SunnySophie89
Liebe Frau Walter, ich muss leider in der Mirtazapin einnehmen und bin jetzt 30. SSW. Ich nehme lediglich zwischen 3,75-5mg Mirtazapin ein zum Schlafen und ich nehme es immer nur 2-3 Tage und dann soll/muss ich eine Pause machen. Mir ist bei den Pausetagen aufgefallen, dass ich an diesen Tagen bereits Kolostrum habe, die ich auch ausstreichen könnte. An den Tagen, nachdem ich das Mirtazapin genommen habe, kommt nur Wasser aus der Brust und das macht mich besorgt. Ich würde mein Baby sehr gerne stillen, weiß aber aus Erfahrung, dass mein Körper sehr sensibel auf Anti-Depressiva reagiert und vermute, dass auch das Mirtazapin in meinen Hormonhaushalt eingreift. Meine Brüste sind deutlich weniger voll, wenn ich das Mirtazapin eingenommen habe. Was kann ich machen, wenn es auch nach der Geburt so bleibt? In vielen Foren habe ich gelesen, dass Frauen trotz Mirtazapin stillen konnten. Ich würde mich über eine Rückmeldung sehr freuen! Vielen Dank!
Liebe SunnySophie89, zunächst einmal möchte ich dich beruhigen: Die Menge oder das Aussehen des Kolostrums in der Schwangerschaft sagt kaum etwas darüber aus, wie gut die Milchbildung nach der Geburt funktionieren wird. Manche Schwangere verlieren schon Monate vor der Geburt reichlich Kolostrum, andere überhaupt keines – und beide können später problemlos voll stillen. Dass du an den Tagen ohne Mirtazapin etwas gelbliches Kolostrum ausstreichen kannst und nach der Einnahme eher eine klare Flüssigkeit bemerkst oder die Brust sich weniger prall anfühlt, ist zwar eine interessante Beobachtung, es gibt jedoch keine gesicherten Hinweise darauf, dass Mirtazapin die spätere Milchbildung grundsätzlich hemmt. Tatsächlich liegen Erfahrungen vor, dass viele Frauen unter Mirtazapin erfolgreich stillen konnten. Schau mal, das beruhigt dich sicher: https://www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/mirtazapin Ganz kurz lassen sich die wichtigsten Grundlagen für einen erfolgreichen Stillstart auf folgende Schlagworte zusammenfassen: Bald stillen – oft stillen – uneingeschränkt stillen – keine zusätzliche Flüssigkeit oder Nahrung geben, außer wenn es dafür einen medizinischen Grund gibt. Dein Baby sollte möglichst bald nach der Geburt zum ersten Mal angelegt werden und anschließend jederzeit und ohne zeitliche Einschränkung an die Brust dürfen, wenn es das möchte. Bei eher schläfrigen Kindern oder Babys mit einer ausgeprägteren Neugeborenengelbsucht musst du unter Umständen den Takt vorgeben und darauf achten, dass dein Baby innerhalb von 24 Stunden mindestens acht bis zwölf Mal an der Brust trinkt. Tee, Glukoselösung oder Wasser sind überflüssig und bei einer verstärkten Neugeborenengelbsucht sogar eher kontraproduktiv. Das Bilirubin (der gelbe Farbstoff, der für die Gelbfärbung der Haut verantwortlich ist) wird nur zu etwa zwei Prozent über den Urin ausgeschieden, der überwiegende Teil verlässt den Körper über den Darm. Deshalb ist es nicht sinnvoll, die Gelbsucht „ausschwemmen“ zu wollen. Viel wichtiger ist, dass der Darm durch Nahrung angeregt wird und das Mekonium möglichst rasch ausgeschieden wird. Das Kolostrum – die wertvolle erste Milch – wirkt leicht abführend und unterstützt so die Ausscheidung des Bilirubins. Der Organismus eines Neugeborenen ist auf viele kleine Mahlzeiten eingestellt. Sein Magen ist anfangs nur etwa so groß wie ein Teebeutel. Kleine Mengen Muttermilch sind daher völlig normal und genau das, was dein Baby braucht. Wichtig ist, dass dein Baby ab dem zweiten oder dritten Lebenstag mindestens drei bis viermal Stuhlgang hat und ausreichend Urin ausscheidet. Eine Gewichtsabnahme von etwa sieben Prozent des Geburtsgewichts in den ersten Tagen ist normal. Bis zu zehn Prozent gelten bei einem ansonsten gesunden Kind noch als tolerierbar. Spätestens mit drei Wochen sollte dein Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben. Informiere dich deshalb möglichst gut über die Grundlagen des Stillens: richtiges Anlegen und Ansaugen, das Prinzip von Angebot und Nachfrage sowie das Stillen nach Bedarf. Besonders wichtig ist, dass du weißt, woran du erkennst, dass dein Baby korrekt angelegt ist und effektiv an der Brust trinkt. Neben guter Stillliteratur – zum Beispiel Stillen – gesund und richtig von Denise Both und Gabi Eugster, Das Handbuch für die stillende Mutter der La Leche Liga oder Stillen – einfach nur stillen von Gwen Gotsch – kann ich dir auch den Besuch einer Stillgruppe sehr empfehlen. Dort triffst du nicht nur andere stillende Mütter, sondern lernst gleichzeitig eine kompetente Ansprechpartnerin kennen, falls nach der Geburt Fragen oder Stillprobleme auftreten sollten. Adressen von Stillberaterinnen findest du im Internet bei der La Leche Liga, der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) oder beim Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen (BDL/IBCLC). Erkundige dich außerdem, ob es in deiner Nähe ein stillfreundliches Krankenhaus gibt. Dort gelingt der Start in die Stillbeziehung häufig besonders gut und du erhältst direkt nach der Geburt kompetente Unterstützung. Alles, alles Gute! Biggi
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