Sylvia Ubbens

Wie kann ich ihm helfen?

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Liebe Frau Ubbens,
mein Sohn, der im Juli 3 Jahre alt wird, besucht seit Juni 2018 die Krippe. Die Eingewöhnung verlief problemlos und er ist immer gern hingegangen, hatte feste Freunde und wollte selten freiwillig mit mir nach Hause gehen. Nach genau einem Jahr, also im Juli letzten Jahres, mussten wir umziehen und ihn an eine neue Krippe gewöhnen. Diese arbeitet mit einem offenen Konzept, liegt in der Innenstadt, wodurch kein Garten vorhanden ist und scheint in der Tagesstruktur etwas chaotischer zu sein. Die Erzieher/-innen sind sehr nett, aber distanzierter als in der ersten Krippe. Wir als Eltern erfahren nur sehr wenig über unser Kind und seinen Alltag dort. Die Eingewöhnung wurde von zwei sehr kompetent wirkenden Erzieherinnen übernommen, die nun beide sehr überraschend die Einrichtung gewechselt haben. Er hat nun eine neue Bezugserzieherin, die ich kaum kenne. Früher hat mein Sohn sehr viel von der Krippe erzählt, nun antwortet er mir gar nicht mehr, wenn ich ihn nach seinem Tag frage. Er ist sehr sensibel und etwas wilder, was sicherlich im Krippenalltag etwas stressiger werden kann. Die Eingewöhnung verlief etwas schwieriger als die erste, was ich allerdings auf den Umzug geschoben habe. Allerdings fragte er noch nach fast drei Monaten weinend nach den alten Erzieherinnen und ist jeden Morgen traurig, wenn er in die Krippe gehen soll. Ich bin auch kein Fan von privatem Spielzeug in Einrichtungen, aber dort hat jedes Kind ein kleines Übergangsobjekt dabei. Eine Zeit lang hat es ihm geholfen, doch schon nach kurzer Zeit wurde uns ans Herz gelegt, dies zu unterlassen, da er dieses nicht mit anderen teilen möchte. Andere Kinder haben ihre trotzdem dabei und mein Kind weint dann jedes Mal zu Hause, weil er damit nicht spielen durfte. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Klarheit und Einheitlichkeit gewünscht. Aber gut, ich leite die Krippe ja nicht. Mit dem Essen ist es auch schwierig. Ich werde gefragt, ob ich nicht mal Salzstangen o.ä. mitgeben kann, weil andere Kinder solche Sachen auch manchmal dabei hätten. In diesem Punkt habe ich allerdings darauf bestanden, dass er zuerst vom Brot und Obst/Gemüse essen soll, bevor er etwas anderes bekommt. Dies klappt nun auch ganz gut. Zur Zeit scheinen die Erzieher (wohl durch die Corona-Situation) etwas überfordert. Gestern haben sie vergessen einem Kind Mittagessen zu geben und seit zwei Tagen finde ich Kotreste am Hintern meines Sohnes, wodurch er bereits extrem wund geworden ist. Er konnte sich nicht einmal auf's Laufrad setzen.
Im August soll er in den Kindergarten wechseln. Ich bin nun schon am Überlegen, ob ich ihn in eine private Einrichtung unterbringen soll, sofern dies noch möglich ist. Durch seine sehr sensible Art ist er schnell mit Gruppensituationen überfordert und benötigt eine sehr aufmerksame Erziehungsform. Er muss z. B. verstehen können, warum er etwas nicht darf bzw. warum sein Verhalten gerade nicht in Ordnung ist. Dann hält er sich auch super an Regeln. Natürlich testet er seine Grenzen, aber kann diese dann auch akzeptieren. Seine Sensibilität bringt aber auch mit sich, dass er sehr auf den Ton achtet, sich schnell abgelehnt fühlt und traurig wird. Seit wir in der neuen Krippe sind, ist er oft traurig und weint im Schlaf. Er hat Angst allein zu schlafen und wacht schreiend auf. Gestern hat er mir erzählt, dass die Erzieher zum Schlafen nicht mehr mit in den Raum gehen, er Angst hätte und dann zu einem anderen Kind gehen würde. Er traue sich nicht raus, da die Erzieher dann sauer werden würden. Ich dachte, dass es sich alles nach Verkraftung des Umzugs bessern würde, aber es wird immer schlimmer. Wegen corona waren wir nun fast drei Monate zu Hause. Am 18.5. durfte er wieder in die Krippe. Der Tag war super, er war total aufgelebt. Allerdings fehlte ihm sein einziger Freund, den er dort gefunden hat, denn dieser ist nun im Kiga. Seitdem wird jeder Tag schwieriger. Seit gestern weint er beim Abschied und klammert ganz schlimm. Laut des Erziehers heute Morgen auch mal tagsüber. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Heute Morgen war er im Auto erst noch gut drauf bis sein Blick auf das Gebäude fiel. Da änderte sich schlagartig sein Gesichtsausdruck und er wurde fast apathisch. Ich mache mir nun langsam Sorgen, wie wir das bis August (oder wegen corona vielleicht sogar Oktober) durchhalten sollen. Ich will ihm gerne helfen, weiß aber nicht wie. Ich weiß auch nicht, ob die Erzieher momentan Kapazitäten für ein Elterngespräch haben und wie ich ihnen das Problem genau schildern kann bzw. ob man da überhaupt etwas machen kann.
Entschuldigen Sie bitte, dass der Text so lang geworden ist. Ich wäre Ihnen sehr dankbar für einen Rat, wie ich meinem kleinen Mann helfen kann.
Liebe Grüße
Nini

von Ninija87 am 27.05.2020, 09:21 Uhr

 

Antwort auf:

Wie kann ich ihm helfen?

Liebe Nini,

sehr viele Kinder tun sich nach der langen Pause schwer, sich in der Fremdbetreuung wieder wohl zu fühlen. Bei Mama und/oder Papa zu Hause war es doch so schön. Die Kinder brauchen Zeit.

Die meisten Kinder mögen nicht vom Tag erzählen. Das ist ganz normal. Drängen Sie ihn nicht.

Fragen Sie nach einem Elterngespräch. Haben die Erzieher dafür keine Zeit oder dürfen es aufgrund von Abstandsregeln usw. derzeit nicht führen, werden sie es Ihnen sagen. Dann ist ggf. ein eMail-Austausch hilfreich. Sicherlich werden die Erzieher auch beraten können, was die Kindergarten- oder Tagesmutterwahl anbelangt.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 27.05.2020

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