Sylvia Ubbens

Geringe Frustrationstoleranz bei fast 6-Jährigem

Antwort von Sylvia Ubbens

Frage:

Hallo, Frau Ubbens!
Unser fast 6-jähriger Sohn eckt leider im Kiga immer wieder an und ist auch sonst kein gerade unkompliziertes Kind. Schon als Baby war er sehr auf mich fixiert und hatte kleine Spleens wie phasenweise nicht Auto fahren zu wollen, dann nicht in den Kinderwagen zu wollen, keine lauten Geräusche ertragen zu können oder in seiner eigenen Phantasiesprache zu sprechen... Nach der Geburt seiner Schwester (jetzt fast 4) wurde es dann noch schlimmer. Nach einer sehr schwierigen Eingewöhnung im Kiga (mit 3 3/4) wurde er immer wieder auffällig, weil er wegen jeder Kleinigkeit los brüllte, Anweisungen nicht befolgte und auch schon mal mit Gegenständen um sich warf. Ständige Vorwürfe von Seiten der Erzieherinnen zermürbten mich zusehends so dass ich schon Bauchschmerzen bekam, wenn die Abholzeit näher rückte und ich Angst davor hatte, was denn heute wieder los gewesen war. Er sei nicht normal, müsste in dem Alter schon alleine zur Toilette gehen, sich selbst anziehen und seine Wut besser im Griff haben können. Ich war daraufhin mit ihm bei einer Erziehungsberatungsstelle und die haben mir eine Ergotherapie empfohlen wegen Wahrnehmungsstörungen. Nach 20 Sitzungen in denen alles super lief, meinte selbst der Therapeut, dass keine weiteren nötig wären. Unser Sohn sei ein sehr willensstarkes Kind mit einer ausgeprägten konservativen Einstellung, könne sich gut an Regeln halten und sei sehr klug. (Konnte mit 2 3/4 schon das ganze ABC, 12 Bücher auswendig "vorlesen", alle Zahlen lesen) Er sei einfach vom Charakter her so unflexibel und starrköpfig und das würde sich mit dem Älterwerden von selbst bessern. In seiner neuen Kiga Gruppe läuft es jetzt viel besser, die Erzieherinnen gehen mehr auf ihn ein und er hat dort viele Gleichaltrige um sich. Aber auch da fällt es ihm sehr schwer, Freundschaften zu schließen und wenn er sich mal mit einem Jungen gut verträgt und wir uns auch privat mit ihm treffen, bricht für ihn eine Welt zusammen , wenn der Junge dann auch mal mit jemand anderem spielen will oder es Streit gibt. Durchkreuzt ein anderes Kind seine Pläne egal ob absichtlich oder versehentlich, brüllt er los, beschimpft das Kind lautstark und haut manchmal(Gott sei Dank ganz selten) auch leicht zu. Mit seiner Schwester versteht er sich bis auf normale Geschwisterstreitereien sehr gut, aber auch da möchte er am liebsten bestimmen, mit wem sie spielen darf. Seine Freude am Kiga hält sich stark in Grenzen und in die Schule mag er nächstes Jahr auch nicht gehen. In einem ruhigen Gespräch hat er mir anvertraut, dass er Angst davor hat, das alles nicht zu schaffen, was Schulkinder lernen müssen. Ich hab ihm dann aufgezählt, was er schon alles kann, was viele Schulkinder noch nicht können und hab ihm erklärt, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen hat und man nicht überall perfekt sein kann. Wenn ihm etwas misslingt, sucht er immer die Schuld dafür bei jemand anderem und beruhigt sich nur schwer wieder. Bei Spielen will er immer gewinnen und motzt schon zu Beginn des Spiels herum, wenn er nicht gleich Glück hat und in Führung geht. Sportvereine mag er nicht und konnte sich bei Schnupperstunden nicht von mir lösen. Karusellfahren, Ponyreiten und noch vieles andere kann er nicht leiden. Am liebsten würde er nur mit mir, seiner Schwester oder seiner einzigen Freundin (4 1/2) spielen. Er hat sehr wenig Selbstbewusstsein und ist auch sehr eifersüchtig auf seine kleine Schwester, die auch (für ihn leider) ein sehr unkompliziertes, charmantes und einnehmendes Wesen hat. In letzter Zeit haben sich seine Wahrnehmungsstörungen zwar deutlich gebessert(er erträgt wieder den Rasenmäher, die Espressomaschine und andere Geräte), aber schnell frustriert und leicht in Rage zu bringen ist er immer noch. Im Kiga lässt er sich auch leicht von anderen beeinflussen. Vor den Ferien musste er früher abgeholt werden, weil ein anderer Junge ihn und seinen "Freund" dazu gebracht hatte, sich mit nackigem Popo auf das Gesicht der Beteiligten zu setzen und am Pipi zu lecken. Er war daraufhin so verstört und tief traurig, dass mich die Erzieherinnen anriefen, ob ich ihn eher abholen könnte, weil er immer wieder weint. Als wir zuhause feststellten, dass er Fieber hat, sprudelte die Geschichte nur so aus ihm heraus und er glaubte, dass er wegen dem, was er getan hatte nun krank geworden sei. Auf meine Frage, warum er das denn mitgemacht habe, kam als Antwort: "Der ... ist der Bestimmer und was der sagt muss man tun. Und das auf das Gesicht setzen sei ja noch lustig gewesen, aber das andere wollte er eigentlich nicht machen." Was soll ich denn noch machen? Ich zeige und sage ihm jeden Tag zig mal wie lieb ich ihn habe, lasse ihn Aufgaben selbst übernehmen, zeige Verständnis für seine Schwächen, bringe ihn in Kontakt mit anderen Kindern und versuche meine beiden Kinder so gleich wie nur irgendwie möglich zu behandeln. Wie soll er denn in einem Jahr in der Schule zurecht kommen, wenn er mich jetzt an manchen Tagen immer noch nicht aus dem Kiga weggehen lassen will? Und wie soll er sich durchsetzen können?Er kommt auch noch fast jede Nacht in unser Bett, seine kleine Schwester nicht. Ich finde das auch gar nicht schlimm, denke mir das wird irgendwann von selbst aufhören und vielleicht braucht er das einfach noch. Aber ist das mit fast 6 noch vertretbar und normal? Er trägt auch immer noch nachts Windeln und möchte nicht darauf verzichten, obwohl er sie unserer Meinung nach nicht mehr nötig hätte. Wie sie sehen, sind es ganz schön viele Baustellen, die sich für uns jeden Tag auftun. Die Verwandtschaft meines Mannes sagt immer, mein Mann sei als Kind genauso gewesen und ist heute ein selbstbewusster und kontaktfreudiger Erwachsener, aber Sorgen mache ich mir trotzdem! Jetzt kam vor kurzem auch noch von einer Erzieherin der Satz:"Da habt ihr noch viel Arbeit vor euch, wenn er nächstes Jahr in die Schule gehen soll." Was kann ich tun, wo soll ich anfangen? Er ist so ein phantasievolle, kluges, anschmiegsames und wissbegieriges Kind, aber macht es sich selbst so schwer! Vielen Dank schon im Voraus! Ich hoffe, dass sie uns mit ihrer Einschätzung weiterhelfen können oder zumindest Tipps für uns haben, wie wir unseren Sohn in "gesellschaftstauglichere" Bahnen lenken können.

