Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

stillen und Bindung

Frage: stillen und Bindung

sternßßß

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Hallo, ich stille meine einjährige Tochter vor dem Mittagsschlaf und Abendschlaf und nachts bis in die Früh. Nun habe ich schon von einigen "Bekannten" gesagt bekommen, das sie schon sehr an mir hängt, und ich sie doch mal nicht mehr stillen soll. Was für mich nicht in Frage kommt. Was mir allerdings zu denken gibt ist: Sie hängt stark an mir und meinem Mann. Die Bindung ist , denke ich, sehr gut. Zu gut? Ich kann woanderst nicht auf die Toilette gehen, ohne das sie mitkommt. Lass ich sie zurück und sie bemerkt es, dann weint sie sofort. Nehme ich sie dann ist sie ziemlich empört. Das höre ich am Weinen. Sie geht in die Krabbelgruppe mit mir und findet das gut, solange kein anderes Kind sie berührt oder sie beim Spielen stört. Nimmt ihr jemand ihr Spielzeug weg, weint sie auch gleich holt sich es aber nicht zurück. Ist das Verhalten normal? Warum hat sie Berührungsängste mit anderen Kindern? Das stillen hat doch damit nix zu tun? Danke


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe sternßßß, das Verhalten deines Kindes wird sicher von manchen Menschen als extrem anhänglich oder mutterfixiert bezeichnet, doch es ist ein vollkommen normales Verhalten für ein Baby. Es ist sogar wichtig, dass ein Kind zunächst eine feste und verlässliche Bindung zu einer Person aufbaut (und diese Person ist bei einem gestillten Kind naturgemäß fast immer die Mutter). Aufbauend auf dieser Erfahrung kann das Kind dann später seinen Horizont erweitern und Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Doch das „Fundament" der engen Beziehung zur ersten Bezugsperson sollte fest sein und so zum Fundament der Beziehungsfähigkeit und Bindungsfähigkeit überhaupt zu werden. Wie schnell oder langsam das Kind dann seine Fühler ausstreckt und Kontakt zu anderen aufnimmt und dort Bindungen knüpft ist ebenso wie das Laufenlernen oder Sprechen von Kind zu Kind verschieden. Jedes Kind hat da seinen eigenen Zeitplan. Du würdest niemals an einer Blume ziehen, damit sie schneller wächst, denn Du weißt, dass sie dadurch verkümmern oder sogar sterben würde. Genau so wenig können wir an unseren Kinder „ziehen", um ihre Entwicklung zu beschleunigen. Keine Angst, dein Sohn wird weder ein Muttersöhnchen noch ein ewig unselbstständiger Mensch, sondern Du legst jetzt den Grundstock für einen in sich ruhenden, selbstbewussten und selbstständigen Menschen. Der Einstellung, dass das Langzeitstillen die Loslösung beeinträchtige oder ein Problem in Hinblick auf die Theorie des Übergangsobjektes darstellt, ist keineswegs bewiesen. Dieser Vorstellung liegt eine Hypothese zugrunde, für die es keinen Beweis gibt. Diese Überlegungen beruhen auf Beobachtungen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe die vor langer Zeit gemacht wurden. Dem Stillen oder gar dem längeren Stillen wurde dabei überhaupt keine Aufmerksamkeit entgegengebracht (wohl auch, weil kaum bzw. nicht lange gestillt wurde). Die Praxis zeigt jedenfalls, dass langzeitgestillte Kinder nicht unselbständiger sind als kurz oder gar nicht gestillte Kinder und auch keine vermehrten Probleme mit der Loslösung haben, im Gegenteil: Oft haben sie ein so starkes Vertrauen in sich und die Welt, dass sie recht forsch die Welt entdecken wollen. Außerdem spricht gegen diese Theorie, dass es dann weltweit gesehen sehr viele Kinder Probleme mit der Selbstregulation haben müssten, denn es gibt ja nun mal viele Kulturen, in denen das lange Stillen deutlich über das Babyalter hinaus üblich ist und es gibt Kulturen, in denen keine Übergangsobjekte bekannt sind. Das lange Stillen führt definitiv nicht zu einer verspäteten Loslösungsphase. LLLiebe Grüße, Biggi


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