Birgit Neumann

Birgit Neumann

Dipl. Ökotrophologin

Birgit Neumann studierte Ökotrophologie mit dem Schwerpunkt Ausbildung und Beratung und schloss ihr Studium mit dem Titel Diplom Ökotrophologin (Dipl.oec.troph.) ab. Seit dem Studium ist sie als Ernährungs­beraterin und Kursleiterin tätig. Mit regelmäßigen Fortbildungen hält sie ihr Wissen zur Baby- und Kinder­ernährung auf dem aktuellen Stand.

Birgit Neumann

Breifreie Frühstücksideen mit 7,5 Monaten

Antwort von Birgit Neumann

Frage:

Liebe Birgit,

ich hatte dir vor einiger Zeit Fragen zum Essen für unseren kleinen Kartoffel-Verweigerer (bzw. Gegner von zu flüssigem Brei) geschrieben. Deine Tipp mit der zerdrückten Kartoffel statt sie zu pürieren hat wunderbar funktioniert, außerdem war das Rezept mit Fleisch, Süßkartoffel und Birne ein Bombenerfolg. Gibt's bei uns inzwischen auch für Mama und Papa, nach Entnahme der Portion für Junior kommen noch orientalische Gewürze rein und es gibt Reis oder Couscous dazu :-)

Heute habe ich eine Frage zum Frühstück. Sohnemann bekommt mittlerweile 3 Mahlzeiten (Frühstück, Mittag, Abendessen), machmal zwischendurch einen kleinen Snack wie Reiswaffeln (z.B. wenn wir neben ihm mal ein Stück Kuchen zum Kaffee essen). Das Mittagessen ist in aller Regel ganz normaler GK(F)-Brei, seit ein paar Wochen gibt's auch öfter mal Gläschen statt selbstgekocht, weil Junior die stückigere Konsistenz der Nahrung ab dem 8. Monat gut akzeptiert :-) Mehrmals die Woche gibt es auch Obstmus zum Nachtisch, was er trotz der flüssigen Konsistenz begeistert isst. Abends gibt es meist Getreidemilchbrei oder Baby-Porridge mit oder ohne Obst, in der Regel selbst angerührt damit die Konsistenz fester ist, manchmal auch aus dem Gläschen wenn das Abkühlen zu lange dauern würde oder wir unterwegs sind. Snacks wie Reiswaffel oder ein Stückchen Brot liebt er, er hat 2 Zähne (Nummer 3 und 4 sind am Durchbruch) und benutzt diese sehr gerne.

Statt dem Getreide-Obst-Brei zum Nachmittag hat sich bei uns langsam seit Beginn der Beikost ein breifreies Frühstück eingeschlichen, da der Kleine mich kaum frühstücken lassen hat, wenn er nicht etwas abbekommen hat. Also gab's anfangs mal ein kleines Stückchen weiche Banane, mal ein bisschen Avocado oder weiche Birne, was eben gerade bei uns auf Brot oder ins Müsli kam. Das hat sich mit der Zeit zu einem vollen Frühstück gesteigert und er isst inzwischen z.B. gut eine halbe Banane + ein paar kleine Stücke Avocado oder zwei, drei Reiswaffeln. Manchmal gibt es auch Porridge oder so ein Gläschen ab dm 8. Monat mit Müsli (die von Hipp mit Obst und Joghurt liebt er). Er isst sehr gerne selber, allerdings sind Lebensmitel wie Banane oder Avocado oder Birne da leider etwas fies - die kleben gerne mal an Teller bzw. Hochstuhltischchen fest bzw. flutschen ihm aus den Händen. Pinzettengriff kann er leider trotz Üben noch nicht, er greift meist mit der ganzen Hand. Und ist dann schnell frustriert, wenn das Essen ihm wiederholt wieder aus der Hand flutscht (und irgendwann zu zermatscht ist, als dass er es wieder aufnehmen könnte). Deshalb bekommt er einen Teil des Frühstücks immer noch von mir mit der Hand gefüttert, was für ihn auch okay zu sein scheint. Aber ich würde ihm einfach gerne mehr anbieten, was er selber essen kann.

