Frage im Expertenforum Kinderernährung - Gastroenterologie an Dr. med. Axel Enninger:

Bauchschmerzen nach Beikoststart

Frage: Bauchschmerzen nach Beikoststart

Valeria87

Beitrag melden

Sehr geehrter Dr. Enninger, mein Sohn ist 6,5 Monate alt und wird voll gestillt. Er hatte von Geburt an immer wieder Bauchschmerzen und starke Blähungen, die jedoch vor dem Beikoststart zwar immer noch aber nur noch gelegentlich in einem schlimmen Maße auftraten. Insbesondere entwickelte er eine Art Presshusten, der wohl dazu dient pupsen zu können. Seit Beginn der Beikost haben sich die Beschwerden jedoch deutlich verstärkt, weshalb ich um eine gastroenterologische Einschätzung bitte; In der ersten Woche erhielt mein Sohn verschiedene Gemüse (u. a. Kürbis, Pastinake), selbst zubereitet und in 50 gr Portionen gegeben, er hat den Löffel selbst gehalten und ich habe ihn befüllt, sprich es ist nicht die ganze Portion im Mund gelandet...Oft ist mir da schon aufgefallen, dass mein Sohn während des Essens pupste.  In der zweiten Woche wurde der Brei um Kartoffel und Öl erweitert. In der dritten Woche wurde zunächst Geflügelfleisch, anschließend Rindfleisch eingeführt. Am ersten Tag mit Rindfleisch, waren keine Probleme da (bis auf das Pupsen beim Essen) am darauffolgenden Tag kam es jedoch zu schwallartigem Erbrechen bereits nach zwei Löffeln,  begleitet von sofortigem starkem Pupsen nach jedem Löffel. Nach einem erneuten kleinen Probierlöffel erbrach er erneut schwallartig. Zusätzlich hat mein Sohn aktuell nur noch etwa einmal pro Woche Stuhlgang und zeigt zwischenzeitlich tagsüber Unruhe, Schreien und vermehrtes Pupsen. Nachts kommt es seit Beikostbeginn zu wiederholtem schrillem Schreien mit Anziehen der Beine, starkem Pupsen und sehr unruhigem Schlaf. Er schreit plötzlich mit geschlossenen Augen los und pupst und schreit dann auch schrill, lässt sich mal schneller mal weniger schnell beruhigen und dann beginnt es von vorne. Während einer Beikostpause besserten sich diese nächtlichen Beschwerden deutlich (in der zweiten Nacht sogar vollständig), traten jedoch nach erneuter Beikostgabe sofort wieder auf. In einer besonders starken Nacht konnte erst durch ein Zäpfchen in Kombination mit Wärme eine deutliche Beruhigung erreicht werden. Vor diesem Hintergrund möchte ich Sie fragen: Ist dieses Beschwerdebild in diesem Alter noch als physiologisch anzusehen oder spricht der Verlauf für eine behandlungsbedürftige Ursache? Halten Sie eine weiterführende Diagnostik oder eine therapeutische Unterstützung der Stuhlregulation für sinnvoll? Würden Sie aktuell zu einer weiteren Beikostpause raten und wie sollte der Beikostaufbau perspektivisch gestaltet werden? Ich fühle mich durch die anhaltenden Beschwerden meines Sohnes zunehmend verunsichert und hilflos und wünsche mir eine fachärztliche Einschätzung. Vielen Dank!


Dr. med. Enninger

Dr. med. Enninger

Beitrag melden

Grundsätzlich sind vermehrte Blähungen bei Beikosteinführung völlig normal. Unser Darmmikrobiom bekommt ein anderes "Futter" und wahrscheinlich sind ein paar Bakterien dabei, die mehr Gase bilden als vorher. Das muss so sein, denn ein vielfältiges Mikrobiom ist für Vieles gut. Wenn Ihr Kind bereits während der Mahlzeit anfängt zu pupsen, ist wichtig, dass Sie sich klar machen, dass es nicht an der Art der Nahrung liegen kann, denn die hat den Dickdarm zum Zeitpunkt des Essens noch gar nicht erreicht. Der Magen-Darm Trakt Ihres Kindes fängt an sich zu bewegen. Das muss so sein, denn sonst würde ja alles im Magen verbleiben. So bewegt sich auch der Dickdarm. Manche Kinder - und auch Erwachsene - müssen kurz nach der Mahlzeit (manchmal schon währenddessen) Stuhlgang entleeren. Das ist der Effekt des gastro-kolischen Reflexes und das ist auch die harmlose Erklärung für das "Pupsen". Also: weitermachen und Nahrung nicht modifizieren. Schmerzen bei der Stuhlentleerung sind nicht gut, wenn es längerfristig bleibt. Da würde ich mit Ihrem Kinderarzt überlegen, ob Ihr Kind nicht für ein paar Wochen Macrogol einnimmt, um den Stuhl weicher zu machen. Harmlos, effektiv, kein Gewöhnungseffekt. Wenn die Beschwerden trotz konsequenter Gabe anhalten, könnte man mittels Bestimmung des Gesamt Ig A und der Gewebstransglutaminase Ig A Antikörper nach einer Zöliakie schauen. Alle andere "Allergiediagnostik" ist meist sinnlos, teuer und hilft niemandem.


