Mitglied inaktiv
Liebe Frau Welter, ich bin im Moment in einem Zwiespalt und hoffe auf Hilfe ihrerseits. Ich bin nicht nur stille Leserin ihres Forums auch das von Dr. Posth. Ich habe beide seiner Bücher gelesen und halte sehr viel davon und kann vieles verstehen. Ich sagte mir anfangs auch, dass ich meinen Sohn, jetzt 15 Monate, nach einem Jahr abstillen werde, weil ich sonst Sorge habe wegen einer erschwerten Loslösung. Nun hat sich das so eingepegelt, dass ich ihn noch immer stille, es ist unser 3. und ich es unheimlich genieße. Andererseits ist da meine Sorge, dass sich unser Sohn schwer lösen wird von mir, weil wir z. B. keine Omas und Opas hier in der Nähe haben und wir alles selbst irgendwie organisieren und ich tatsächlich viel mit ihm alleine bin. Schon bei meinen älteren Kindern war das ein Problem. Allerdings stillte ich sie nur 1 Jahr. Schon jetzt merke ich, dass mein Sohn sehr an mir hängt. Schlafenlegen geht nur durch mich, auch beim Wickeln, Essen wird immer nur die Mama bevorzugt. Er ist sehr auf mich fixiert. Ich stille meinen Sohn beim Einschlafen und immer nach Bedarf und das ist auch sehr häufig. Wie sind Ihre Erfahrungen in Bezug auf Loslösung des gestillten Kleinkindes von der Mama? Was können Sie mir raten? Vielleicht eine Ersatzoma oder noch mehr den Papa einspannen? Ich bin deshalb am Überlegen abzustillen, damit mein Mann mehr Möglichkeiten hat und sich mein Sohn eher lösen kann, ihn z. B. auch zu Bett bringen? Ich hoffe, ich habe einigermaßen verständlich geschrieben!!! Herzlichen Dank! LG Magda23
Liebe Magda23, der Einstellung, dass das Langzeitstillen die Loslösung beeinträchtige oder ein Problem in Hinblick auf die Theorie des Übergangsobjektes darstellt, ist keineswegs Fakt. Dieser Vorstellung liegt eine Hypothese zugrunde, für die es keinen Beweis gibt. Die Überlegungen beruhen auf Beobachtungen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, die vor langer Zeit gemacht wurden. Dem Stillen oder gar dem längeren Stillen wurde dabei überhaupt keine Aufmerksamkeit entgegengebracht (wohl auch, weil kaum bzw. nicht lange gestillt wurde). Die Praxis zeigt jedenfalls, dass langzeitgestillte Kinder nicht unselbständiger sind als kurz oder gar nicht gestillte Kinder und auch keine vermehrten Probleme mit der Loslösung haben, im Gegenteil: Oft haben sie ein so starkes Vertrauen in sich und die Welt, dass sie recht forsch die Welt entdecken wollen. Außerdem spricht gegen diese Theorie, dass es dann weltweit gesehen sehr viele Kinder Probleme mit der Selbstregulation haben müssten, denn es gibt ja nun mal viele Kulturen, in denen das lange Stillen deutlich über das Babyalter hinaus üblich ist und es gibt Kulturen, in denen keine Übergangsobjekte bekannt sind. Das lange Stillen führt definitiv nicht zu einer verspäteten Loslösungsphase, aber Ihr Kind spürt jetzt Ihre Unsicherheit und das ist etwas, was Kinder extrem schlecht vertragen. Kinder brauchen Klarheit und Zweifel sowie Unsicherheit der Eltern verwirren sie und beeinflussen ihr Verhalten, so dass sie z.B. besonders klammern oder eben sehr lange und häufig an der Brust trinken. Das Problem ist nicht das Stillen – das in diesem Alter außerdem noch vollkommen normal ist, denn statistisch gesehen findet ein selbstbestimmtes Abstillen meist irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag statt – sondern der Druck, der von außen auf Ihnen lastet. Kennen Sie noch andere langzeitstillende Mütter im realen Leben? Ich denke, dass Ihnen der Austausch mit anderen Eltern von langzeitgestillten Kindern sehr gut tun würde. Wenden Sie sich doch einmal an eine Stillberaterin und fragen Sie, ob es eine Kleinkinderstillgruppe in Ihrer Nähe gibt. Ich suche Ihnen gerne die nächstgelegene LLL Stillberaterin heraus, wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben. Das Verhalten deines Kindes wird sicher von manchen Menschen als extrem anhänglich oder mutterfixiert bezeichnet, doch es ist ein vollkommen normales Verhalten für ein Baby. Es ist sogar wichtig, dass ein Kind zunächst eine feste und verlässliche Bindung zu einer Person aufbaut (und diese Person ist bei einem gestillten Kind naturgemäß fast immer die Mutter). Aufbauend auf dieser Erfahrung kann das Kind dann später seinen Horizont erweitern und Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Doch das „Fundament" der engen Beziehung zur ersten Bezugsperson sollte fest sein und so zum Fundament der Beziehungsfähigkeit und Bindungsfähigkeit überhaupt zu werden. Wie schnell oder langsam das Kind dann seine Fühler ausstreckt und Kontakt zu anderen aufnimmt und dort Bindungen knüpft ist ebenso wie das Laufenlernen oder Sprechen von Kind zu Kind verschieden. Jedes Kind hat da seinen eigenen Zeitplan. Sie würden niemals an einer Blume ziehen, damit sie schneller wächst, denn Sie wissen, dass sie dadurch verkümmern oder sogar sterben würde. Genau so wenig können wir an unseren Kinder „ziehen", um ihre Entwicklung zu beschleunigen. Keine Angst, Ihr Sohn wird weder ein Muttersöhnchen noch ein ewig unselbstständiger Mensch, sondern Sie legen jetzt den Grundstock für einen in sich ruhenden, selbstbewussten und selbstständigen Menschen. LLLiebe Grüße, Biggi
