Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Nächtliches abstillen

Frage: Nächtliches abstillen

Stuckii

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Guten Morgen Frau Welter, meine 11 Monate alte Tochter verlangt nachts teilweise bis zu 7x die Brust um weiterzuschlafen so langsam komme ich an meine „Müdigkeitsgrenze“ und ich merke auch, dass meine Tochter morgens sehr quengelig und müde wirkt. Ich habe mir überlegt dass ich gerne nachts abstillen möchte und sie nur noch zum einschlafen am Abend und individuell über den Tag stillen möchte. Nachts würde ich dann Wasser oder Tee anbieten. Allerdings habe ich Angst etwas falsch zu machen, da es ja heißt dass Kinder bis zum 1. LJ ihren Hunger weitestgehend über die Milch stillen. Sie isst über den Tag so semi gut und ich stille über den Tag noch nach Bedarf so ca 3-4x. Ich achte aber darauf dass sie eine Gemüse Mahlzeit am Mittag und einen Milchbrei am Abend erhält. Spricht etwas gegen das abstillen nachts? Muss ich etwas beachten?


Biggi Welter

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Liebe Stuckii, viele Mütter erleben eine herbe Enttäuschung, nachdem sie ihr Baby abgestillt haben, in der Hoffnung, dass die Nächte besser werden. Die Kinder wachen trotzdem auf und müssen beruhigt werden, was Aufstehen bedeutet, Flasche herrichten und Herumtragen… Hast du es mal mit dem "Kinn-Trick" probiert? Der ist oft sehr hilfreich bei Babys, die die Brust fast ein wenig aus Gewohnheit im Mund haben wollen beim Schlafen. Dabei legst du, wenn du die Brust dem schlafenden Kind aus dem Mund gezogen hast, einen Finger längs unter die Unterlippe, so dass die Lippe beim "Suchen" einen gewissen Widerstand spürt. Dieser Widerstand wirkt beruhigend auf viele Kleinen, und sie schaffen es sich zu entspannen und eine tiefere Schlaf-Ebene zu erreichen... Das geht auch, wenn das Kind im Schlaf oder Halbschlaf wieder zu "suchen" beginnt: Man drückt ganz sanft sein Kinn nach oben. Bei vielen Babys wirkt das Wunder und sie schlafen plötzlich auch ohne Brust weiter/wieder ein. Manche Mütter berichten, dass es sogar geholfen hat, wenn sie ein kleines Kuscheltier ans Kinn des Kindes gelegt haben... Da ist es natürlich wichtig darauf zu achten, dass die Atemwege nicht blockiert werden :-). Dein Baby macht gerade viele Entwicklungsschritte durch und sucht an der Brust Geborgenheit und Nähe, um alles verarbeiten zu können. Ich kann Dich natürlich sehr gut verstehen und stimme Dir zu, dass das so nicht weitergehen sollte, denn auf Dauer lassen sich solche Nächte nicht stemmen. Das Verhalten Deines Kindes ist zwar nicht unnatürlich oder falsch (es IST eben so, dass es an Deiner Brust genau das findet, was es zum Weiterschlafen braucht), doch es belastet Dich und darum darfst Du was ändern. Kann Dein Partner Dich unterstützen und Euer Baby tragen und beruhigen? Manchmal hilft es wirklich, wenn das Baby eine andere Person um sich hat und weiß, dass es da nicht an die Brust kann. Könntest Du Dir tagsüber Hilfe suchen, damit Du Dich mal ausruhen und entspannen kannst? Bitte doch den Arzt wegen chronischer Erschöpfung um eine Haushaltshilfe, Deine Kasse übernimmt die Kosten, wenn er das attestiert. So könntest Du für eine Weile etwas zur Ruhe kommen. Dann kannst Du langsam versuchen, etwas mehr Ruhe in der Nacht zu bekommen, indem Du stillfreie Zeiten einführst. Das bedeutet, dass Du nicht jede Stunde stillst, sondern Dein Kind auf andere Weise beruhigst. Was allerdings noch mehr Unruhe in die Situation bringen wird, weil Dein Baby noch nicht die Reife hat, die es braucht, um länger schlafen zu können. Du könntest Dein Baby mit zu Dir ins Bett nehmen und es in Deinem Arm trösten, aber eben nicht stillen. Das wird einige stressige Nächte geben, aber Dein Baby wird es akzeptieren, dass Du nicht immer sofort die Brust auspackst, wenn es aufwacht. Wichtig ist, dass Du geduldig bleibst und Deinem Kind die Trauer zugestehst, denn es kann sich nur durch Weinen und Schreien ausdrücken. Dein Baby will Dich nicht ärgern oder provozieren, es kann sich noch nicht alleine regulieren und sucht bei Dir nach Ruhe. Sehr empfehlenswert ist von Sibylle Lüpold das Buch: "Ich will bei euch schlafen - Ruhige Nächte für Eltern und Kinder.“ Liebe Grüße Biggi


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