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Stillberaterin Kristina Wrede

Stillberatung

Kristina Wrede

   

 

Abstillen ohne das Kleinkind schreien zu lassen. Geht das?

Liebe Frau Welter und liebe Frau Wrede,

ich habe einen fast 28-monatigen alten Sohn und stille ihn immer noch tagsüber und abends zum Einschlafen. Wacht er nachts auf, was ca. 2 bis 3mal pro Nacht der Fall ist, schläft er nur weiter, wenn er an der Brust saugen darf. Er hat noch nie aus der Flasche getrunken und schon immer Schnuller abgelehnt. Anfangs wollte ich nur ein Jahr stillen. Nun sind es schon 28 Monate. Ich habe damit auch bis vor ein paar Wochen kein Problem gehabt, obwohl viele Menschen in meinem Umfeld immer wieder Tipps zum Abstillen gaben und sich wunderten, wie lange ich denn noch stillen möge.
In den letzten Wochen jedoch, wurde es immer anstrengender und schmerzhafter für mich, da ich meinen Sohn nachts kaum noch von der Brust wegbekomme. Er klammert sich so an mich, weint sofort ganz arg und saugt sich förmlich fest. Ich bin dann, da mir der Schlaf fehlt auch schnell genervt, was ich selbst nicht leiden kann. Möchte immer liebevoll mit ihm sprechen und ihn nicht anmotzen. Aber nachts passiert das leider in der letzten Zeit öfter. Kommentare von Freunden und Bekannten lauten oft: Ohne Schreien, werde ich es nicht schaffen, ihn von der Brust wegzubekommen. Ich lehne aber das "Schreien lassen" in jeglicher Form ab. Ich kann ihn nicht schreien lassen, da blutet mein Herz. Er bekam bisher und bekommt von mir und meiner Familie immer die Aufmerksamkeit, die er braucht und wenn er Schmerzen hat, dann wird er getröstet. Bisher hatte ich auch immer die Hoffnung, dass er sich von alleine abstillen würde.
Problematisch sehe ich, dass ich ab April wieder Vollzeit arbeiten gehe. Mein Mann bleibt dann noch ein halbes Jahr, bis unser Sohn in den Kindergarten kommt, zuhause. Ein bisschen Angst hat er, wie das mittags ohne Brust mit dem Mittagsschlaf klappen soll. Denn unser kleiner Mann schreit wie am Spieß, wenn er seine geliebte Brust zum Einschlafen nicht bekommt. Gut ist, dass unser Sohn nur noch ca. zweimal die Woche überhaupt einen Mittagsschlaf macht. Abends bin ich ja eh da.
Wie gesagt, ich möchte ihn nicht schreien lassen und hätte einfach gerne, dass er sich ohne Probleme von selbst entwöhnt. Ich habe Angst, wenn er schreit bzw. wenn ich ihn zum Einschlafen schreien lassen würde, weil er keine Brust bekommt, ich ihm damit seinen Willen brechen würde bzw. ich ihm dadurch Schaden zufügen würde.
Bestimmt haben Sie "sanfte" Tipps für mich. Ich weiß, dass ich auch innerlich zerrissen bin. Auf der einen Seite möchte ich ihm gerne noch Zeit lassen, bis er sich vielleicht doch selbst entwöhnt. Auf der anderen Seite ist es oft sehr schmerzhaft für mich und ich kann das Dauersaugen kaum noch ertragen.
Unser Sohn ist übrigens ein aufgewecktes Kerlchen, immer in Action und kontaktfreudig. Wir sind im Turnen, machen Musikstunden mit und treffen viele Kinder auf Spielplätzen. Er kann sich auch länger alleine beschäftigen und spielen. Mein Mann sagt immer, ich solle es so machen, wie es für mich am besten ist. Ich möchte definitiv nicht noch stillen, wenn er in die Grundschule kommt. Übrigens sprechen wir auch ganz viel mit unserem Sohn darüber. Tagsüber sagt er selbst, dass er es schaffen wird ohne Brust einzuschlafen, was dann leider abends nicht der Fall ist. Er spricht auch immer davon mit dem Stillen aufzuhören, wenn er in den Kindergarten kommt, denn nur Babys trinken an der Brust und er ist schon ein großer Junge. Nachts sagt er dann immer zu mir, er sei nun ein Baby. Er versteht also alles, kann es aber noch nicht umsetzen.

Vielen Dank im Voraus.

Liebe Grüße

Nikmau

von Nikmau am 08.02.2019, 22:41 Uhr

 

Antwort:

Abstillen ohne das Kleinkind schreien zu lassen. Geht das?

Liebe Nikmau,

die innere Zerrissenheit, von der du berichtest, ist vermutlich der Grund, warum es bisher nicht klappt. Denn dein Kind spürt das und hat vermutlich schon mehrmals erlebt, dass er sich durchsetzen kann, wenn er laut genug wird - oder weint. Dann bröckelt jeder Vorsatz von dir in sich zusammen. Gelernt hat dein Kleiner dadurch aber auch, dass ER derjenige ist, der entscheidet, was geht und was nicht. Und das ist im Grunde viel zu viel Verantwortung für ein so kleines Menschlein. Vermutlich überfordert es ihn, und darum kammert er sich so an dich, wie du es beschreibst, hat Verlustängste und weiß sich nicht anders zu helfen als mit der Brust.

Jetzt ist es nötig, dass er lernt, es geht auch anders. Dass das Leben nicht in Gefahr ist, wenn es mal keine Brust gibt. Dass Mama und Papa da sind und Halt geben, auch ohne Muttermilch.

Nichts spricht dagegen, dass du deinen Sohn weiter stillst. Doch ich denke, dass es an der Zeit ist, dass du wieder die Führung übernimmst. Und da kann es durchaus sein, dass es mal Geschrei und Geweine gibt, als natürlicher Ausdruck des verständlichen Protests. Wenn du keine Angst vor dieser Reaktion hättest, wenn du wüsstest, dass er nicht daran kaputt geht, auch mal Frustration zu erleben, wenn du kein "Brechen" und keinen seelischen Knacks fürchten würdest - wäre es dann einfacher für dich, klare Regeln und Grenzen durchzusetzen, damit es nicht nur dem Kind, sondern auch dir gut geht?

Hilf ihm zu erleben, dass er kein Baby sein muss. Dass du bei ihm bist und an seiner Seite bleibst, auch wenn er z.B. ab jetzt nur noch zu bestimmten Zeiten stillen darf (kennst du den Tipp mit dem Nachtlicht und der Zeitschaltuhr??). Du wirst erleben: Wenn du klar bist, schafft es auch dein Kind!

Lieben Gruß,
Kristina

von Kristina Wrede am 09.02.2019

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