jasmin75
Liebe Biggi, vor ca. 6 Wochen habe ich angefangen, meinem Sohn zusätzlich zum Stillen Fläschchen anzubieten, weil die Ärztin mir das empfahl, da er wochenlang nicht zugenommen hatte. Das bereue ich nun bitterlich, da er seit 4 Wochen gar nicht mehr an die Brust will, sondern nach dem Fläschchen verlangt. Ich habe die letzten 4 Wochen 3-4x am Tag abgepumpt und so 100-250 ml Muttermilch pro Tag gewonnen. Zum Schluss musste ich eine viertel Stunde pumpen, bis überhaupt noch was kam. Dazu kommt, dass mein Sohn seit 2 Wochen durchschläft und nun auch nachts nicht mehr an die Brust geht. Vorgestern habe ich dann schweren Herzens mit meinem Mann beschlossen, das Abpumpen zu stoppen, da unser Sohn langsam zu kurz kommt, weil ich soviel mit Pumpen und Sterilisieren beschäftigt bin, auch in Gedanken, wenn ich eigentlich für meine Sohn da sein sollte. Nun bin ich unendlich traurig. Ich wollte den Kleinen eigentlich bis 1,5 Jahre oder länger stillen. Was kann ich tun, um mit dem Kapitel Stillen abzuschließen? Ich kann nicht loslassen. Oder gibt es noch eine Möglichkeit, es wieder anzukurbeln? Mein Sohn war nie ein Stillfan. Wir hatten nie eine wirklich entspannte Stillbeziehung. Gibt es das, dass Kinder nicht so gerne an die Brust gehen? Liebe Grüße
Liebe jasmin75, Ihr Kind hat sich wahrscheinlich zur Flasche hin abgestillt und verweigert deshalb die Brust. Die Trinktechniken an Brust und Flasche (künstlichem Sauger) unterscheiden sich rundlegend. Manche Kinder kommen mit dem Wechsel zwischen den beiden Techniken nicht klar und versuchen dann mit der falschen Technik an der Brust zu trinken. Das funktioniert nicht, das Kindbekommt an der Brust keine oder nur wenig Milch, ist frustriert und lehnt die Brust dann im schlimmsten Fall sogar ab. In dieser Situation spricht man dann von einer Saugverwirrung. Nun kann ein verhängnisvoller Kreislauf beginnen: da das Kind mit der falschen Technik an der Brust trinkt, wird es an der Brust hektisch, saugt an, lässt wieder los, dreht den Kopf hin und her schluckt viel Luft (die wiederum führt möglicherweise zu Bauchproblemen) und da es die Brust nicht mehr richtig stimuliert kommt es zu einem Rückgang der Milchmenge und damit zu weiterem Zufüttern, wenn dieser Kreislauf nicht unterbrochen wird. Eine Saugverwirrung ist alles andere als lustig und Stillberaterinnen wissen aus Erfahrung nur zu gut, warum sie künstlichen Saugern wie Schnuller und Flasche kritisch gegenüberstehen, denn beide bescheren uns immer wieder eine Menge „Beschäftigung". Wenn eine Frau merkt, dass ihre Milchmenge nicht mehr für den Bedarf des Kindes ausreicht, dann ist die erste Maßnahme, das Kind häufiger anzulegen. So erhält die Brust das Signal „es wird mehr Milch gebraucht" und reagiert mit einer gesteigerten Milchbildung. Wird in dieser Situation zugefüttert geschieht genau das Gegenteil: der Brust wird ein noch geringerer Bedarf vorgegaukelt und die Milchbildung verringert sich, statt sich zu erhöhen. Man kann eine Faustregel aufstellen, dass ungefähr eine Woche pro Monat, der nicht mehr gestillt wurde, plus eine zusätzliche Woche gerechnet werden muss, um wieder eine ausreichende Milchmenge zu bilden. Allerdings gibt es keine Garantien. Das grundlegende Vorgehen bei einer Relaktation und auch der induzierten Laktation besteht darin, das Baby dazu zu bringen so oft wie möglich an der Brust zu saugen. Dadurch werden die Brüste (wieder) zur Milchbildung angeregt. Ein ähnlicher Effekt lässt sich auch mit einer guten Milchpumpe erreichen. Häufig ist auch zusätzliches Pumpen neben dem Anlegen des Kindes sinnvoll, um die Milchproduktion zu steigern. In manchen Fällen wird die Relaktation bzw. induzierte Laktation zusätzlich mit Medikamenten unterstützt. In den Ländern der dritten Welt, wird meist ohne Medikamente vorgegangen und die Ergebnisse sind dennoch fast immer besser als bei uns. Gut beschrieben wird der Vorgang der Relaktation in dem Buch `Stillen eines Adoptivkindes und RelaktationA von Elizabeth Hormann (ISBN 3 932022 02 5), das im Buchhandel oder bei La Leche Liga Deutschland und bei jeder LLL Stillberaterin erhältlich ist. Allerdings verlangt eine Relaktation sehr viel Durchhaltevermögen und möglichst die Unterstützung einer darin erfahrenen Stillberaterin. Eine wesentliche Rolle spielt auch das Kind, das die Brust (wieder) annehmen muss. Falls Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie doch komplett abstillen möchten, dann machen Sie sich selbst keine Vorwürfe und kein schlechtes Gewissen (und lassen Sie auch nicht zu, dass andere dies tun!!). Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung. Lassen Sie Ihre Gefühle der Trauer zu, aber bleiben Sie nicht dort stehen. Sie haben viele Möglichkeiten, Ihrem Kind Liebe, Nähe, Geborgenheit und Trost zu geben, auch wenn Sie nicht mehr stillen. Nicht nur stillende Mütter sind gute Mütter. LLLiebe Grüße, Biggi
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