Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Welche Essenszeiten und welche Gerichte

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo Frau Neumann,
Ich hab eine Frage zu den Essenszeiten und Gerichten.
Mein Sohn ist 9,5 Monate alt, wurde die ersten 7 Monate voll gestillt wegen Neurodermitis und Allergie gegen Erdnuss, Mandel und Pistazie.
Morgens wird er nach dem aufwachen 8/9 Uhr gestillt, und wenn ich Frühstücke ca. 10 Uhr bekommt er ein bisschen Brot mit Butter und Frischkäse, mal Gouda und jetzt isst er Erdbeer Marmelade.
Dann macht er gegen 11 Mittagschlaf und wird in den Schlaf gestillt.
Gegen 13 Uhr bekommt er den Mittagsbrei, den koche ich selber um zu sehen ob er alles verträgt, aber er möchte kein püriertes mehr essen.
Dann gehen wir um ca 14:30-16:30 uhr spazieren, in der zeit schläft er.
Wenn wir zu Hause sind spielen wir noch ein bisschen und um 17:30 Uhr gibt's den Abendbrei mit Obst drin, davon isst er nur ein paar Löffel und macht so lange Theater bis er Brot bekommt.
Ich hatte nie Zeit den dritten Brei überhaupt einzuführen.
Wann soll er was essen?!
Wie gesagt Brei findet er mittlerweile ganz doof, er will vom Tisch mit essen.
Aber ich bin absolut überfragt was ich zu essen machen soll, um wie viel Uhr er was essen soll und vorallem wie viel Obst und Gemüse muss er am Tag essen, damit er richtig gut versorgt ist. Und welche menge Wasser muss er zusätzlich trinken, wenn ich ihn nur noch morgens und Abends zum Einschlafen Stille?
Bitte helfen Sie mir, bin jeden Tag am lesen, aber trete auf der Stelle, weil jeder was anderes sagt, und ich niemanden im Umfeld mit kleinen Kindern habe.
Vielen lieben Dank für Ihre Antwort.
Liebe Grüße

von Engelchen91 am 22.02.2021, 12:50 Uhr

 

Antwort auf:

Welche Essenszeiten und welche Gerichte

Hallo Engelchen91
dein Sohn verhält sich absolut altersentsprechend. Er isst Beikost und wird gestillt. Jetzt hat dein Baby das Alter für die Familienkost und zeigt dir auch deutlich, dass er soweit ist.
Die Familienkostneugier zeigt sich von seiten der Babys genau so wie du es beschreibst. Dein Sohn möchte keine oder kaum noch Breie essen und er möchte nicht (mehr) gefüttert werden, stattdessen alles selbständig greifen und in den Mund nehmen. Er möchte kauen und Texturen spüren. Dein Baby möchte am liebsten das mitessen, was ihr Eltern und insbesondere was du isst.
Dein Kind hat einen großen Entwicklungsschritt hinter sich. Das Gewicht hat sich inzwischen nahezu verdreifacht und dein Baby hat auch an Größe zugelegt. Diese schnelle Wachstumszeit stagniert jetzt für eine ganze Weile, jetzt ab etwa dem 10. Lm. Das wirst du bald merken, weil die Kleidergröße nun für eine länger andauernde Zeitspanne passen wird. Und genau darum, weil das Gewicht und die Größe ab jetzt weniger schnell sich verändern wird, die Größen- und Gewichtszunahme ab jetzt vielmehr in Wachtstumsschüben geschieht, geht der Hunger vorrübergehend etwas zurück. Dein Kind kommt mit weniger großen Essmengen als bishehr gewohnt aus. Viele Eltern sind darum irritiert. MIt der Familienkost essen Kinder vorrübergehend weniger große Mengen als gewohnt. Genau dies ist aber wiederum ein Zeichen für Reife. Die Familienkost, welche mehr Essaufwand seitens deines Kindes erfordert, beinhaltet meist kleinere Essmengen.Mit diesem Wissen wirst du Essmengen und Verzehrsmengenempfehlungen besser einzuschätzen lernen.
Dein Kind darf immer so viel oder so wenig essen, wie er aktuell für eine Mahlzeit benötigt. Stilla dazu nach Bedarf. Wenn dein Baby derzeit nur morgens und abends Bedarf hat, dann wird ihm das Essen plus Muttermilch ausreichen.
Was Stillen und Essmengen bzw Stillmahlzeiten und alles was dazu gehört betrifft, das könntest du noch einmal explizitbei Biggi Welter im Nachbarforum erfragen.
Durch verschiedene Saugtechniken kann sich dein Kind die Muttermilch nach Gusto konfigurieren und erhält somit alle wichtigen Nährstoffe, Energie und Flüssigkeit.
Lass dir das von Biggi Welter am besten einmal ausführlicher erklären.

Etwaigen Durst könnte dein Baby tagsüber stillen, indem du ihm aus einem kleinen offenen Trinkgefäß (bspw ein Schnapsglas - um die Größe zu definieren) etwas handwarmes Leitungswasser anbietest.
Etabliere für die Familienkost etwa 4-5 Mahlzeiten mit konkreten Uhrzeiten und setzt euch dafür zuammen hin. Idealerweise esst ihr gemeinsam leckere Dinge.
Als Orientierung kannst du den bekannten Breiplan nehmen und diesen so umstellen, dass es für euch passt. Statt einem GOB am Nachmittag, habt ihr bspw bereits schon ein Frühstück eingebaut.
Statt eines Abendbreies kann es künftig Brot und Milch, ggf etwas Obst geben.
Statt eines MIttagsbreies kann es künftig eine Zusammenstellung der einzelnen Breizutaten zum Greifen geben, plus Familienkost. So kann dein Kind den Geshcmack und die Konsistenz, das Aussehen und alles weitere eurer typischen Familiengerichte schrittweise und langsam kennen lernen.

