Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Einschlafen und nuckeln an der Brust abgewöhnen

Biggi Welter

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Stillberaterin der La Leche Liga Deutschland e.V.

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Frage: Einschlafen und nuckeln an der Brust abgewöhnen

sindy100200

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Mein Tochter ist 7 Monate alt. Sie war von Geburt an ein schwieriges Kind. Sie ist richtig zappelig und unruhig. Sie verweigert Schnuller und Fläschchen. Hat von Geburt an tagsüber sehr wenig geschlafen (2 Schläfchen ca. mit 30-40 min) ist jetzt auch nicht viel besser. Am Abend habe ich sie immer in den Schlaf gestillt. Die ersten 3 Monate konnte ich sie in ihr Bettchen legen und sie wurde alle 3 Stunden munter. Aber ab den 4 Monat wurde alles viel schlimmer. Wenn Sie tagsüber schläft nur ständig in Bewegung (Kinderwagen oder Hängematte) und wird aber meistens nach 30 - 40 min wach. Ab und zu schläft sie länger (ca. 1 Std.) Sie schläft am Vormittag und am nachmittag. Den ganzen Tag braucht sie keine Brust und wird auch nicht gestillt. Tagsüber bekommt sie einen Brei. Um ca. 19.00 Uhr bekommt sie ihren Nachtbrei wir gehen baden und dann schlafen. Ich lege mich mit Ihr in unser Bett, stille sie in den Schlaf und lege mich dann hinter ihr nieder. Aber meistens wenn ich mich wegschleiche merkt sie es und will schon wieder nuckeln. Nach 30 min.geht das Theater los. Sie wird munter und braucht die Brust zum wiedereinschlafen. Sie nuckelt und nuckelt. Wenn sie eingeschlafen ist lege ich mich wieder weg von ihr. Wenn ich Glück habe schläft sie dann ca. 1 Stunde und alles geht von vorne los. Das geht die ganze Nacht so. Trinken - nuckeln - schlafen. Sie hat ein sehr starkes Nuckelbedürfnis. Nimmt weder Schnuller noch Fläschchen auch kein Kuscheltier oder Nuckeltuch. Ich habe es auch schon in der Nacht ausprobiert ohne Brust aber nach 2- 3 Stunden gab ich dann auf. (Sie protestiert und beginnt zu weinen) Mein Mann kann sie auch nicht zum schlafen bringen. Ich bin echt schon am verzweifeln. Ich gehe seit Geburt an mit ihr schlafen bleibe die ganze Nacht im Zimmer und stehe mit ihr in der Früh wieder auf. Aber mittlerweile liegen mir die Nerven blank. Irgendwie kann sie nicht richtig schlafen. Sie hat auch einen sehr unruhigen Schlaf schon seit Geburt an. Wie kann ich ihr das nächtliche Nuckeln und stillen abgwöhnen? Ich möchte es aber auf die sanfte Art denn ein weinen lassen kann ich irgendwie nicht ertragen, denn sie würde weinen und hört sicher nicht auf . Sie kann richtig stur sein. Für Tipps und Änderungen wäre ich sehr dankbar. Sindy100200


