Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Schlaf/Fremdbetreuung

Frage: Schlaf/Fremdbetreuung

Hudhud

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Sehr geehrter Herr Dr. Posth, ich hätte gerne Ihre Meinung. In jeglichen Ratgebern wird empfohlen den Babys das "alleine Einschlafen" beizubringen, da Sie angeblich sonst das Durchschlafen nicht schaffen weil sie wohl beim Wachwerden nach der gleichen "Brücke" in den schlaf verlangen. Ist da was wahres dran? Es geht dabei nicht ums schreien lassen sondern darum die Einschlafhilfen langsam zu reduzieren? Ist das Durchschlafen bloss ein Reifungsprozess oder brauchen die Zwerge einen "Anstubser"? Eine zweite Frage: Haben Sie eine Empfehlungen wie wir die sanfte Gewöhnung gestalten könnten? Baby, 9 Monate. Besser Tagesmutter mit mehreren Kindern oder Leihomi? Eigene Familien leider zu weit weg. Wie oft anfangs in der Woche und für wie lange? Und wie oft nach der Gewöhnung? Könnte die Betreuerin in weitere Folge meinem Mann bei der Loslösung im Weg stehen? Vielen Dank für Ihre Antwort und das fantastische Forum!


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Hallo, nicht in a l l e n Ratgebern wird das alleine Einschlafen empfohlen, nur in den konservativen, die alte autoritäre Erziehungsmuster erhalten wollen. Und Einschlafen und Durchschlafen ist auch nicht dasselbe. Nur eins ist an dieser Verbindung richtig. Ein Säugling, ein Kleinkind, der oder das gestresst einschläft, schläft mit an sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht durch. Denn die Stresshormone im Körper werden langsam abgebaut, und Angst ist ein schlechter Lehrmeister. Das Urvertrauen in die Bindungspersonen schwindet, und die Urangst kriecht immer höher empor. Insofern ist Einschlafhilfe regelmäßig auch ein Gesamtprogramm im Umgang mit dem Säugling und Kleinkind. Der Reifungsprozess bezieht sich auf die Schlafarchitektur, die tatsächlich dafür sorgt, dass der Schlaf mit den Monaten immer stabiler und zuverlässiger wird. Voraussetzung ist aber, dass kein Stress das Reifen stört. Die sanfte Ablösung bei einem 9 Monate alten Säugling funktioniert eigentlich nur nach dem "Großmutter-Prinzip". D.h. die neue Bezugsperson muss ich langsam mit dem Kind bekannt machen und sein Vertrauen gewinnen. Auch Sympathie spielt eine Rolle. Ist die Tagesmutter oder Ersatzoma dem zu betreuenden Kind unsympathisch, wird nie eine spannungsfreie Beziehung daraus. Der Zeitfaktor der Betreuung spielt meines Erachtens erst einmal keine so große Rolle, da ein Säugling und Kleinkind keine konkrete Zeitempfindung besitzen. Allerdings macht sich ein zu häufiges und zu langes Fortgeben des Kindes schon irritativ bemerkbar. Und Ihre letzte Sorge ist tatsächlich einzukalkulieren. Eine gut etablierte frühe Fremdbetreuung wird unweigerlich zu einer Konkurrenz für die Loslösung, oft aber auch schon für die Bindung. Darüber muss man sich klar sein. Darüber denken aber die allerwenigsten nach. Erst wenn sie merken, dass sich ihr Kind ihnen zunehmend entfremdet, werden sie aufgeschreckt. Viele Grüße und danke für Ihr großes Lob.


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