von Weltenburgerin am 08.09.2014, 11:18 Uhr

 

Antwort auf:

Geringe Frustrationstoleranz bei fast 6-Jährigem

Liebe Weltenburgerin,

stellen Sie Ihren Sohn einmal in einem Sozialpädiatrischen Zentrum vor. Dort arbeiten viele Experten auf verschiedenen Ebenen zusammen und sie können gemeinsam gucken, was Ihrem Sohn gut tun kann, damit er leichter durch den Alltag findet.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 08.09.2014

Antwort auf:

Geringe Frustrationstoleranz bei fast 6-Jährigem

Vielen Dank für die rasche Antwort! Ich habe nur ein Problem damit, so eine Einrichtung aufzusuchen, da ich mit ihm bereits bei einer Erziehungsberatungsstelle war, er Ergotherapie gemacht hat und ich ihn auch bei einem Kinder Psychiater vorgestellt hatte. Er ist ein sehr kluges Kind und merkt genau, dass man mit ihm dort hingeht, weil irgendwas nicht mit ihm stimmt. Beim Psychiater hat er sich auf dessen Flokatiteppich herumgewälzt und komische Töne von sich gegeben, was er sonst nie macht. Als ich dann, auch auf Drängen meines Mannes, weitere Tests und Behandlungen abgeblasen habe, hat man seine Erleichterung förmlich spüren können. Seine Kinderärztin meinte, ich solle ihn einfach lieben und annehmen wie er ist und dass ich aus ihm niemals einen Sonnenschein wie meine Tochter machen könne. Da hat sie schon recht. Ich will ihn ja auch gar nicht umkrempeln, aber es tut mir in der Seele weh, mit ansehen zu müssen wie er sich immer mehr zum Außenseiter macht und sich selbst das Leben so schwer macht. Wie kann ich ihm dieses Zentrum verkaufen ohne dass er wieder das Gefühl hat "Mit mir stimmt was nicht und selbst meine Mama kommt nicht mit mir klar." Soll ich so tun, als würden alle Kinder vor der Einschulung da hingehen? Ich muss dazu sagen, dass ich sehr dagegen bin, Kindern etwas vorzuspielen oder sie anzulügen. Selbst bei Kleinigkeiten sage ich ihnen die Wahrheit, auch wenn es manchmal der unbequemere Weg für mich ist.
Liebe Grüße

von Weltenburgerin am 09.09.2014

Antwort auf:

Geringe Frustrationstoleranz bei fast 6-Jährigem

Liebe Weltenburgerin,

sicherlich merkt Ihr Sohn selbst, dass er sich oft anders verhält, als viele andere Kinder. Erklären Sie ihm, dass Sie gemeinsam einen Arzt aufsuchen, damit es ihm in der Schule später leichter fällt. Sie schreiben, dass er Angst vor der Schule hat, dann mag er sich ja vielleicht auf der Ebene helfen lassen und Sie müssen ihm gar nicht erzählen, dass alle Kinder dahin gehen. Zudem ist Ihr Sohn mittlerweile ein wenig älter geworden und mag von daher besser mitmachen.

Viele Grüße Sylvia

von Sylvia Ubbens am 09.09.2014

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