Ich hab oben ja schon angedeutet, dass er ab und an ein Stückchen Brot als Snack bekommt. Da ich ehrlich gesagt ungern salzloses Brot kaufen mag (das schmeckt mir und meinem Mann einfach gar nicht) und gerade keine Möglichkeit zum extra Brot für's Baby backen oder kaufen und dann Einfrieren habe (das Gefrierfach ist schon voll mit Obst- und Gemüsebrei), habe ich bisher ein schlechtes Gewissen, wenn ich ihm etwas mehr als nur ein Stückchen von unserem normalen Brot gebe. Oder waren ein paar Stückchen zum Frühstück in seinem Alter doch schon okay? Und hättest du ansonsten ein paar Ideen für mich, was ich ihm generell abseits von Sachen wie Birne, Banane und Avocado zum selber essen geben kann? Idealerweise natürlich ohne zuuuu viel zeitlichen Vorlauf am Morgen. Darf gerne auch prinzipiell etwas sein, was man einfrieren und für den Kleinen auftauen oder aufbacken kann, es sollte nur nicht ein so großer Klotz sein wie ein Brot :-)

Generell habe ich dann noch eine Frage: wie vorsichtig muss ich denn bzgl. der Nahrungsmittel in seinem Alter, vor allem Salz und Ei, noch sein? Er ist einfach so neugierig auf unser Essen. Und ich hab zwar immer wieder ein schlechtes Gewissen dabei, aber er bekommt von mir in den letzten Wochen schon öfter mal etwas zum Probiere, wenn etwas einigermaßen geeignetes dabei ist. So Sachen wie ein kleines Stück (hartgekochtes) Eigelb von meinem Frühstücksei, eine kleine Portion Frischkäse, das erwähnte Brot, ab und an ein Stückchen Brezel (bei unserem Bäcker kriegen Kinder öfters Stücke von beim Backen zerbrochenen Brezeln ohne Salz drauf geschenkt und die lutscht der Kleine natürlich mit Begeisterung), ein paar Spätzle von unserem Mittagessen (natürlich mit Ei im Teig und in Salzwasser gekocht),... Unterwegs waren es auch schon mal ein Stück Rand von meiner Pizza (ohne Käse, nur mit einem kleinen bisschen Tomatensoße drauf ohne sichtbare Kräuter drin), den er mit Begeisterung 20 Minuten lang bearbeitet hat, wodurch ich im Restaurant entspannt essen konnte. Oder ein kleines Stück von meinem Blueberry Pancakes, als ich beim Brunch war. Oder als ich mir unterwegs schnell was zu Mittag geholt habe ein dickes Stück Pommes, das ich so gut es eben ging von Salz befreit habe. Er nuckelt seelig an den Sachen und hatte bisher noch von nichts irgendwelche Verdauungsprobleme, auch Obst wie Himbeeren oder Erdbeeren verträgt er problemlos - dass man die erst ab dem 10. Monat geben soll, hatte ich gar nicht auf dem Schirm, da es ja jede Menge Gläschen damit gibt. Bei Zucker habe ich inzwischen den Standpunkt, er darf Sachen probieren, solange sie nicht zu süß schmecken (z.B. Zitroneneis aus der Eisdiele, das nur aus Wasser, Zitrone und Zucker besteht oder ein kleines Stückchen vom inneren eines Hefezopfs), denn wichtig ist ja vor allem, ihn nicht zu stark an Süßes zu gewöhnen? Oder täusche ich mich da und es geht auch darum, dass in seiner täglichen Portion Obst ja schon genug Fruchtzucker steckt und alles drüber hinaus ist dann ungesund?

