Kunderella
Hallo Herr Dr. Posth, unsere To. (3 1/2) J. ist ein sehr liebes, fürsorgliches+besonnenes Kind. Sie ist aber auch sehr anhänglich (vor allem bei der Mama, die ist nach wie vor Nr. 1, insbes. beim zu Bett gehen, wenn die Auswahl da ist) +vorsichtig. Nun gibt es seit längerem immer öfter Situationen, in denen sie d.Ton angeben mag+bestimmen möchte+zwar nicht nur über sich (also, was aufs Brot kommt, wie es geschnitten wird usw.), sondern auch über andere (wer wo sitzt, wer welche Tasse bekommt, wer wann reden soll) usw.. Habe ich es in Ihrem Buch richtig verstanden, dass es das Selbstbewusstsein des Kindes fördert, wenn es erfährt, dass es mit seinem Willen etwas bewirken kann und dass es allein situationsbedingt schon oft genug frustriert wird, (z.B. Gurt im Kindersitz anziehen), so dass man nicht noch absichtlich seine Bestimmungsmacht beschneiden müsse oder würde man sich so einen inzwischen populär so genannten "kleinen Tyrannen" heranziehen? Danke!
Hallo, das mit den kleinen Tyrannen ist eine althergebrachte 0815-Psychoformel. Dass man damit überhaupt noch soviele Menschen ansprechen und interessieren kann...Es ist richtig, wie Sie mich in meinem Buch verstanden haben. Es genügt aber für das Selbstbewusstsein des Kindes, wenn es Bestimmungsmacht über sich selbst erwerben kann und sich darüber auch erfahren und ausleben kann. Bestimmungsmacht über seine Bezugspersonen, resp. die Eltern muss es nicht unbedingt gewinnen. Das ist zwar ein großes positives Attribut, aber für die Ausgewogenheit des Selbst genügt ein gesunder Abgleich zwischen dem, was bei den Eltern erreicht werden kann und dem was die Eltern beim Kind selbst durchsetzen. Was Andere mit Tyrannen meinen, sind wahrscheinlich jene "überbordenden" Kinder, die durch ständiges Zurückweichen und durch erzieherische Schwäche der Eltern grandios und grenzenlos werden. Da sie aber ungeliebte und ungeführte Kinder sind, entlädt sich diese Grandiosität auch ganz stark in Unbeherrschtheit und Aggression. Viele Grüße
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