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Liebe Sindy100200, Ihr Baby ist nicht stur, Ihr Baby ist ein Baby und will und muss saugen! Ihr Kind ist gerade erst sieben Monate alt, die Hauptnahrungsquelle sollte Milch sein, ob aus der Brust oder aus der Flasche. Wenn Ihr Baby keine Flasche und keinen Schnuller nimmt, dann braucht es die Brust! Sie können nun versuchen, Ihr Kind zur Flasche hin abzustillen oder aber Sie warten ab. Da sich die Techniken des Trinkens an der Flasche und an der Brust deutlich unterscheiden und sich ein Flaschensauger ganz anders anfühlt als die Brust, lehnen viele Stillkinder die Flasche ab. Wenn die Mutter die Flasche geben will kommt noch dazu, dass es sich denkt „Was soll denn damit? Ich kann doch die Milch meiner Mutter riechen und fühle ihre Brust und bekomme so etwas Seltsames in den Mund gesteckt". In einigen Fällen hilft es daher, wenn jemand Anderes die Flaschenfütterung übernimmt. Es empfiehlt sich auch, nicht zu warten, bis das Baby sehr hungrig oder müde ist. Müde oder hungrige Babys sind nicht unbedingt daran interessiert etwas Neues auszuprobieren. Manche Babys wollen auch einfach nicht aus einer Flasche trinken. Bei diesen Kindern kann man dann versuchen, ob sie aus einer Trinklerntasse (Schnabeltasse) trinken. Viele Mütter berichten, dass ihre Babys die Trinklerntasse von Avent mit dem weichen Schnabelaufsatz gerne (oder zumindest lieber) annehmen. Unter Umständen kann man auch löffeln. Hier noch ein paar Tipps, wie das Baby die Flasche vielleicht besser annimmt: • die Flasche anbieten, ehe das Baby zu hungrig ist • das Baby beim Flaschegeben in ein Kleidungsstück der Mutter (Geruch) einwickeln • den Flaschensauger nicht in den Mund des Babys stecken, sondern die Lippen des Babys damit berühren, so wie die Mutter dies mit der Brustwarze tut • den Flaschensauger mit warmem Wasser auf Körpertemperatur bringen oder beim einem zahnenden Baby abkühlen, um die Zahnleisten zu beruhigen • verschiedene Saugerformen und Lochgrößen ausprobieren • verschiedene Haltungen beim Füttern einnehmen • versuchen das Baby im Halbschlaf zu füttern • geduldig bleiben und auch alternative Fütterungsmethoden in Betracht ziehen (z.B. Becher, Löffel) Die Becherfütterung ist mit der richtigen Technik keineswegs aufwändiger als die Flaschenfütterung und deshalb durchaus eine Alternative zur Flasche und gerade bei einem Kind ab sechs Monaten lässt sich der Becher gut einführen und die Flasche muss nicht mehr in jedem Fall unbedingt eingeführt werden. Wichtig ist, dass Sie wirklich geduldig bleiben. Auch wenn Sie Ihr Baby jetzt abstillen, wird es leider nicht besser schlafen. Tatsache ist, dass Babys etwa in der Mitte des ersten Lebensjahres sehr häufig beginnen (wieder) häufiger in der Nacht aufzuwachen und die Ursachen dafür sehr vielfältig sein können und sehr viel seltener auf Hunger zurückzuführen sind als meist angenommen. Babys beginnen ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen und müssen ihre aufregenden Erlebnisse des Tages (die uns vielleicht gar nicht aufregend vorkommen) verarbeiten, Babys zahnen und das ist nachts schlimmer als tagsüber, wenn es Ablenkung gibt, Babys haben häufig mit etwa einem halben Jahr zum ersten Mal eine Erkältung .... die Liste lässt sich noch lange fortführen. So schwer es auch ist einen „Rückschritt“ zu akzeptieren und wieder auf den ununterbrochenen Schlaf verzichten zu müssen: es gibt kein Patentrezept, um das Schlafverhalten von Babys und Kleinkindern entsprechend den Vorstellungen von uns Erwachsenen zu optimieren. Wenn Sie gerne lesen und die Zeit dazu finden, möchte ich Ihnen das Buch „Schlafen und Wachen ein Elternbuch für Kindernächte“ von Dr. William Sears empfehlen. Dr. Sears (Professor für Kinderheilkunde und achtfacher Vater) erklärt warum Kinder so schlafen wie sie es tun (und nicht wie wir es erwarten) und gibt Tipps wie die Nächte für alle Beteiligten angenehmer werden können. Das Buch ist im Buchhandel, bei La Leche Liga und bei jeder LLL Stillberaterin (auch bei uns) erhältlich. LLLiebe Grüße Biggi Welter


Lilly1185

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Hallo Sindy100200, Bei euch ist das ja schon einige Zeit her und mich würde sehr interessieren wie es bei euch dann weitergegangen ist. Wenn ich das von dir lese, könnte man nämlich meinen das hab ich geschrieben. Bei uns ist es ganz genau so und ich hoffe du kannst mir ein paar nützliche Tipps geben. Vielen Dank schonmal


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