Liebe Grüße und danke für deine tolle Arbeit hier :-)

von AnniLi42 am 21.07.2022, 11:49 Uhr

 

Antwort:

Teil 1 Banane und Co

Hallo AnniLi42
ja, wunderbar, dass euer Sohn so gerne seine Beikost isst. Um sehr weiche Stücke besser greifen zu können, könntest du ein Wellenschnittmesser verwenden. Es erzeugt keine glatte Schnittstelle und das erleichtert das Greifen von Festhalten.
Bei der Banane kannst du es auch mal versuchen, dass du eine große Banane halbierst , eine kleine Banane etwa um ein Viertel verkleinerst. Dann kannst du vorsichtig die Schale ringsum soweit entfernen*, dass dein Baby die ganze Banane noch am ungeschälten Stück greifen und das sichtbare und schalenfreie Fruchtfleisch benagen kann. Dort wo die Banane noch Schale hat, dort kann sie dein Baby gut festhalten. Bei Bio-Bananen (unbehandelte Schale) ist es auch okay, wenn er die Schale aus Neugier ebenfalls etwas annagen würde. Probier das einfach mal aus und schau, wie er damit zurecht kommt. In ein paar Wochen spätestens, wird er das Essen einer Banane am Stück ganz toll finden und gut essen können.
* also nicht die Schalenstücke runterhängen lassen, sondern rundherum mit dem Messer wegschneiden.
Grüße
Birgit N.

von Birgit Neumann am 22.07.2022

Antwort:

Teil 2 Breifreie Frühstücksideen mit 7,5 Monaten

Hallo AnniLi42
"Babygeeignete Familienkost" bedeutet in erster Linie:
Sicherheit = verantwortungsbewusste Speisenauswahl. Vielfalt, Gemeinsamkeit, Geschmack, Gefühl, Erlebnis. u.v.m.
Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du deinen Sohn solch leckere Speisen von dir probieren lässt. Im Gegenteil ist das doch sogar ganz richtig. Auch das Salz im Brot ist im Rahmen eures Familientischs schon in Ordnung. Es geht beim Probieren direkt von euren Speisen um den Eindruck, den dein Baby dabei erhält. Das ist absolut erwünscht und lehrreich für dein Baby. Es ist ein Entdecken und Kennenlernen der Mitwelt und Umwelt mit allen Sinnen. Du kannst dieses Probieren und "Mitessen" als eine Lernerfahrung bewerten. Dein Baby isst sich mit diesen Probierangeboten nicht satt. Satt wird dein Kind im Wesentlichen mit vollwertigen und einfachen Speisen und Milch. Ein Happen Familienkost hier und ein Happen Familienkost da - so funktioniert das Gewöhnen an den Familienesstisch langfristig sehr gut.
Das, was du explizit für dein Baby kochst und richtest, das sollte möglichst salzarm/salzfrei sein. Denn davon isst dein Kind schließlich noch viel und regelmäßig. Und hierbei ist es empfehlenswert, die Sache mit dem Salz im Auge zu behalten. Das sich etablierte Brothäppchen am Morgen ist okay.
Schau mal in dieses Posting rein:
https://www.rund-ums-baby.de/experten/kochen-fuer-kinder/Darf-er-das-essen-10-Monate_49423.htm
Es enthält eine Aufzählung von Speisen, die ihr im 1. Lj wirklich noch meiden solltet - aus Sicherheitsgründen.

Hier eine Idee für Getreideschnitten / Grießschnitten:
die kannst du kochen und im Kühlschrank für ca 3 Tage aufbewahren:
Grießschnitten - ein Kompromiss zwischen Brei und Brot = weiches Fingerfood zum selbständigen essen
200ml Wasser oder Pflanzendrink (ggf Kuhmilch)
35-40g (+/-) g Grieß
1 EL Öl oder Butter unterrühren
Grieß in der Milch gut aufkochen, rühren, rühren, rühren :-)
Die Masse auf einen Teller streichen, stehen lassen, d.h. den Grieß kurz quellen lassen. Danach kannst du den sehr festen Brei in Stücke schneiden. Dazu etwas flüssige Butter oder Öl und Obst(mus).
Du kannst Weichweizengrieß, Dinkelgrieß oder Vollkorngrieß verwenden.

