LauraSP
Liebe biggi, meine Tochter ist 10 Monate und ich würde sie gerne langsam weniger stillen. Bisher trotz ordentlich beikost mehrmals am tag, zum einschlafen und in der nacht mehrmals. Der papa kann sie auch manchmal zum schlafen bringen und beruhigen, anderes mal überhaupt nicht ohne schreien. Sie geht selbstbewusst an die brust, zieht das hemd hoch. Sie steht fast nur noch beim trinken und turnt, fängt denk ich bald an zu laufen. 2 Zähne hat sie , oben kommt noch einer (hat auch schon paar mal in die brust gebissen). Bin mir unsicher ob das Zeitfenster für sie jetzt passend ist oder gerade jetzt da sie so autonom wird. Habe jedoch oft gelesen dass es nach einem Jahr schwieriger wird abzustillen , und auch für die auflösung der Symbiose nicht so förderlich lange zu stillen. Gleichzeitig rät who zu 2 Jahren, es gibt so viele unterschiedliche infos dass ich etwas verwirrt bin. Und macht es Sinn ihr dann alternativ eine Flasche mit folgemilch anzubieten, vorallem zum einschlafen? Lieben Dank!
Liebe LauraSP, der Einstellung, dass das Langzeitstillen die Loslösung beeinträchtige oder ein Problem in Hinblick auf die Theorie des Übergangsobjektes darstellt, ist keineswegs bewiesen. Dieser Vorstellung liegt eine Hypothese zugrunde, für die es keinen Beweis gibt. Diese Überlegungen beruhen auf Beobachtungen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe die vor langer Zeit gemacht wurden. Dem Stillen oder gar dem längeren Stillen wurde dabei überhaupt keine Aufmerksamkeit entgegengebracht (wohl auch, weil kaum bzw. nicht lange gestillt wurde). Die Praxis zeigt jedenfalls, dass langzeitgestillte Kinder nicht unselbständiger sind als kurz oder gar nicht gestillte Kinder und auch keine vermehrten Probleme mit der Loslösung haben, im Gegenteil: Oft haben sie ein so starkes Vertrauen in sich und die Welt, dass sie recht forsch die Welt entdecken wollen. Außerdem spricht gegen diese Theorie, dass es dann weltweit gesehen sehr viele Kinder Probleme mit der Selbstregulation haben müssten, denn es gibt ja nun mal viele Kulturen, in denen das lange Stillen deutlich über das Babyalter hinaus üblich ist und es gibt Kulturen, in denen keine Übergangsobjekte bekannt sind. Das lange Stillen führt definitiv nicht zu einer verspäteten Loslösungsphase. Ich persönlich würde zum Einschlafen keine Flasche mehr geben, da die Kariesgefahr höher ist als beim Stillen. Wenn Du möchtest, kannst Du später eine Tasse Milch anbieten, ab dem ersten Geburtstag kannst Du auch ganz normale Kuhmilch geben. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Dein Kind verhält sich gar nicht so "brustversessen" wie Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe Dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Wenn für Dich passt, dann schadest Du deinem Kind sicherlich nicht! Wie fühlst Du Dich denn? Was sagt Dein Herz? Ich freue mich auf Deine Antwort, bis dahin einen lieben Gruß Biggi
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