Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

PVL und erweiterte Ventrikel

Antwort von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch

Frage:

Hallo Hr. Prof. Jorch,

ich habe Ihnen am 13.01. schon einmal eine Frage unter dem Titel "Plexuszysten" im Zusammenhang mit ADHS gestellt, woraufhin sie mir erklärt haben, es wäre "ein Schluss über viele Ecken", auf den Verdacht zu kommen, mein Sohn könnte ein ADHS entwickeln. Auf Ihre Antwort habe ich auch nochmals am 20.01. geschrieben, aber ich bin mir nicht sicher, ob mein Beitrag untergegangen ist. (Ob Sie ihn vielleicht nochmal lesen?)

Jedenfalls hatten sie mit Ihrem "Schluss über viele Ecken" den richtigen Riecher, wenn ich das mal so nennen darf. Ich habe mir wegen der Sorgen, die ich diesbezüglich hatte, ähnliche Gedanken gemacht und an eine Hinrschädigung gedacht. Deshalb habe ich den KiA um eine Überweisung zur Verlaufskontrolle der Zysten gebeten.
Das Ergebnis: die Seitenventrikel und der III. Ventrikel sind erweitert: SV bis 8 mm und der III. bis 9,5 mm. Die extrazerebralen Liquorräume sind auch erweitert: IHW 5,9 mm, SCW 4,9 mm und CCW 5,9 mm. Das sind die Ergebnisse der letzten Sono im Mai 2010. Das Seitenventrikelvolumen hat sich bei den 3 sonographischen Kontrollen (März, April, Mai) kaum verändert; max. 1 mm gewachsen, die extrazerebralen Liquorräume auch nur ca. 1 mm. Zusätzlich besteht beidseitig eine PVL 1. Grades. Vielleicht war es die schlechte Sauerstoffversorgung wegen des großen PDA und des ANS IV, vielleicht aber auch die HF-Beatmung, vielleicht die vielen Medikamente (mehrmals Surfactant, Indometacin, Katecholamine) - das kann man wohl heute nicht mehr sagen.
Das Kopfwachstum verläuft bisher normal.

Ich habe mehrere Fragen und hoffe, Sie antworten mir nochmal. Ursprünglich empfahl der untersuchende Arzt ein MRT, auch deshalb, da die inzwischen kleiner gewordene Fontanelle die Untersuchung erschwerte (schon bei der ersten Sonographie). Intrakranieller Druck bestand nicht, soweit er das erkennen konnte (Dopplersono).
Bei der letzten Untersuchung war er aber der Ansicht, ein MRT wäre nicht nötig, und eine weitere Sonographie im Juni würde ausreichen, und dann könnte man die Untersuchungen abschließen. Ist so ein Befund wirklich nicht weiter kontrollbedürftig?

Und noch eine begriffliche Frage. In der Beurteilung steht: Ventrikulomegalie v.s. e vacuo beidseitig. In den vergangenen Wochen habe ich viel gelesen, kann mir aber immer noch nicht erklären, was der Unterschied zwischen einer Ventrikulomegalie und einem Hydrocephalus ist. Können Sie mir's erklären?

Und eine dritte Frage zu meinem Sohn. Er hat innerhalb der letzten 2 Wochen (er ist fast 11 Monate alt, korrigiert 8 Monate) ein paar grobmotorische Meilensteine mit einem Mal genommen: Krabbeln, selbständiges Sitzen, Aufstehen mit Festhalten. Auch geistig macht er einen fitten Eindruck.
Meine konkreten Fragen sind: Kann er Dinge, die er gelernt hat, wieder verlernen bei weiterem Ventrikelwachstum? Oder sind einmal erreichte Meilensteine nicht mehr "verlernbar"? Ich habe gelesen, dass PVL beiseitig insbesondere im Zusammenhang mit einem Wachstum der Ventrikel gefährlich ist.

Entschuldigung, dass es so viel geworden ist. Ich hätte noch viel mehr Fragen.

Viele Grüße
Annett

von Aniene am 02.06.2010, 10:08 Uhr

 

Antwort auf:

PVL und erweiterte Ventrikel

Ich hatte Ihr erneutes Posting vom 20.1. nicht als neue Frage verstanden und eshalb nicht noch einmal geantwortet.
Zu Ihren aktuellen Fragen:
1. Ein Schädel-MRT in guter Qualität erfordert gewöhnlich bis zum 8. Lebensjahr eine Narkose und sollte deshalb streng indiziert werden. Bereits aus dem Sonographiebefund geht aber hervor, dass sich aus einem MRT-Befund keine therapeutische Konsequenz ergeben wird.
2. Ventrikulomegalie und Hydrozephalus (internus) sind praktisch synonyme Begiffe. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Hydrozephalus e vacuo (d.h. durch Hirngewebsschrumpfung freiwerdener Raum wird durch Liquor ausgefüllt) und Druckhydrozephalus (d.h. durch Liquorüberproduktion, Liquorabflußstörung oder Liquorresorptionsstörung verdrängt der Liquorraum Hirngewebe). In Ihrem Falle geht es um das erstere.
3. Die Entwicklung Ihres Kindes scheint bislang regelrecht zu sein. Mit dem Auftreten eines Druckhydrozephalus müssen Sie bei einer PVL nicht rechnen, schon garnicht in diesem Alter.

von Prof. Dr. med. Gerhard Jorch am 03.06.2010

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