Mitglied inaktiv
Ach Biggi, Du schreibst immer so schön! Das tut mal wieder so richtig gut! Anouschka (Vollzeit- Arbeitsmami mit Stillbaby, das sich super lösen kann in der Kita, 16 Monate)
:-)
Mitglied inaktiv
Liebe Frau Welter, Ihre Zeilen haben mich sehr nachdenklich gestimmt und zeigt mir doch wieder, wie wichtig es ist, sich selbst und der Natur zu vertrauen. Ja, wenn man sich selbst nicht sicher genug fühlt, kommt man erst recht nicht sicher gegen die negativen Einflüsse von außen an und das Kind leidet dann darunter. Ich wünschte mir tatsächlich mehr Sicherheit und Vertrauen. Um so mehr bestärken mich Ihre Zeilen in meinem Tun, genau das, was ich im Moment brauche. Auch ich finde, dass sie wunderbare Worte gefunden haben und überhaupt ein großes Lob für die Arbeit und Zeit, die sie hier aufbringen und leisten. Herzlichen Dank! Liebe Grüße Magda23
Mitglied inaktiv
Liebe Frau Welter, ja, das interessiert mich mit der Stillberaterin bzw. dem Finden einer passenden Gruppe. Hier mein Ort: 61231 Bad Nauheim! Lieben Dank! Magda23
Liebe Magda23, danke für das Lob :-). Wenden Sie sich einmal an Frau Silke Markolf-Sommer, Tel.: 06031 – 680993, sie kann Ihnen dann auch sagen, ob es eine nähere Kollegin für Sie gibt. LLLiebe Grüße, Biggi
Mitglied inaktiv
Liebe Magda23, Du sprichst mir aus der Seele. Ich lese auch das Stillforum und je älter meine Kleine wird, umso mehr das Forum von Dr. Posth, was ich manchmal sehr gut, manchmal aber auch als Druck machend empfinde. Mit 2 Jahren aus dem Familienbett, Schlafstörungen, wenn Nachts noch gestillt wird. Loslösungsprobleme. Ich muss sagen, dass mir die Bindungstheorie und die Tiefenpsychologie von Berufs wegen vertraut sind, aber als Mutter ist man doch irgendwie ein anderes Wesen. Ich bin derzeit auch verunsichert wegen der mancher Aussagen Dr. Posths und frage mich schon, ob ich Nachts bald abstillen "muss" (obwohl es mich eigentlich gar nicht stört, dass sie noch oft trinkt). Ich habe mich gefragt, ob Kinder irgendwann von selber durchschlafen - auch gestillte. Heute war ich in der Stillgruppe hier und dort haben mir die erfahrenen Mütter gesagt, dass Kinder irgendwann schlafen wie Steine... Ich freue mich schon drauf, aber es dauert wohl mehr Jahre als Monate, bis es so weit ist. Ich freue mich aber wohl am meisten, wenn ich ehrlich bin wegen der "anderen" ("Schläft es schon durch?" "Was gibst du ihr denn Abends?" "Aber irgendwann musst du auch mal wieder für dich sorgen und dem Kind sagen, dass es genug ist." "Was? Es schläft bei euch im Bett, na dann ist ja alles klar..."). Damit ich dieses bei den Eltern Schuld abladende Gelaber nicht mehr ertragen muss und mich nicht ständig davon verunsichern lassen muss. Na ja, der Hebel liegt wohl bei mir - mich mit meinem eigenen Gefühl gut und sicher fühlen! Was wissen schon die anderen von meinem Kind? Gott sei Dank unterstützt mich mein Mann in "unserer" Sichtweise! Und ich finde es so SCHÖN, dass die Kleine bei uns im Bett schläft und möchte sie dort derzeit nicht missen! Herzliche Grüße, LinasMamma
Mitglied inaktiv
Liebe Biggi, habe vielen Dank, ich werde direkt morgen dort anrufen. Liebe Grüße Magda23
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Liebe LinasMamma, deine Worte haben mir wirklich gut getan und ich fühle mich sehr verbunden mit dir. Genau so ergeht es mir, wie du es nochmals mit deinen eigenen Worten beschrieben hast, ich kann es nur unterstreichen. Und ich werde mich jetzt auch auf die Suche nach einer Stillgruppe bemühen, um mich zu stärken, obwohl ich wie du einen wundervollen Mann habe, der ebenso hinter mir steht und es auch genießen kann, wenn er mich und unseren Sohn so innig zusammen sieht. Es ist einfach so, dass es für dieses innige Zusammensein zwischen Mutter und Kind einfach keine Worte gibt, die dieses Glück beschreiben kann, oder? Ich danke dir nochmals für deine lieben Worte, die mir auch mehr Mut zu meinem Gefühl zu stehen, geben. Alles Liebe für Euch weiterhin und eine weiterhin so liebevolle und innige Beziehung Herzlichst Magda23
Mitglied inaktiv
Liebe Magda23, freu mich, dass Dir meine Worte gut getan haben - dito! Liebe Grüße! LinasMamma
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