Mitglied inaktiv
Hallo, ich habe vor 10 Tagen entbunden und war wegen schlechter Erfahrungen (Milchfieber) und da ich ziemlich schlechter Esser und Trinker bin, nicht ganz sicher, ob ich stillen wollte. In einer schwachen Minute ließ ich mir im Krankenhaus Tabletten gegen den Milcheinschuss geben. Nun kommt aber doch was und nicht mal wenig. Da ich sowieso bereut hatte so einfach die Flinte ins Korn zu werfen, kommt mir das ganz gelegen. Nun meine eigentliche Frage: Kann ich den Milchfluss weiter anregen oder könnte es schädlich fürs Kind sein, was da jetzt nach Gabe der Tabletten raus kommt? Ein weiteres Problem ist, dass ich im Moment stark erkältet bin, mit Fieber und allem drumherum. Was soll ich tun? Besser Abpumpen oder das Kind an die Brust lassen? Danke für die Antwort. Leslie
Liebe Leslie, der Abstillprozess lässt sich wieder umkehren. Selbst nach völligem Abstillen kann wieder relaktiert werden. Unter Relaktation versteht man, dass eine frühere Laktation wieder in Gang gebracht wird, auf gut Deutsch, dass die Milchbildung wieder angekurbelt wird. Das grundlegende Vorgehen bei einer Relaktation besteht darin, das Baby dazu zu bringen so oft wie möglich an der Brust zu saugen. Dadurch werden die Brüste wieder zur Milchbildung angeregt. Ein ähnlicher Effekt lässt sich auch mit einer guten Milchpumpe erreichen. Häufig ist auch zusätzliches Pumpen neben dem Anlegen des Kindes sinnvoll, um die Milchproduktion zu steigern. Eine ausführliche Beschreibung, wie eine Frau nach einer Stillpause (oder wie in deinem Fall, nachdem die Milchproduktion sehr stark abgenommen hat) wieder zum Stillen gelangen kann, findest Du in dem Buch „Stillen eines Adoptivkindes und Relaktation“ von Elizabeth Hormann. Es kostet 19,80 + Porto und Versand und kann im Buchhandel oder bei jeder La Leche Liga Beraterin (oder hier im Still Shop) bezogen werden. Sie brauchen unbedingt direkte Unterstützung vor Ort, denn eine Relaktation lässt sich aus der Ferne nicht betreuen. Deshalb ist es am besten, wenn Sie eine Kollegin vor Ort anrufen, Wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben, suche ich Ihnen gerne die nächstgelegene LLL Stillberaterin heraus. Es gibt nur sehr wenige Erkrankungen der Mutter, die ein Abstillen oder eine Stillpause erforderlich machen und eine Erkältung, Halsschmerzen (auch Angina), ein grippaler Infekt oder eine Bronchitis gehören ganz sicher nicht dazu. Im Gegenteil: bei fast allen Krankheiten war das Kind den Erregern schon ausgesetzt ehe die Mutter überhaupt bemerkt, dass sie krank ist/wird. Auch wegen Ihrer Ernährung müssen Sie keine Angst haben. Ich zitiere jetzt aus dem „Handbuch für die Stillberatung" Mohrbacher, Stock, 1. Auflage 2000: „Untersuchungen in Entwicklungsländern und anderen Teilen der Welt zeigen, dass selbst leicht unternährte Mütter genügend Milch von guter Qualität für ihre Babys bilden. Erst wenn die Mutter vom Hungertod bedroht wird, beeinträchtigt die Ernährung der Mutter ihre Milchmenge oder die Zusammensetzung ihrer Milch (Perez Escamilla 1995; Prentice 1994). Selbst bei Nahrungsmangel kann die Milchbildung der Mutter nur leicht beeinträchtigt sein, wenn ihr Körper über genügend Reserven verfügt, die er für die Milchbildung einsetzen kann (Smith 1947). In einigen Entwicklungsländern, in denen die Lebensmittelversorgung eingeschränkt ist, konnte nicht festgestellt werden, dass die Babys der Frauen, die zusätzliche Nahrung erhielten, mehr an Gewicht zunahmen, als die Babys der Frauen, die keine zusätzliche Nahrung erhielten (Prentice 1983). Bei allgemein gut ernährten Müttern bleibt die Zusammensetzung der Milch meist gleich, selbst wenn sie sich nicht gut ernähren. Chronisch unterernährte Frauen, mit nur geringen Energiereserven und unzureichender Ernährung können Milch bilden, die einen geringeren Vitamingehalt aufweisen, einschließlich der Vitamine A, D, B6 und B12 (siehe auch im Abschnitt „Vegetarierinnen"). In diesen Fällen kehrt der Vitamingehalt ihrer Milch auf einen normalen Wert zurück, wenn die Ernährung der Mutter verbessert wird oder sie zusätzliche Vitamine erhält. Die Fettsäuren in der Muttermilch variieren in Abhängigkeit von der Ernährung der Mutter. So neigen zum Beispiel Mütter, die mehr ungesättigte Fette essen, dazu, Milch mit einem höheren Gehalt an ungesättigten Fetten zu bilden als Mütter, die mehr tierische Produkte essen (Sanders 1992). Dies scheint einer normalen Schwankungsbreite zu entsprechen." Riordan und Auerbach schreiben in „Human Lactation" 2nd edition 1999: „Ob sie (die Frau) auf den Berggipfeln im fernen Tibet, in einem staubigen mexikanischen Dorf oder in einem amerikanischen Vorort oder einer Stadtwohnung lebt, die stillende Frau bildet Milch, die erstaunlich homogen in der Zusammensetzung ist, trotz der ungeheuren Unterschiedlichkeit der konsumierten Nahrung. Nur die Milch einer Frau, die ernsthaft unterernährt ist wird eine messbare Verringerung im Nährstoffgehalt und der Menge aufweisen weil zunächst die körpereigenen Speicher geleert werden, ehe die Milch leidet" Ich gehe nun einmal davon aus, dass wir hier in Europa normalerweise nicht in die Situation kommen, dass eine Frau so extrem unterernährt ist, dass sie kurz vor dem Hungertod steht. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg! LLLiebe Grüße Biggi
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