Merke dir den Leitsatz: beobachte dein Baby und reagiere.
Achte auf die Bedürfnisse deines Sohnes und begleite und unterstütze ihn angemessen.
Übergib deinem (gesunden) Sohn ab jetzt mehr Eigeninitiative. Lass ihn selbstständig essen und füttere ihn nur ausnahmsweise. Du musst jetzt einen goldenen Mittelweg finden, welcher darin besteht deinem Baby ausreichend zu stillen und dein Baby selbständig essen zu lassen, so dass er sich aktiv beteiligt. Dein Sohn sollte ausreichend viele Gelegenheiten erhalten, um zu kauen ohne dabei überfordert zu werden und nur so viel Brei gefüttert bekommen, dass das Essen weiterhin rundum Spaß macht und zufriedenstellt. Gewöhne dein Baby langsam und sanft, in seinem eigenen Tempo an gewöhnliche aber trotzdem babygeeignete, d.h. ungefährliche Speisen.

Eine grobe Orientierung für die künftigen Mahlzeiten kann die Folgende sein:
morgens: Brot und stillen , Obst oder Kindermüsli
ZMZ wenn erforderlich: Brot oder stilllen oder Obst
Mittag: Mittagessen entweder sehr basic in Anlehnung an die üblichen Breie oder bereits bekannte einfache Gerichte wie Nudeln mit Sosse, Pizza etc und/oder Familienkost
ZMZ wenn erforderlich: Obst oder Getreidestängelchen o.ä. wie Kuchen, Muffins, Waffeln, Kekse
Abends: Brot und stillen oder Milchbrei (Grießbrei, Haferbrei/müsli), Nudeln, Gemüse

Als eine Orientierungsmenge für Brotstsückchen sagt man bspw ca 25g Brot, ca 3g Butter. Dies ist nur eine Richtgröße zur Veranschaulichung. Dein Baby darf so viel oder so wenig essen, wie er braucht und schafft. Siehe Foto im Anhang.

Hier ist noch Inspiration zu Fingerfood:

Grundrezept für Grießschnitten:
200g Pflanzendrink, Z.B. Reisdrink (plus 1 TL BUtter)
40g Grieß
Grieß in der Milch gut 3 min aufkochen, Grieß ausquellen lassen, auf einen Teller streichen, stehen lassen, Rauten schneiden, etwas zerlassene Butter dazugeben, evtl etwas süßen. Obst.

Milchreischnitten:
Milchreis in etwa im Verhältnis 3 Teile Flüssigkeit (Milch , Pflanzendrink oder whatever) zu 1 Teil Milchreis kochen bis weich. Quellen lassen.
Auflaufform mit Öl auspinseln. Milchreis einfüllen. Im Ofen bei 200° ca 20-25 min backen.
Dann schneiden.
Dazu Obstmus

Cousousbällchen:
koche Kartoffeln und stampfe sie. Füge etwas Butter zu.
Gare Couscous. Vermische die gestampften Kartoffeln mit etwas Coucous und forme daraus für dein Baby gut handhabbare Kugeln. Fertig ist das breifreie Fingerfood.
Im Bild im Anhang siehst du zwar eine Couscousbällchen, aber eine Variante aus einer schlicht gestampften Kartoffel, welche anschließend zu kleinen Kugeln geformt sind. Es ist ein Brei, welcher für die Übergangsphase breifrei serviert wird.

Ofenpommes aus Süßkartoffeln:
Süßkartoffel schälen, waschen, trockentupfen, in Pommesstücke schneiden, in Öl wenden.
Auf 1 mittelgroße Süßkartoffeln benötigst du etwa 1/2 EL Öl.
Geölte Stäbchen auf ein Backblech mit Backpapier legen und im Ofen (200°) ca 15-20 min backen. Immer mal nachschauen und ggf wenden, damit sie nicht verbrennen. Garzeit ist abhängig vom Durchmesser

Kartoffel-Hirse-Bratling
50g Hirse in 200 ml Gemüsebrühe in ca 15 min weich kochen.
400g Salzkartoffeln kochen.
Das Wasser von den gekochten Kartoffeln abgießen.
Die Kartoffeln stampfen. Die gekochte Hirse dazugeben. Würzen mit Salz, Paprika und einem Hauch Curry.
ca 6 EL Haferflocken darunter mischen und alles gut vermischen, bis ein fester Teig entsteht. Den Teig ca 1/2 h quellen lassen.
Danach die Bratlinge (flach) formen und in Semmelbröseln wälzen. Je nach Gefallen und Festigkeit des Teiges kann man auch Semmelbrösel in den Teig geben.
Die geformten Bratlinge in ausreichend Öl von beiden Seiten garen und braten.

Kartoffelbrei:
Salzkartoffeln in wenig Wasser (wenig Salz) kochen. Einen Stich Butter zugeben, verrühren, Milch dazu und mit einer Gabel alles zusammen zerdrücken.
Dazu Ei und Gemüse zum Picken.

Für die Vollständigkeit noch dieses:
!!!
Achtung: niemals(!!!) harte Lebensmittel wie rohe Apfel/Möhrenstücke, trockene ungekochte Nudeln, Gummibärchen, Nüsse, Kerne, Saaten etc etc geben.
!!

und wenn du wietere Fragen hast, dann melde dich wieder
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 24.02.2021

Antwort:

Anhang

gjh

von Birgit Neumann am 24.02.2021

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