Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Meine Tochter-15 Monate-ist total "versessen" auf die Brust

Frage: Meine Tochter-15 Monate-ist total "versessen" auf die Brust

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Liebe Biggi, wollte eigentlich schon längst abgestillt haben aber irgendwie klappt das nicht so wie ich es mir vorstelle. Meine Tochter ist im Moment so fixiert auf die Brust, wenn ich sie lassen würde, würde sie stündlich trinken oder aber auch einfach nur mit ihr spielen!! Habe ich sie auf dem Schoß, dauert es keine 2 Sekunden bis sie versucht mein T-Shirt hochzuziehen. Wenn ich das nicht zulasse flippt sie völlig aus!! weint, kreischt, zieht mir schon mal an den Haaren etc. Wenn ich wirklich keine Lust auf diese Auseinandersetzung habe lasse ich sie auch schon mal "dran". Sie strahlt dann über das ganze Gesicht, quietscht, lacht richtig laut, drückt ihr Gesicht zwischen die Brüste und spielt auch mit den Brustwarzen. Warum bereitet ihr das soviel Freude? Du sagst immer, daß die Kinder sich selbst abstillen aber wann soll das sein wenn ein Kind so versessen auf die Brust ist? Ich habe das Gefühl es wird bei ihr von Tag zu Tag mehr. Meiner Meinung nach, sind es ihre beliebtesten "Spielzeuge"! Hört sich vielleicht ein wenig blöd an aber es kommt mir wirklich so vor. In der Nacht muß ich sie ja auch noch 2 oder 3x stillen, sonst wäre an Weiterschlafen einfach nicht mehr zu denken, dann allerdings beschränkt sie sich nur auf das Trinken. Ich liebe meine Tochter über alles aber ich habe einfach keine Lust mehr zu stillen - ich habe das Gefühl sie ist in der Hinsicht so abhängig von mir. Sie will auch abends wenn der Papa nach Hause kommt überhaupt nicht zu ihm. Sie hängt nur an mir. Manchmal fühle ich mich deshalb ziemlich eingeengt. Ich weiß aber nicht wie ich es schaffen kann sie endlich abzustillen. Vielleicht kannst Du mir einen Tip geben. Wann stillen sich denn Kinder in der Regel selbst ab? Liebe Grüße Sandra


Biggi Welter

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? Liebe Sandra, für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Tochter verhält sich gar nicht so „brustversessen" wir Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Deine Tochter ist auch nicht abhängiger von dir als ein nicht gestilltes Kind, denn die Abhängigkeit zur Mutter besteht immer, gleich ob gestillt oder nicht, nur zeigt sie sich bei einem nicht gestillten Kind nicht so eindeutig und offen. Auch gibt es bei nicht gestillten Kindern Phasen, in denen der Vater nur eine Nebenrolle spielt und die Mutter eindeutig bevorzugt wird. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich selbst abstillt, dann stillen sich die meisten Kinder irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. Ein Abstillen deutlich vor dem zweiten Geburtstag auf Initiative des Kindes hin ist eher unwahrscheinlich. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein 15 Monate altes Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deiner Tochter darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden, dass ihr wieder zu einer harmonischen Stillbeziehung finden werdet. Falls Du feststellst, dass das punktuelle Abstillen (also eine Art eingeschränktes Stillen) für dich immer noch nicht der Weg ist, den Du gehen willst, dann solltest Du dich in einem ruhigen Moment mit dir selbst auseinander setzen, was Du willst und dann entsprechend dieser Entscheidung und ohne Zweifel handeln. Wichtig ist dabei, das Du dir deiner Entscheidung ganz sicher bist, denn jedweden Zweifel wird dein Kind sofort spüren und entsprechend handeln. Ich möchte Dir nun noch ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest Du etwas, was Dir zusagt. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Du Deinem Kind die Brust nicht von Dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die Deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du Dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt Dich hinzulegen, wenn Du Dein Kind zum einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es Dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn Dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst Dein Kind eine kleine Weile anlegen und es dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Außerdem möchte ich dir das Buch „Wir stillen noch - über das Leben mit gestillten Kleinkindern" von Norma J. Bumgarner empfehlen. Dort findest Du viele Tipps für das Stillen von älteren Babys und Kleinkindern. Das Buch ist im Buchhandel, bei der La Leche Liga und bei jeder LLL-Stillberaterin (auch bei uns) erhältlich. LLLiebe Grüße Biggi


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