Bei individuellen Markenempfehlungen von Expert:Innen handelt es sich nicht um finanzierte Werbung, sondern ausschließlich um die jeweilige Empfehlung des Experten/der Expertin. Selbstverständlich stehen weitere Marken anderer Hersteller zur Auswahl.

Ähnliche Fragen

Guten Tag,  mein Sohn wurde letzte Woche 16 Wochen alt und wir haben mittags mit Gemüsebrei gestartet. Er liebt es und isst bereits ein 125g Gemüsegläschen. Als Nächstes ergänze ich mit Kartoffel, dann Obst als Nachspeise und dann Fleisch und Fisch dazu. Passt das so?    Er macht jetzt immer schon den Mund auf wenn ich ihn in den Hochstuhl ...

Guten Morgen Professor Radke, meine Tochter (5 Monate und 3 Wochen alt, bis zum Beikoststart vor 2 Wochen voll gestillt) hatte mit 3 Monaten vereinzelte Blutschlieren im Stuhl. Damit sind wir damals zum Bereitschaftsdienst, wo die Kinderärztin meinte, das sei nichts Schlimmes. Sie vermutete eine Kuhmilchproteinunverträglichkeit, weshalb ich dan ...

Sehr geehrter Dr. Radke, meine 12jährige Tochter hat seit drei Monaten täglich mehrmals am Tag Bauchschmerzen und ab und ab und zu Übekeit. Sie hat nun 10 Tage laktosefreie Milchprodukte genommen aber die Bauchschmerzen sind immer noch da. Oft nach dem Essen. Stuhl ist oft breiig. Im Juni 2024 wurde sie auf Zöliakie getestet (damals keine Sympt ...

Sehr geehrter Dr. Wirth, ich schreibe Ihnen, da meine 13-jährige Tochter seit etwa fünf Monaten täglich unter leichten Bauchschmerzen leidet. Morgens ist ihr beim Aufstehen übel, was sich jedoch nach etwa einer halben Stunde bessert. Ein Test auf Zöliakie war negativ, und der Calprotectin-Wert im Stuhl ist nicht erhöht. Da die Beschwerden ih ...

Guten Tag Herr Prof. Dr. Wirth, unser 8 jähriger Sohn hat seit November immer wieder mit Bauchschmerzen zu tun. Mal dauert das z.B. einen ganzen Tag lang, ein ander mal sind es nur 10 min. Mittlerweile hat er mind. 1 x pro Woche Bauchschmerzen. Deswegen haben wir bei unserem Kinderarzt Diagnostik machen lassen. Das große Blutbild war unau ...

Hallo , ich weiß dass sie eigentlich für Kinder zuständig sind hoffe aber dass sie mir trotzdem helfen können. Ich ich habe vor drei Wochen mein sechstes Kind spontan entbunden. Nun habe ich seit zwei Wochen unerklärliche Bauchschmerzen die aber direkt nach dem Essen besser werden oder sogar ganz weg sind. Meine Vermutung ist dass ich die Da ...

Sehr geehrter Herr Dr. Wirth, ich habe eine Frage zur Jodsupplementierung bei meiner Tochter (5 Monate und 1 Woche alt). Bisher habe ich voll gestillt. Seit fünf Tagen bekommt sie mittags selbstgekochtes Pastinakenpüree – ohne Salz. Laut Merkblatt meiner Kinderärztin soll ab Beikostbeginn täglich 50 µg Jod supplementiert werden. Auch telefon ...

Sehr geehrter Herr Dr. Enninger! Ich habe mich vor ca. einem halben Jahr schon einmal an Sie gewandt. Damals hatte mein Sohn immer wieder blutige Stühle. Er wurde dann auf Neocate umgestellt und langsam wurde es besser. Nun ist er 15 Monate alt. Sein Gedeihen war und ist immer normal. Er wächst, nimmt altersentsprechend zu, wirkt optisch gesund ...

Sehr geehrter Herr Dr. Enninger! Vielen herzlichen Dank für Ihre prompte Antwort auf meine Frage, die ich vorhin gestellt habe. Ich sehe das genau so wie Sie  - viele Eltern suchen oft zu voreilig die Notaufnahme auf. Bei uns war es allerdings so, dass mein Kind mit 6 Monaten das selbe nächtliche Schreien wie jetzt hatte, es handelte sich ...

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Radke! Ich lese in diesem Forum sehr häufig von der Thematik Blut im Stuhl beim Baby. Meine Tochter hatte seitdem sie 4 Monate alt war auch immer wieder Blut im Stuhl. Es wurde eine Kuhmilchunverträglichkeit vermutet. Ich verzichtete selbst dann strikt auf Milchprodukte und stillte meine Tochter weiter. Jedoch ging ...