Frage im Expertenforum Frühgeburt an PD Dr. med. Axel Hübler:

Folgen Lungenreife

Frage: Folgen Lungenreife

CW_Rudi

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Hallo lieber Herr Hübler,  aufgrund von vorzeitigen Wehen, einem verkürzten Gebärmutterhals und erhöhten Entzündungswerten, habe ich in der 30+5 sowie +6 neben Tokolyse, Progesteron und Antibiose auch die Lungenreife bekommen. Glücklicherweise hat sich die Zervix nach einigen Tagen Schonung im Krankenhaus nun wieder verlängert und die regelmäßigen Wehen haben aufgehört. Ich bin nun in der 31+4 SSW und guter Hoffnung, dass es nicht zu einer Frühgeburt kommt.  Nun plagen mich die Schuldgefühle: hätte man auf die Lungenreife vielleicht doch besser verzichtet, weil sie in der Abwägung retrospektiv nicht nötig war? Ich weiß, dass mit den Steroiden auch Nebenwirkungen bzw. mögliche Langzeitfolgen (mentale Störungen, Verhaltensauffälligkeiten, ADHS, Autismus) einhergehen können. Die Langzeit-Studien hierzu laufen ja noch. Allerdings wird die Lungenreife ja nun schon seit sehr vielen Jahrzehnten bei Frühgeborenen gegeben - all diese Menschen sind ja nun nicht zwangsläufig Autisten (um es überspitzt auszudrücken). Nun also meine Frage an Sie als Experte / Neonatolge: Können Sie aus Ihrer Erfahrung eine Tendenz zu diesen Störungen bei Kindern mit verabreichter Lungenreife erkennen? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit (ungefähr/gefühlt) wenn die Lungenreife nur einmalig gegeben und nicht noch einmal wiederholt wurde?    Meine Angst: Als Eltern möchte man den Kindern den bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen und diese Entscheidung (auch wenn sie in dieser Situation sicher die richtige war) könnte retrospektiv eben einfach das Gegenteil bewirkt haben.    Vielen herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung und herzliche Grüße 


PD Dr. med. Axel Hübler

PD Dr. med. Axel Hübler

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Guten Tag, die Lungenreife bei drohender Frühgeburt ist eine seit Anfang der 1990er Jahre eine emfohlene Behandlung. Gesichertes Wissen ist, dass bei fehlender Lungenreifeinduktion und Frühgeburtlichkeit das sogenannte Atemnotsyndrom des Frühgeborenen schwerer ausgeprägt ist. Dies erhöht die Notwendigkeit einer invasiven Beatmung mit deren Folgekomplikationen wie einem Kollaps der Lungen (Pneumothorax), einer beatmungsassoziierten Infektion (Pneumonie) sowie chronischen Lungeschäden (bronchopulmonale Dysplasie). Die Lungenunreife selbst erschwert den normalen Gasaustausch, was zu einer geringeren Möglichkeit der Sauerstoffaufnahme und daraus resultierendem Sauerstoffmangel aller Organe, jedoch insbesondere des Gehirns mit drohender Hirnschädigung, führen kann. Demgebenüber steht das statistische Risiko, dass bei hohen Mengen an Glukokortikoiden, welche dem Kind nach der Geburt gegeben werden, die Hirnentwicklung nicht altersgerecht verläuft. Bei Gabe von Glukokortikoiden in der Schwangerschaft gibt es keine gute Datenlage.  In der Zusammenschau der Nutzen-Risiko-Abwägung haben Sie aus neonatologischer Sicht nach jetzigem Wissenstand und entsprechend der Empfehlungen Ihrer behandelnden Ärzte alles richtig gemacht, um ihrem Kind den bestmöglichen Start in`s Leben zu ermöglichen. Das Ihre Schwangerschaft nicht so zeitig endete wie befürchtet, ist sehr schön!  Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kind alles Gute!


Schaapie

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Hallo CW_Rudi, bei der Schwangerschaft mit meiner ältesten Tochter vor 35 Jahren hatte ich in der 19 SSW einen Blasensprung. Ab dann habe ich 7 Wochen im Krankenhaus gelegen und in der 25 SSW 2 Lungenreife Spritzen bekommen. Zum Glück war es ein hoher Blasensprung und die Fruchtblase hat sich wieder verschlossen. In der 40 SSW ist meine Tochter dann geboren. Sie ist absolut gesund und heute sogar Oberärztin. Die Lungenreifespritze hat keine Folgen gehabt.  Ich hoffe ich kann dich dadurch etwas beruhigen. Gerade warte ich auf mein erstes Enkelkind. Meine Tochter ist in der 25 SSW und hat eine Trichterbildung jedoch ohne Gebärmutterhalsverkürzung. Laut ihrer Aussage ist das nicht besorgniserregend. Ich mache mir trotzdem Sorgen. Ganz liebe Grüße und alles Gute für die Geburt und das Baby Schaapie  


CW_Rudi

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Oh wie lieb von dir, vielen Dank! Ich wünsche dir und deiner Familie (insbesondere deiner Tochter) viel Gesundheit und eine tolle Weihnachtszeit. Deine Sorgen kann ich gut verstehen - mir geht es sehr ähnlich aktuell. Aber jeder Tag ist ein Meilenstein und bringt Hoffnung.  alles Liebe!


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