hat sich über die Jahre einfach an diese Situation "gewöhnt", Ursache kann man nicht klären, und muss einfach ihre innere Barriere überwinden. Aber wie?? Da kann sie uns nicht sehr viel helfen: immer wieder ermutigen, nicht immer für sie antworten, ihr Verhalten nicht immer negativ erwähnen usw. Wir kommen aber nicht weiter. Wenn wir, die Eltern, nicht dabei sind klappt es viel besser. In unserer Anwesenheit ist sie stumm wie ein Fisch, ignoriert total und guckt die Menschen, die sie ansprechen nicht einmal an. Sie ist noch nicht einmal ein sehr mutloses oder schüchternes Kind, da sie sich immer einiges mehr zutraut als ihre Altersgenossen, sei es auf dem Spielplatz, Turnen usw. Übrigens geht sie Turnen und Schwimmen, für ihr Leben gern, und mittlerweile ohne meine Begleitung. Sie kommt sehr gut über die Runden auch ohne ein Wort zu reden, manchmal antworten andere Kinder für sie. Die Beratin meinte auch: sie kommt und kam bisher so gut damit weiter und kommt jetzt garnicht über diese Schwelle drüber. Ich mache mir große Sorgen. Wie wird es bald in der Schule sein, wenn sie sich dort z.B. nie meldet? Zu erst haben wir überlegt sie nächstes Jahr einzuschulen, da schon ein bißchen schreiben kann, nur eigenes Interesse und liebend gerne so bald wie möglich in die Schule gehen würde. Aber ich glaube wir lassen das sein. Die Sprachstandstest würde dieses Jahr Nov. stattfinden und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie da ein Ton von sich gibt. Ihre alte Erzieherin (sie war früher in einer Kindertagesstätte) meint, dass wir es doch mit dem Test versuchen und gucken sollen wie sie reagiert. Sie kennt sie sehr gut und meint, dass sie übernächtes Jahr vielleicht mit der Schule unterfordert sein könnte. Ihre jetztige Erzieherin meint, dass sie vom Kopf her die Schule auf jeden Fall meistern könnte, dass sie auch eigentlich ein gesundes Selbstvertrauen hat (was eigentlich paradox klingt) aber ihr soziales Verhalten hindert sie dran zu zeigen was sie alles kann. Ich möchte eigentlich noch warten, aber man ist trotzdem hinundher gerissen. Kennt jemand so etwas ähnliches, wie können wir ihr helfen?? Ich hatte hier vor langer Zeit noch mal geschrieben, wie können wir sie ermutigen sich zu öffnen. Ich muss dazu sagen, dass sie auch ein extrem stures und stolzes Kind ist, man kann sie kaum von etwas überzeugen, wenn sie es nicht machen will. Gibt es vielleicht Literatur, wo man sich erkundigen kann?? LG und danke Bengü


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Hallo Bengü Auch ich bin der Meinung, dass Sie die Schulfähigkeit Ihrer Tochter getrost testen lassen sollten, da sie sich Ihrer Beschreibung nach -bis auf ihr Sprachverhalten- durchaus altersgerecht verhält. Informieren Sie sie vor dieser Untersuchung, warum dieser Test durchgeführt wird und dass sie antworten sollte, damit erkannt werden kann, dass sie bald ein Schulkind sein kann. Vertrauen Sie der Erfahrung der zukünftigen LehrerInnen, die schon manches schüchterne Kind durch einfühlsame Anregung zum Sprechen geführt haben. Akzeptieren Sie das Verhalten Ihrer Tochter und machen Sie sich bezüglich der Sprechscheu bitte keine allzu großen Sorgen. Liebe Grüße und: bis bald?


