Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Kleinkind abstillen

Frage: Kleinkind abstillen

HDR93

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Meine Tochter ist jetzt 18 Monate, und wir stillen noch. Sie war schon immer ein Stillkind, wir haben es immer beide genossen. Dennoch komme ich an meine Grenzen, schlafen klappt meist nur noch mit der Brust im Mund, so komme ich zu sehr wenig Schlaf und mir tut alles weh. Der Papa bekommt sie zwar zum Schlafen aber wenn sie dann das erste Mal nach einer Stunde wach wird hilft nur die Brust. Ich weiß nicht wie ich am besten abstillen kann. Ich habe wirklich keine Kraft mehr, aber die Angst ist so groß das unsere Bindung dadurch kaputt geht oder ich ihr sehr damit weh tuhe. Da sie sich die Brust auch tagsüber sehr häufig anfordert und ich sie schwer mal abgelenkt bekomme. Wenn sie im Kindergarten ist oder bei oma und Opa ist immer alles gut..bis sie mich sieht dann möchte sie sofort meine Brust mit der einen trinken und die andere anfassen und streicheln.... Im Internet findet man leider nicht so viel zu dem Thema: Kleinkind abstillen. Liebe Grüße


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe HDR93, für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Deine Tochter verhält sich gar nicht so "brustversessen" wie Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hoch geschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe Dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Stillen ist aber auch eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste ist dann allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin `schwach" werden. Sicher ist ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deiner Tochter darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und mit liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden, dass ihr wieder zu einer harmonischen Stillbeziehung finden werdet. Vielleicht versuchst Du es damit, die Stillzeiten immer weiter zu verkürzen. Damit meine ich, Du stillst dein Kind eine bestimmte Zeit und dann nimmst Du es sanft von der Brust und streichelst es, kuschelst mit ihm, bietest ihm zusätzlich ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke an usw. Im Laufe der Zeit verkürzt Du die Zeit an der Brust immer mehr. Ich möchte Dir noch ein paar nicht so drastische Methoden ein Kind abzustillen beschreiben. Vielleicht findest Du etwas, was Dir zusagt. Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab“. Das bedeutet, dass Du deinem Kind die Brust nicht von dir aus anbietest, aber auch nicht ablehnst, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Du dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn Du zum Beispiel sitzen bleibst anstatt dich hinzulegen, wenn Du dein Kind zum Einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst Du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst deine Kleine eine kleine Weile anlegen und sie dann ablenken oder ihr etwas zu essen anbieten. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und Du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt mit dem Abstillen. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Deshalb halte ich auch nicht viel von der Lösung, dass die Mutter einige Tage alleine verreist. Diese plötzliche Trennung kann das Kind in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzen und vor allem: Was macht die Mutter, wenn das Kind nach der Rückkehr doch wieder an die Brust will? Probiere es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. LLLiebe Grüße Biggi Welter


zweizwerge

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"Dennoch komme ich an meine Grenzen, schlafen klappt meist nur noch mit der Brust im Mund, so komme ich zu sehr wenig Schlaf und mir tut alles weh." Das kann ich gut verstehen. Vielleicht solltest Du einfach das abschaffen, dass sie nur mit Brust im Mund schläft. Also sagen wir mal 10-5 min Stillen (solange du das gefühl hast, sie trinkt richtig) und dann Brust wegnehmen (vorher lösen, sonst au;-). Dann schreit dein Kind wahrscheinlich, so wie meins damals auch, als es mal einige Tage meinte, die Brust nachts nicht mehr loslassen zu wollen. Das habe ich eine Viertelstunde oder so begleitet (ohne Brust), dann neuer Versuch, wenn noch nicht eingeschlafen. Das war einen Abend anstrengend, dann ging das loslassen wieder. Ob nachts oder überhaupt ganz abstillen einfacher und besser ist, musst du entscheiden. Meine Kinder und ich sind auf jeden Fall sehr froh, dass wir lange gestillt haben - die Kinder erinnern sich daran, wie schön das war :-).


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