Juli4690
hallo, Mein Sohn ist mittlerweile 18. Monate und wird immer noch gestillt. Er schläft auch nur an der Brust ein. Nachts gebe ich ihn sobald er wach wir immer sofort die Brust und das schon IMMER obwohl er es vielleicht nicht immer verlangen würde. Da er bei uns im Bett schläft war es für mich immer der einfach weg. Nun mach ich mir Gedanken, ob ich ihm die Brust immer aufgezwungen habe? Hat er gelernt, egal welches Bedürfnis bedeutet Brust? Mit ist aufgefallen, das er in vielen Situationen die Brust verlangen (Angst, wenn er sich weh getan hat, Wut). Hat er das durch das aufzwängen gelernt? Mache mir solche Vorwürfe. Danke für Ihre Hilfe!
Liebe Juli4690, wie schön, dass ich Sie gleich beruhigen darf. Mit der Brust könne Sie Ihr Kind nicht zustöpseln. Kein Kind lässt sich an die Brust zwingen und wenn Ihr Kind nicht gestillt werden will, sondern ein anderes Bedürfnis hat, dann wird es dies unmissverständlich kundtun. Stillen ist eine aktive Sache von beiden Partnern und ohne dass das Kind mitmacht, geht es nicht. Ich bin sicher, dass manche Mutter gelegentlich versucht, das Kind mit der Brust zu beruhigen, einfach, weil es jetzt gerade praktisch und bequem wäre, aber das funktioniert in den allermeisten Fällen nicht solange das Kind nicht will, weil das Kind nicht gegen seinen Willen an die Brust gebracht werden kann. Die (weiche) Brust, kann nicht einfach in den Mund gesteckt werden wie zum Beispiel eine Flasche oder ein Schnuller (der ja sogar im Mund festgehalten werden kann). Der Einstellung, dass das Langzeitstillen die Loslösung beeinträchtige oder ein Problem in Hinblick auf die Theorie des Übergangsobjektes darstellt, ist keineswegs bewiesen. Dieser Vorstellung liegt eine Hypothese zugrunde, für die es keinen Beweis gibt. Diese Überlegungen beruhen auf Beobachtungen in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe die vor langer Zeit gemacht wurden. Dem Stillen oder gar dem längeren Stillen wurde dabei überhaupt keine Aufmerksamkeit entgegengebracht (wohl auch, weil kaum bzw. nicht lange gestillt wurde). Die Praxis zeigt jedenfalls, dass langzeitgestillte Kinder nicht unselbständiger sind als kurz oder gar nicht gestillte Kinder und auch keine vermehrten Probleme mit der Loslösung haben, im Gegenteil: Oft haben sie ein so starkes Vertrauen in sich und die Welt, dass sie recht forsch die Welt entdecken wollen. Außerdem spricht gegen diese Theorie, dass es dann weltweit gesehen sehr viele Kinder Probleme mit der Selbstregulation haben müssten, denn es gibt ja nun mal viele Kulturen, in denen das lange Stillen deutlich über das Babyalter hinaus üblich ist und es gibt Kulturen, in denen keine Übergangsobjekte bekannt sind. Das lange Stillen führt also auch definitiv nicht zu einer verspäteten Loslösungsphase. LLLiebe Grüße, Biggi Stillen ist viel mehr als nur eine Form der Ernährung: es ist Trost, gibt Nähe, Geborgenheit und Zuwendung. Deshalb ist das Stillen in keiner Hinsicht mit dem Flaschegeben zu vergleichen. Dennoch bedeutet es keineswegs, dass eine stillende Frau nur mit der Brust Zuwendung gibt. Wenn Ihr Baby also ein anderes Bedürfnis gehabt hätte, dann hätte es dies gezeigt! LLLiebe Grüße Biggi
Juli4690
Nachtrag: Habe ihn schon mal die Brust tagsüber aufgezwungen obwohl er es nicht wollte. Weil ich dachte er ist müde und sollte schlafen. War nicht oft. Ich bereue es zutiefst.......
Juli4690
hallo, Vielen Dank für die schnell und verständliche Antwort. Sie hat mich sehr aufgemuntert!!! Also habe ich meinen Sohn die Brust nie aufgezwängt, dann bin ich froh ;). Sie machen das wirklich klasse!! Wenn ich Ihre Beiträge lese, fühle ich mich im Langzeitstillen sicher. Hier in Deutschland hört man nur von allen Seiten (Ärzte, Umfeld, etc.) Langzeitstillen ist das schrecklichste was man tun kann. Traurig!!! Das kann manchmal schon ziemlich verunsichern. Die sind einfach klasse.
Liebe Juli4690, vielen Dank für die goldige Rückmeldung :-))) Danke, Biggi
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