Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Kann man einem 8 Monate alten Säugling einen Frischkorngetreidebrei geben?

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Guten Tag!
Mein Sohn ist 8 Monate alt und isst 3 Breimahlzeiten mit großer Freude. Bisher habe ich Getreideflocken (Vollkorn) für Babynahrung mit Wasser bzw. Pre-HA-Nahrung zubereitet. Ich habe mir jetzt allerdings eine Kornmühle zugelegt, da ich den Verpackungsmüll bei den Breimengen vermeiden möchte. Ich habe jetzt eine 6-Kornmischung sehr fein gemahlen, wobei es nicht ganz an den Mahlgrad der Fertigbreie heranreicht. Diesen habe ich kurz mit heißem Wasser quellen lassen, aber ohne ihn noch weiter zu kochen. Nun habe ich gelesen, dass man Frischkornbreie ohne längeres Kochen (20-30 Minuten) nicht an Säuglinge verfüttern soll. Es leuchtet mir nicht ein, da ja auch die Fertigbreie aus gemahlenem ganzem Korn bestehen, eventuell etwas feiner, aber ja nicht gekocht. Wie schätzen Sie das ein? Ich habe es ihm jetzt schon zu 3 Mahlzeiten gegeben, Bauchschmerzen hatte er meines Erachtens nicht davon.
Und eine weitere Frage: Bei den Fertigbreien ist ja Vitamin B1 zugesetzt. Ist das in ausreichender Menge in Getreide vorhanden, wenn man es frisch mahlt oder kann es zu einem Mangel führen, wenn man auf Fertigbreie mit Thiamin-Zusatz ganz verzichtet?
Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank,
Annika

von Annika1234 am 27.02.2019, 21:09 Uhr

 

Antwort auf:

Kann man einem 8 Monate alten Säugling einen Frischkorngetreidebrei geben?

Hallo Annika1234
die kurze und schnelle Antwort auf deine Frage ist: nein, kein Frischkornbrei und auch kein Brei aus gekochtem (und zuvor frisch gemahlenem) Vollkornmehl für' s Baby.*

Im Folgenden erkläre ich dir in Ansätzen warum nicht.
Babys haben ein noch sehr empfindliches Verdauungssystem. Babys sollten als tägliche Basiskost, vor allem um Verdauungsirritationen zu vermeiden, eine leicht verdauliche und gut bekömmlche Kost bekommen. Rohes Getreide erfüllt diese Kriterien nicht. Rohgetreide erfordert eine große Anpassungsleistung seitens des Organismus. Diese Anpassungsleistung geschieht bei den üblichen Baby-Instantflocken bspw durch die Verarbeitung:
Das Getreide wird gereinigt, wasserdampfbehandelt (lange) und schonend getrocknet (gedarrt), wodurch die Stärke teilweise bzw fast ganz aufgeschlossen wird (= Vorverdauung). Quasi so: Das Mehl wird mit Wasser aufgekocht. Der Brei anschließend über Walzen getrocknet. Manchen Flocken fehlt dadurch zwar leider das typische Aroma, die Stärke hingegen wird komplett aufgeschlossen und darum gut bekömmlich und nahrhaft, weil es leicht verdaut werden kann. Beim Frischkornbrei würden zu viele unverdaute Zucker (Kohlenhydrate) und andere Bestandteile in den Dickdarm geraten und schließlich (meist) zu Unwohlsein, ggf Durchfall führen. Dies ist nur ein Aspekt unter mehreren anderen, wie z.B. auch die Hygiene. Du verwendest heißes Wasser zum Quellen, das ist auf jeden Fall schon einmal gut. Koche den Getreideschrot trotzdem am besten richtig in Wasser auf und lass es quellen. Das zerstört die sog, Antinutrutiva (z.B. Phytinsäure), welche sonst bestimmte Nährstoffe binden, die dem Körper sonst nicht zur Verfügung stehen.
Alternativ könntest du handelsübliche Haferflocken für den GOB oder den Milchbrei verwenden und diese vorher evtl mit einem entsprechenden Zerkleinerungsgerät fein mahlen, anschließend aufkochen.
Ich empfehle dir diese Rezepte für dein Baby:
Milchbrei: 200 ml Kuhmilch mit 20g (zerkleinerten) Haferflocken (oder Grieß) ca 3 min köcheln, zumindest aufkochen und kurz quellen lassen. 20g Obstmus zugeben. Fertig.
GOB: 20g Getreideflocken oder Grieß in 100g Wasser (evtl mehr) aufkochen, quellen lassen. 1oog Obstmus und 5g (1 TL) Öl zufügen.
Beides gäbe es ebenfalls "unverpackt" zu kaufen und auch sie gelten aufgrund ihrer Verarbeitungsschritte und Sortenauswahl (Eiweißgehalt, Gluten etc) als besser für Babys geeignet. Und auch generell sind sie besser zum Kochen geeignet, wohingegen ganze Getreidekörner (gequollen, gemahlen) sich besser zum Backen eignen.
Grüße
Birgit Neumann

von Birgit Neumann am 28.02.2019

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