Frage im Expertenforum Entwicklung von Babys und Kindern besser verstehen an Dr. med. Rüdiger Posth:

Hauen

Frage: Hauen

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Hallo lieber Herr Dr. Posth, ich möchte Sie kurz einmal etwas fragen, da ich nicht so recht weiterweiß. Benjamin, 14 Monate alt, haut mir regelrecht ins Gesicht und freut sich noch darüber. Ich versuche ihm zu zeigen, wie er streichelt, drückt etc. und eben nicht haut. Aber er lacht dann nur und schlägt nochmal zu. Bei uns zu Hause fliegen verbal auch mal die Fetzen, aber gehauen wird hier absolut nicht. Ben hingegen macht es oft. Beispiel: Er spritzte am Wochenende wie verrückt mit dem Gartenschlauch und zielte regelrecht immer auf uns und freut sich wenn er uns traf. Ich musste ihm irgendwann den Schlauch wegnehmen, da er ständig in den Matsch fiel und schon ganz nass war. Daraufhin bekam ich eine gehauen und wurde gekratzt, begleitet von starkem Schreien. Schimpf ich dann, was ich tue, denn es tut schließlich weh, weint er noch mehr. Kurz darauf hat er mich gedrückt als dieser Anfall vorbei war, wie ist das zu verstehen? Was tun? Danke Isabell


Dr. med. Rüdiger Posth

Dr. med. Rüdiger Posth

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Stichwort: Hauen Liebe Isabell, im Rahmen der Loslösungsbestrebungen aus der engen Mutter-Kind-Bindung entwickeln die Kinder ja nach Veranlagung schwache oder stärkere aggressive Tendenzen. Offenbar gehört Schlagen (Hauen) oder auch Beißen zum Grundrepertoire erster aggressiver Äußerungen. Ein Unrechtsbewußtsein, welches diese aggressiven Verhaltensweisen in Schach halten würde, existiert aber noch nicht. Die Wirkung, die dieses Verhalten aber bei dem Anderen hervorruft, ist jedoch beeindruckend. So kommt es, daß das Kind sein Verhalten gerne wiederholt. Die wütende Reaktion des Anderen überrascht es hingegen, und so reagiert es betroffen, wenn es von dem Anderen verbal oder durch Gegenwehr abgestraft wird. Es kann sich nicht erklären, warum der Andere so heftig reagiert. Folglich fängt es an zu weinen. Sind die elterlichen Reaktionen beängstigend für das Kind, flüchtet es sich sehr schnell wieder in die Bindung zurück und möchte schmusen. Denn auf keinen Fall möchte das Kind durch sein Verhalten die Zuneigung seiner Bezugspersonen riskieren. Daher ist es wichtig, diese Geste des Kindes angemessen zu beantworten und sich mehr um den Selbstschutz kümmern, als das Kind herauszufordern und es dann mit Schimpfen zu bestrafen. Im gezielten Suchlauf gibt es das Stichwort "Hauen"! Viele Grüße


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