Mitglied inaktiv

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Hallo Bengü, bei uns ist es ähnlich: Unsere ist Tochter ist fünfdreiviertel, wird auf jeden Fall nächstes Jahr eingeschult, weil sie dann eh schon sechsdreiviertel ist, und spricht fast nix mit Fremden. Mit den Erzieherinnen wechselt sie (sich windend) höchstens einige Satzfetzen, oft antwortet sie ihnen gar nicht. Sie ist im vertrauten Freundeskreis (tägliches stundenlanges Spiel mit Nachbarkindern oder Freunden) aber nicht zu überhören, sehr aktiv und hat dort eine ausgesprochen große Klappe :-). Im Kiga glaubt das niemand, denn dort spricht sie auch mit den aneren Kindern nur wenig. Sie ist mit der Größe der Gruppe offenbar überfordert (zu unüberschaubar) und hat ihren Platz dort auch nach zwei Jahren noch nicht recht gefunden. Ich mache mir jetzt auch ein bissel Sorgen, weil in der Grundschule bei uns in NRW erschwerend hinzukommt, dass erste und zweite Klasse ab nächstes Jahr gemeinsam unterrichtet werden. Ich habe Angst, dass sie dann erst recht nix mehr sagt, wenn dort auch noch die Älteren sitzen, die schon viel können und sich ständig melden. Da soziales Verhalten und die Fähigkeit, mit der Lehrerin zu kommunizieren, für die Schuleignung aber sehr wichtig sind, weiß ich auch noch nicht genau, wie wir sie fit für die Schule kriegen sollen. Beim Eignungstest selbst habe ich keine Sorge, weil meine Tochter seltsamerweise, wenn man sie vorher auf die Situation vorbereitet, durchaus den Mund aufbekommt. Wenn ich ihr also vorher sage, dass sie mit den Leuten beim Schuleignungstest schon sprechen muss, weil die sonst glauben, sie könne nicht reden, dann tut sie das auch, und sogar gut (weiß ich von den U-Untersuchungen, wo sie mit der Ärztin, mit der sie sonst auch keinen Pieps spricht, dann doch gut reden konnte - vorübergehend). Dass sie sich aber in der Schule von sich aus melden wird, sehe ich auch noch nicht wirklich vor mir... Mich tröstet einfach, dass sie noch ein Jahr Zeit hat. Da kann sich bei einem Kind schon noch viel tun, denke ich. Zum Glück sind einige der Freundinnen unserer Tochter schon Schulkinder, was sie sehr beeindruckt. Und ich erwähne immer mal wieder nebenbei, dass diese Mädchen immer aufzeigen, wenn sie etwas sagen möchten, weil die Lehrerin sonst gar nicht merkt, dass sie etwas wissen/sagen wollen. Ich hoffe, dass steter Tropfen den Stein höhlt, und sie versteht, dass das in der Schule eben ganz selbstverständlich so läuft. Ich glaube nicht, dass Deine Tochter einen Psychologen braucht oder dass mit ihr etwas nicht stimmt. Ich finde, es gibt jetzt nichts Wichtigeres, als unseren Kindern zu vermitteln, dass sie vollkommen, goldrichtig und wunderbar sind, GENAU so, wie sie sind (denn das sind sie). Das "Problem" liegt nicht in irgendeiner Störung unserer Kinder. Sondern darin, dass jeder Mensch anders ist, und dass daher auch nicht jedes Kind von vornherein und automatisch kompatibel ist mit den gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Anforderungen unserer Zeit. Sehr viele Kinder müssen erst lernen, sich an die Erfordernisse, die die Schule an sie stellt, anzupassen. Dies gilt für rabaukige, unkonzentrierte Schreihälse, vorlaute oder aggressive Kinder einfach ebenso wie für zu stille Kinder. Wenn man einem Kind vermittelt, dass irgendetwas mit ihm nicht in Ordnung ist (und der Gang zur Psychologin vermittelt leider genau dies, obwohl ich Euch gut verstehen kann), wird das Problem eher verschärft. Es ist, glaube ich, viel besser, dem Kind die unbewusste Botschaft zu senden, dass man ihm tief vertraut, die Dinge schon klappen werden und alles seinen selbstverständlichen Lauf nimmt. Eure Tochter ist ja klug und wird wahrscheinlich rasch merken, dass ihre bisherige Taktik, nämlich auch ohne zu reden gut auszukommen, in der Schule einfach nicht mehr greift. Wir sollten unseren Mädels zutrauen, dass sie durchaus in der Lage sein werden, diese Taktik zu ändern und anzupassen. Da sie schlaue Mäuse sind, werden sie das schaffen! Ich würde Eure Tochter nicht ein Jahr zurückstellen lassen, dazu scheint sie mir zu aufgeweckt. Es gibt psychosoziale Spielgruppen, wo Kinder mit leichten Kontaktproblemen spielerisch zu mehr Aktivität in dieser Hinsicht angeleitet werden. Ich überlege, meine Tochter dort anzumelden. Meine eigene Schwester hatte vor vielen Jahren dasselbe Problem, sie profitierte als Kind sehr von dieser Gruppe (das ist auch etwas ganz anderes, als Turnen und Schwimmen, weil dort speziell geschulte Leiterinnen sind, die das Kind unauffällig in seiner persönlichen Schwäche erkennen und fördern). Vielleicht macht Ihr ja auch so etwas? Adressen gibt es normalerweise bei den Erzieherinnen im Kiga, oder beim Jugendamt oder karitativen Verbänden. Liebe Grüße, Bine


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