Sophie2189
Hallo Biggi, mein Sohn ist fast 11 Monate alt (korrigiert fast 10) und ein kleiner Brocken. Er wiegt 12,5kg, ist aber auch lang. Er isst tagsüber 4 Mahlzeiten (Frühstück eher wenig, mittags und nachmittags ca 180g und abends verschlingt er seinen Milchbrei bis zu 200g). Er trinkt zu allen Mahlzeiten ein paar Schlucke Wasser. Mehr möchte er dann nicht. Tagsüber wird er meistens zweimal gestillt (nicht besonders lange) zum einschlafen. Nachts trinkt er noch recht häufig. 4 Mal bestimmt. Er trinkt da auch oft richtig und nuckelt nicht nur. Die Kinderärztin meinte jetzt, ich solle ihn nachts nicht mehr stillen, weil er die Kalorien nicht benötige. Ich frage mich, ob das so stimmt. Für Babys unter einem Jahr ist Milch doch noch wichtig? Und die WHO empfiehlt ja sogar stillen bis 24 Monate (neben Beikost dann). Andererseits frage ich mich natürlich auch, warum er so schwer ist. Er läuft und krabbelt nicht bislang, aber robbt viel herum und ist auch sonst sehr aktiv und bewegeungsfreudig. Sollte ich also das stillen nachts lassen? Und wie mache ich das am besten?
Liebe Sophie2189, Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe Dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Und gerade in der Nacht wird viel verarbeitet. Du kannst deinem Baby einfach noch etwas Zeit schenken, die Nächte werden von ganz alleine länger. Und ja, dein Baby hat vielleicht tatsächlich auch noch schlicht und ergreifend Hunger in der Nacht. Eine Studie von Jelliffe und Jelliffe ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten mindestens 25 % ihrer Muttermilchaufnahme nachts zu sich nehmen. Das spricht eindeutig dafür, dass Babys auch nach den ersten sechs Monaten nachts noch hungrig sind. Es tut mir leid, wenn du verunsichert bist, aber letztendlich ist es dadurch wie in anderen Dingen des Lebens auch, dass man sich mitunter aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Meinungen und Fakten ein eigenes Urteil bilden muss. ALLE Stillexperten sprechen sich für das Stillen nach Bedarf aus, ohne Mindestabstand und Kontrolle! Die Statur der Kinder ist genetisch festgelegt und bei einem Kind, das nach Bedarf gestillt wird, ist nicht zu befürchten, dass dadurch der Grundstein für ein späteres Problem mit Übergewicht gelegt wird. Im Gegenteil, Stillen schützt vor Übergewicht. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch ein gestilltes Baby zwischendurch wie ein kleiner Buddha aussehen kann. Im Gegensatz zur (industriell) stark weiterverarbeiteten Nahrung enthält Muttermilch keine leeren Kalorien. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ein gestilltes Kind, das rasch zunimmt, als Erwachsener Gewichtsprobleme haben wird. Im Gegenteil es gibt mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Stillen eindeutig vor Übergewicht schützt und dass dieser Schutz nicht nur im Kindesalter sondern auch beim Erwachsenen anhält. Das Fett, das sich in der relativ passiven Phase vor dem Krabbelalter möglicherweise ansammelt, stellt einen Vorrat für die sehr aktive Phase dar, in der das quirlige Krabbelkind keine Zeit zum Essen haben will. Im Alter von ein bis zwei Jahren werden die Kinder, die schnell zugenommen haben, gewöhnlich von alleine schlanker. Ich hoffe, ich konnte dich beruhigen?! Lieben Gruß Biggi
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