Bspp für Obstsnacks, nachmittags
fein geriebener oder gekochter Apfel.
Banane in Scheiben oder am Stück, auch zerdrückt wunderbar geeignet. Birne, wenn weich ist ideales Fingerfood.
Pfirsich und Nektarinen ohne Haut sind super geeignet
Trauben geviertelt und ohne Kerne sind möglich.
Melone ggf auch Papaya oder (Bio-)Mango, sowie zerdrückte Heidelbeeren, Avocado oder Kiwi ist möglich.
Erdbeeren oder andere Beerenfrüchte...die Kernchen von Him- bzw Brombeeren evtl vorher entfernen - einfach durch ein Sieb streichen

Hafer-Bananen-Gebäck:
1 große, reife, gelbe Banane (oder Apfelmus)
ca 100-120g feine Haferflocken
viel weniger als 1 Msp Bourbonvanille
zerkleiner die Haferflocken in einem Blitzhacker zu "Mehl". Zermuse oder püriere die Banane, vermische sie mit der Vanille.
Gib das Hafermehl dazu und bereite aus allen Zutaten einen Brei
Heize den Ofen auf 175° hoch und bereite ein Backblech mit Backpapier vor. Mit Hilfe von 2 TL und deinen Händen kannst du jetzt aus dem Teig kleine Kekse formen, etwas flach drücken und ca 10-12, ggf länger, im Ofen backen. Anschliessend auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.
Diese Kekse sind bei vielen Müttern beliebt. Ggf musst du etwas experimentieren, bis du nach dem Backen die richtige Konsistenz erhältst.

Couscous kochen und quellen lassen. mit Butter mischen und zu kleinen Bällchen formen.

Ofenpommes aus Süßkartoffeln:
Süßkartoffel schälen, waschen, trockentupfen, in Pommesstücke schneiden, in Öl wenden.
Auf 1 mittelgroße Süßkartoffeln benötigst du etwa 1/2 EL Öl.
Geölte Stäbchen auf ein Backblech mit Backpapier legen und im Ofen (200°) ca 15-20 min backen. Immer mal nachschauen und ggf wenden, dass sie nicht verbrennen. Garzeit ist abhängig vom Durchmesser

weitere Zubereitungstipps für babygerechte Kost, Gemüsesticks:
Schneide aus rohen Gemüsesorten (bspw Möhre, Pastinake, Kohlrabi, Zucchini, Kürbis, Süßkartoffel, Kartoffeln) oder Obstsorten wie Apfel, Birne fingerdicke ca 8-10cm lange Stücke. Gare sie (dampfgaren oder in wenig Wasser dünsten) ohne Zusätze in einem Topf mit etwas Wasser einfach sehr weich.
Fertig ist das Fingerfood.
Für einen besonders guten Grip kann man ein Wellenschnittmesser verwenden - kleiner Tipp für den Fall, dass du eines hast.
Auch geeignet sind Brokkoliröschen, Blumenkohlröschen nach dem gleichen Prinzip: einfach weich garen.

Brötchen für vielleicht mal am Wochenende:
Mini-Brötchen
250g Mehl (Type 405)
125 ml Milch
1 TL Zucker
Salz (eben wenig)
1/4 Würfel frische Hefe oder 1/2 P Trockenhefe
aus den Zutaten einen Hefeteig kneten. Teig abdecken und ca 1h gehen lassen. Teig nochmals kneten und ca 8-10 Teigkugeln formen. Auf ein Backblech (Backpapier) setzen und abdecken. Nochmals kurz aufgehen lassen. Die Oberflächen mit Wasser bespinseln oder besprühen. Den Ofen auf 200° hochheizen und die Brötchen ca 15 -20 min backen, bis fertig.
Also dann
Hast du noch Fragen?
Lies dich auch mal durch die Lektüre/Bücher oder Texte im www, evtl auch hier im Forum, zum Thema BLW und breifreie Beikost.
Viel Spaß
Grüße
Birgit N.

von Birgit Neumann am 22.07.2022

Antwort auf:

Breifreie Frühstücksideen mit 7,5 Monaten

Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort und die tollen Rezeptideen! Und auch danke, dass du mein Gewissen beruhigt hast. Irgendwie wird man für so viele Dinge in Zusammenhang mit der Ernährung von anderen Müttern schief angesehen, da kriegt man mit der Zeit den Eindruck, man würde alles falsch machen. Aber dann bin ich ja beruhigt, dass mein Gefühl, dass der Kleine mittlerweile immer häufiger probieren will und es bei mir dann darf, nicht ganz falsch sein kann :-)

von AnniLi42 am 26.07.2022

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