Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Kind will immer das gleiche

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Hallo,

Erstmals Danke für Ihre Ausführlichen Antworten.
Bei uns ist seit circa ein Monat der Wurm drin und es wird nicht besser.
Sohn 11 Monate möchte vieles nicht mehr essen. Er war davor schon recht wählerisch und jetzt gibt es auf unseren Speiseplan vielleicht drei Gerichte, die er gerne isst.
Ich hab es mit Babymuffins, babykeksen, Grießschnitten, verschiedenes Obst Gemüse versucht. Aber leider bin ich kein Stück weiter .
Er ist suppennudeln , hackbällcheb und ne Art Mehlsuppe . Alles andere verweigert er.
Ein weiteres Problem ist, dass er, wenn es ums essen geht sofort um sich schlägt und nicht essen mag. Hat er ein Löffel gegessen , isst er weiter.
Des Öfteren kommt hinzu , dass er während des Essens spielen mag und bespasst werden will. Momentan bin ich so am füttern.
Am Abend bekommt er das gleiche wie mittags.
Ich still ihn um 10/16/19 Uhr und in der Nacht. Ab dem ersten Geburtstag würd ich gern das 10 Uhr stillen aufheben.
Ich dachte, dass es ne Phase ist, aber mittlerweile hat ich Angst, dass es sich verfestigt.
Danke

von Helgaa am 19.02.2019, 15:11 Uhr

 

Antwort auf:

Kind will immer das gleiche

Hallo Helgaa
ich vermute, dass dein Kleiner manchmal einfach zu wenig Hunger bei den Mahlzeiten am Tisch hat. Da du deinen Sohn auch häufig stillst, wird er auf jeden Fall gut ernährt.
Ab dem 10. Lm beginnt eine neue Zeit. Das passt zeitlich exakt zu deiner Schilderung, oder? Dein Baby entwickelt sich demnach prächtig und das nachlassende Interesse an Brei (auch nicht gefüttertwerden wollen) ist vollkommen altersentsprechend und sehr positiv zu werten.
Babys wachsen in den ersten Lebensmonaten sehr schnell, d.h. sie wachsen in die Länge (= Größe) und sie nehmen viel Gewicht zu (auch "Fettreserven" werden angelegt). All das erfordert die Aufnahme von großen Kalorienmengen (durch Milch), was sich in "Hunger" äußert. Sie brauchen und trinken, saugen viel "Milch". Jetzt ist diese schnelle Wachstumsphase bei deinem Sohn nun abgeschlossen, und er möchte sein Gebiss nutzen. Auch die (fein)motorischen Fähigkeiten sind bestimmt schon gut ausgebildet, so dass das selbständige Essen und das Kauen und Schlucken fester Partikel doch auch schon gut gelingt, oder?
Verzehrsmengen werden nach diesem Wachstumsschub übrigens häufig kleiner und auch die Größen-und Gewichtszunahme stagniert nun eine Weile. Jetzt reichen deinem Kind auch manchmal kleinere Essmengen, um trotzdem optimal versorgt zu sein. UNd zusätzlich erhält dein Sohn die Möglichkeit etwaigen Hunger/Durst mit Mumi zu stillen.
Jetzt geht es nun um die Gewöhnung an erue üblichen, gemeinsamen Mahlzeiten bei Tisch und das Essenlernen im Allgemeinen. Es geht um das Entdecken neuer Nahrungsmittel, um Geschmackserlebnisse, um Entdecken, durch Neugier, ums kauen Üben und vieles mehr. Seid eurem Kind dafür selbst ein gutes Vorbild und esst zusammen abwechslungsreich, lecker und gesund. Gestaltet eure Mahlzeiten für euren Sohn besonders erlebnisreich.
Serviere vermehrt Nahrungsbasics wie bspw gekochte Kartoffeln, leicht gewürzte, in Butter geschwenkte Gemüsestücke, ungewürzte Frikadelle etc. Obst, u.v.m.
Eure übliche Familienkost kannst du vorübergehend einfach weniger salzen und vor allem gesund und reichhaltig gestalten. Dein Baby kann damit erste Esserfahrungen machen und auf diese Weisen langsam aber kontinuielrich auch neue Lebensmittel kennen- und lieben lernen. Er kann sich mit kleinen Probiermengen langsam an neue Aromen und Konsistenzen gewöhnen ohne überfordert zu werden.
Auch wenn dein Sohn bei den Mahlzeiten nur wenig essen wird, kann er sich jetzt schon rein optisch daran gewöhnen. Er kann die Speisen in die Hand nehmen und befühlen. All das sind große Lernprozesse.
Gib ihm auch die klassische Breizutaten zum selber darin pantschen. Füttere ihn nicht, sondern gib ihm die Chance selbständig zu agieren.
Gib ihm auf seinen Teller: Kartoffeln, Gemüsestücke u.v.m.
Statt Obstbrei kannst du beginnen auch hier weiches Fingerfood zum selbständigen Entdecken anzubieten. Idealerweise esst ihr gemeinsam leckere Obststückchen.
Brot ist ebenfalls ideal geeignte Anfängerkost. Auch weil es die Kaumuskeln trainiert, was unbedingt erwünscht ist. Ca 1/2 Scheibe, nach Bedarf auch mehr, plus Butter/Margarine, nach Gefallen auch mit mehr Brotbelag plus ggf Obst und Milch sind zum Frühstück ideal.
Gewöhne dein Baby an ein Frühstück, am Tisch sitzend.
Zelebriert eure Mahlzeiten gemeinsam am Esstisch sitzend. Biete Farben, Formen, Muster, Düfte, Aromen, Geschmacks, Spaß!

Essen lernen ist ein stetiger Prozess, der wie das Laufen lernen und das Sprechen ganz viel Übung bedarf. Die motorischen Fähigkeiten müssen verfeinert werden: selbständiges essen fördert das Zusammenspiel der Muskeln und trainiert die Kraft - auch in der Kaumuskulatur.
Es geht neben dem Nährwert der festen Nahrung jetzt um das spielerische Entdecken der verschiedenen sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln - wie fühlt es sich an, wie schmeckt/reicht es, wie hört es sich an und wie sieht es aus. Erlebe gemeinsam mit deinem Kind die bunte Welt der Nahrungsmittel und lass ihn vielgestaltig neuen Geschmack erleben.
Dein Baby ist jetzt gerade 11 Monate alt und damit auf dem direkten Weg ein richtiges Kleinkind zu werden. Selbständig essen lernen gehört dazu.Gib ihm immer wieder die Gelegenheit dazu: durch vielgestaltiges Erleben und Erfahren der Nahrung und dem Essen bei Tisch, in Gemeinschaft.
Also dann
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 20.02.2019

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