Mitglied inaktiv
Lieber Herr Dr. Posth! Vielen Dank für Ihre bisherige Einschätzung! Nun wollte ich nochmal nachfragen, wie genau ich bei meinem meistens sehr stark fremdelnden Sohn (11Mo) erkennen kann, ob er sicher gebunden ist? Denn manchmal brauche ich sehr lange, um ihn zu beruhigen. Gestern waren wir in einem vollen Restaurant mit 2 Bekannten, die mein Sohn noch überhaupt nicht kannte. Es lief Musik und auch die Kellner kamen oft an den Tisch. Und für meinen Mann und mich unglaublich - er hat kaum gefremdelt - nur mit großen Augen das Geschehen neugierig beobachtet und auch die Leute am Tisch nach gewisser Zeit sogar angelächelt!! :-) (Sie waren auch zurückhaltend) Wir waren unheimlich stolz auf unseren kleinen Mann! Wie kann es sein, dass er in seinen "Fremdelaktionen" so stark schwankt? Habe bemerkt, dass wenn er etwas knabbert (Keks/Brezel), dass er ruhiger ist - auch im Kiwagen. Sollte ich das unterlassen? Bewältigt er später Stress dann auch mit Essen? Vielen Dank und herzliche Grüße! Anne
Liebe Anne, mit 11 Monaten ist eigentlich die Hauptzeit des Fremdelns vorbei. In diesem Alter wächst die Neugier auf das Neue und Andere und natürlich auch auf einen neuen Bindungspartner, der als Loslösungsvorbild fungiert, im besten Fall also der Vater. Selbstverständlich sind auch andere Menschen interessant, wenn sie sich allzu abrupter Annäherung enthalten und freundliche Mienen machen. Auf dem Schoß der Mutter sind alle diese Menschen interessant. Das ist u.a. ein Zeichen sicherer Bindung. Sichere Bindung zeigt sich auch im Aufsuchen der Mutter, wenn es brenzlig wird und in der mütterlichen Fähigkeit, ihr Kind dann schnell wieder zu beruhigen. Es gibt aber auch Situationen, da lässt sich ein Säugling selbst von seiner Mutter nicht gleich beruhigen. Das ist dann nicht gleich ein Zeichen von unsicherer Bindung!. All das wird in zahlreichen Antworten besprochen, die im gezielten Suchlauf anzusteuern sind. Die Beschäftigung mit dem Keks essen beim Spazierengehen ist "Standard". Daraus entwickelt sich noch keine Essstörung. Aber man sollte als Eltern nicht für jede kleinste Unternehmung Essen in die Taschen packen. Ein Kind kann auch einmal 3 oder 4 Stunden ganz ohne Essen auskommen! Viele Grüße
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