Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Baby will auf einmal nicht mehr an die Brust

Frage: Baby will auf einmal nicht mehr an die Brust

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Hallo! Meine Tochter ist 4 Monate alt und ich still voll. Bisher war es auch gar kein Problem und die Kleine hat immer sehr gern getrunken und ist auch wohl genährt. Seit heute mittag um 12 Uhr will sie jetzt nicht mehr an die Brust. Wenn ich sie anlege schreit sie nur. Am Finger und am Schnuller saugt sie aber wie wild. Sonst ist sie eigentlich nicht schlecht drauf und hat auch kein Fieber. Allerdings zahnt sie schon seit längerem wofür ich ihr Osanit gebe. Aber auch damit wollt sie nicht trinken. Habe jeweils beide Brüste angeboten und auch verschiedene Positionen ausprobiert. Seit heut nachmittag um 5 Uhr ca. ist auch die Windel trocken. Hab mit meiner Hebi telefoniert, die meinte das kann schon einfach mal so sein und ich soll abwarten und ihr mit dem Löffel Wasser anbieten. Da hat sie auch etwas genommen. Wie lang kann sie denn ohne Brustmahlzeit sein auch so wegen dem Austrocknen? Oder soll ich doch besser abpumpen und ihr die Flasche geben? Will aber eigentlich noch nicht abstillen oder ähnliches...Aber natürlich machen auch meine Brüste auf Dauer nicht so mit. Sie lassen sich trotz heißer Dusche etc. sehr schlecht ausstreichen. Vielleicht können sie mir ja weiterhelfen. Wäre ihnen sehr dankbar über eine Antwort. Vielen Dank und liebe Grüße Bettina


Biggi Welter

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Liebe Bettina, für eine Ablehnung der Brust kann es verschiedene Gründe geben, die von einer Saugverwirrung bis hin zu einem Stillstreik reichen können und es lässt sich aus der Ferne nicht feststellen, was nun bei euch los ist. Bekommt Ihre Tochter die Flasche oder den Schnuller? Wenn ja, könnte eine Saugverwirrung vorliegen. In jedem Fall sollte ein Kind, das plötzlich die Brust verweigert, vorsichtshalber von der Kinderärztin/arzt angeschaut werden. Für einen Stillstreik kann es viele Ursachen geben. Bekommt das Baby Zähne? Hat es eine Erkältung oder eine verstopfte Nase, so dass es beim Trinken behindert wird? Hat es Ohrenschmerzen, so dass ihm das Stillen wehtut? Wurde kontrolliert, ob ein Harnwegsinfekt vorliegt? Ist die Mutter aus irgendeinem Grund beunruhigt oder aufgebracht? Babys reagieren auf die Gefühle ihrer Mutter. Gab es beim Stillen einen unliebsamen Zwischenfall? Wurde zum Beispiel gestillt während das Baby untersucht wurde und ist es dabei erschrocken? Kurz: Gab es irgendwelche einschneidenden Veränderungen oder besondere Situationen Manchmal lässt sich die Ursache auch nicht herausfinden und der Streik endet ebenso unvermittelt, wie er begonnen hat. Bei einem Stillstreik weigert sich das Kind die Brust anzunehmen, es macht sich steif, drückt sich weg, vielleicht saugt es auch an und wendet sich dann ab. Ein Stillstreik kann einige Stunden aber auch tagelang dauern, manche Kinder streiken sogar über ein bis drei Wochen. Sie können versuchen Ihr Baby anzulegen, wenn es schon sehr schläfrig oder fast eingeschlafen ist. Viele Babys, die sich weigern, an der Brust zu trinken, wenn sie hellwach sind, tun es im Halbschlaf dann doch. Sie können ihm die Brust auch immer wieder anbieten, wenn es wach ist, drängen Sie aber nicht. Manche Babys sind eher bereit zu trinken, wenn ihre Mutter umhergeht statt stillzusitzen. Wenn Sie möchten, dass Ihr Baby wieder an Ihrer Brust trinkt, sollten Sie sich darauf einstellen, sich in den nächsten Tagen fast ausschließlich Ihrem Kind zu widmen. Wenn Sie es viel im Arm haben, zärtlich streicheln und es Sie in einer entspannten Atmosphäre einmal ganz für sich alleine hat, beruhigt es sich vielleicht und lässt sich dazu bewegen, wieder bei Ihnen zu trinken. Weitere Maßnahmen, die sich bei einem Stillstreik bewährt haben, sind: o im Umhergehen stillen, o in der Badewanne oder im Schaukelstuhl stillen, o im Halbdunkeln stillen, o im Halbschlaf stillen, o das Baby mit der Brust spielen lassen, o unterschiedliche Stillhaltungen ausprobieren, o alle künstlichen Sauger vermeiden, o das Baby massieren, o viel Körperkontakt (Haut auf Haut), o und ganz wichtig: keinen Stillstress erzeugen, weder bei der Mutter noch beim Kind, Ruhe und Gelassenheit, auch wenn es schwer fällt. Um Ihre Milchproduktion aufrecht zu erhalten und zu verhindern, dass Ihre Brust übervoll wird, sollten Sie Ihre Milch ausstreichen oder abpumpen. Die so gewonnene Milch können Sie Ihrem Kind mit einer alternativen Fütterungsmethode anbieten, z.B. mit einem Becher. Die Flasche ist in dieser Situation nicht unproblematisch, denn es kann Ihnen passieren, dass sich Ihr Kind dann zur Flasche hin abstillt. Wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben, suche ich Ihnen gerne die nächstgelegene LLL Stillberaterin heraus, die Ihnen die Becherfütterung zeigen kann und Ihnen auch sonst noch weitere Tipps geben kann. LLLiebe Grüße Biggi Welter


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