Christiane Schuster

Schulangst / Entwicklungsstufe / Vergangenheitsbewältigung ?

Antwort von Christiane Schuster

Frage:

Hallo Frau Schuster,

unsere Tochter Viola ist 7 Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Ich muss ein bisschen sausholen und unsere Vergangenheit schildern :

Wir sind vor zwei Jahren in das jetzige Haus umgezogen, in dem auch die Großeltern leben. Ende letzten Jahres ist meine Frau erkrankt und war knapp zwei Monate im Krankenhaus. Wir haben die Kinder immer mit einbezogen und sie waren auch bei den KH-Besuchen immer dabei.

Leider hat sich dann heraus gestellt, dass wir im Bezug auf unser Wohnhaus Pech hatten und der Besitze hinters Licht geführt hat und das Haus garnicht wie vereinbart an uns verkaufen will, wir mussten uns also auf die Suche nach einem neuen Zuhause machen.
Bis zu den Sommerferien war bei unserer Tochter alles perfekt. Sie ging in die Schule ohne Probleme, machte mit, ging nach der Schule in die Kernzeitbetreuung und wirkte auf uns als total glückliches Kind. In den ferien waren wir dann zwei Wochen zusammen im Urlaub.

Leider kam es dann so, dass im Bekanntenkreis eine Mutter verstorben ist, was unsere Tochter mitbekommen hat. Mit diesem Ereignis ist es bei ihr, wie wenn ein Schalter umgelegt wurde. Sie weint urplötzlich im Unterricht und lässt sich kaum noch beruhigen. Dann ist wieder alles normal. Die Kernzeit ist für sie nur noch ein Monster und sie will kaum noch hin. Jetzt war sie zwei Wochen krank zuhause, gestern war der erste Schultag für sie und sie war mit der Klasse im Theater, kam glücklich nach Hause und war total erfüllt und happy. Heute Morgen ging sie wieder ganz normal in den Unterricht und nach einer Stunde rief die Schule an, sie muss abgeholt werden wegen Halsschmerzen und Überlkeit. Sie beteuert, sie würde bei Krankheiten nicht lügen und das glauben wir ihr auch.

Zu allem Übel stecken wir jetzt auch noch im Umzug, weil wir ein neues Haus gefunden haben, aber sie freut sich sehr über ihr neues Zimmer, hilft beim streichen usw. Sie muss auch die Schule nicht wechseln.

Sie sehen also, unsere Tochter hat wirklich sehr viel zu verarbeiten gehabt die letzten Monate und der Umzug ist auch noch recht heftig. Aber am schlimmsten scheint wirklich für sie, dass sie den Tot der anderen Mama miterleben musste. Wir erklären ihr immer, dass ihre Mama ja ihre Medikamente nimmt und die andere Mama nie zum Arzt ging und nachlässig war. Sie redet gerade sehr viel vom Sterben und Krankheiten und wir versuchen, darauf einzugehen.

Was können wir nun tun, damit unsere Tochter wieder zu sich findet und wie können wir ihr Unterstützung geben, dass die Schulangst und die Weinattacken in der Schule aufhören. Wir versuchen, ihr ein geregeltes Umfeld zu geben, wir stellen jeden Morgen mit ihr Mamas Wecker, damit Mama auf keinen Fall vergisst, sie von der Schule abzuholen, wir kommen immer püktlich und sie muss nie auf uns warten.

Wir werden uns auf Empfehlung unseres Kinderarztes an die Caritas wenden, um Unterstützung zu bekommen, aber erfahrungsgemäß dauert es mindestens Wochen, bis man einen ersten Termin bekommt. Was können wir selbst unternehmen, damit es bei ihr wieder bergauf geht ?

Bitte entschuldigen Sie den langen Text, aber ich wollte die Hintergründe nicht auslassen.

Herzliche Grüße und im Voraus vielen Dank.

Dirk

von Dirk2106 am 04.12.2009, 11:03 Uhr

 

Antwort auf:

Schulangst / Entwicklungsstufe / Vergangenheitsbewältigung ?

Hallo Dirk
Meiner Meinung nach hat der Tod dieser Mutter bei Ihrer Tochter "das Fass zum Überlaufen" gebracht, sodass dieses auslösende Moment jedes Mal wieder neu entfacht wird, wenn es eine Enttäuschung oder ein besonderes Ereignis gibt, das Ihre Tochter nicht gleich verstehen kann.
Während Ihrer Weinattacken versucht sie dann zu verstehen oder zu akzeptieren, sodass sie sich auch bald wieder beruhigt und zum Alltag überwechselt.
Vermutlich wird sich beschriebenes Verhalten Ihrer Tochter erst nach aktiver Auseinandersetzung mit Krankheit und Sterben und auch erst nach abgeschlossenem Umzug wieder normalisieren, da sie erst dann wieder wirklich zur Ruhe kommen und zu ihrer sicheren Orientierung zurückfinden wird.
Bitte bemühen Sie sich auch weiterhin um einen möglichst geregelten Tagesablauf und führen Sie häufig Gespräche mit Ihrer Tochter, wenn Sie feststellen, dass sie gedanklich ganz woanders als in der Gegenwart ist.
Ermöglichen Sie ihr ein zusätzliches Abschalten in einer selbst-gewählten Interessengruppe, da sich gezeigt hat, dass sie nach der Theatervorstellung, während der sie abschalten konnte, vorübergehend wie ausgewechselt war.

Vielleicht sind auch die Infos auf nachfolgend genannter Seite eine Hilfe für Ihre Tochter und Damit für die ganze Familie, um Ängste und Erlebnisse aus der Vergangenheit besser bewältigen u können?

Weiterhin viel Geduld und Verständnis, liebe Grüße und: bis bald?

von Christiane Schuster am 04.12.2009

Antwort:

Ergänzung

Ich wollte noch anfügen, dass ihre Lehrerin sie bis auf die Weinausbrüche, die meist 5 Minuten andauern, als durchaus fröhliches Kind sieht, die mit den anderen Kindern spielt und im Unterricht mitkomme, auch die Erzieherin aus der Kernzeit berichtet, dass es keine Probleme mit ihr gibt und sie kommt auch immer begeistert raus.

Es ist manchmal dann so, dass sie schon beim Aufstehen weinend im Bett sitzt und fragt, wann sie abgeholt wird. Sie besteht auch seit neuestem darauf, dass man sie ins Klassenzimmer bringt. Bisher war sie fast schon beleidigt, wenn man sie nicht einfach allein vom Auto ins Klassenzimmer laufen ließ.

Das wollte ich gerne noch anfügen, sorry. Ich würde mich natürlich auch über Erfahrungsberichte anderer Eltern freuen.

von Dirk2106 am 04.12.2009

Antwort:

Sorry: die Seite als evtl. weitere Info

http://www.kindertrauer.info/Kindertrauer/Kindertrauer.html

von Christiane Schuster am 04.12.2009

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