Frage im Expertenforum Stillberatung an Kristina Wrede:

Baby hat nicht genug hunger

Frage: Baby hat nicht genug hunger

Frexy

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Guten Tag, Meine Tochter hat seit drei Wochen kein Gramm zugenommen. Ihr Gewicht hält sich sehr konstant bei 4,4kg. Sie ist am 22.5. auf die Welt gekommen und hat anfänglich gut zugenommen. Aber vor ca drei Wochen hat sie plötzlich statt 15 Minuten nur noch 5-6 Minuten getrunken. Dann löst sie sich ganz zufrieden und will absolut nichts mehr. Jeder Versuch sie weiter zu füttern führt zu großem Geschrei. Ich habe dann mal versucht ihr abgepumpte Milch nach dem stillen zu füttern. Da ist jeder Milliliter ein Kampf. Aber wir schaffen mit viel Mühe meist ca 30ml. Ich habe vor einer Woche eine Waage geholt und festgestellt, dass sie genau soviel wiegt wie vor drei Wochen und auch in der letzten Woche ist das konstant geblieben. Ich habe auch versucht sie öfter anzulegen, aber wenn ich sie beispielsweise nach zwei Stunden anlege, obwohl sie keinen Hunger zu haben scheint, lehnt sie konsequent ab, da wird man dann auch mit dem Fläschchen nichts. Sie trinkt dann auch nicht zwei Schluck, oder so und hört dann auf, sondern versucht es gar nicht. Wenn Sie Hunger vermeldet trinkt sie sehr ordentlich und zügig, aber halt nicht genug. Milchmenge ist absolut ausreichend, ich pumpe seit einer Brustentzündung manchmal Überschuss ab und habe jetzt auch weil sie so wenig trinkt angefangen 1-2 mal am Tag abzupumpen, damit die Milch nicht weniger wird, aber mir bleiben täglich mindestens 200ml übrig. Wenn sie wirklich Hunger hat und mit Fläschchen gefüttert wird (wenn ich nicht da bin zB) trinkt sie ihre 100-120ml in 10-15 Minuten weg, können tut sie es also, aber dann will sie sicher 5 Stunden nix mehr. Tagsüber trinkt sie meist so alle 3 Stunden. Nachts seltener. Nachts klappt das mit dem Stillen besser. Ich habe das Gefühl sie ist da nicht so abgelenkt. Nun ja ich mache mir sorgen. Mit ihren ca 60cm ist sie mit 4,4kg deutlich schlanker als die anderen Kinder in ihrem Alter, die ich kenne... Haben Sie noch eine Idee?


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Liebe Frexy, was sagt denn eure Hebamme bzw. euer Kinderarzt zu ihrer Gewichtsentwicklung? Fakt ist, dass Kinder a) in Schüben und nicht linear zunehmen, und b) die Gewichtszunahme im Laufe der Zeit weniger wird. Die durchschnittliche Gewichtszunahme bei einem gestillten Baby beträgt in den ersten drei bis vier Monaten 150 bis 227 Gramm pro Woche, bei einem vier bis sechs Monate alten Stillkind beträgt sie noch 85 bis 142 Gramm wöchentlich. Das nimmt dann immer weiter ab, was verständlich ist, denn sonst wären unsere Babys irgendwann Riesen! Das durchschnittliche Längenwachstum bewegt sich bei etwa 1,27 cm pro Monat, und die Zunahme des Kopfumfangs liegt bei etwa 6,4 mm monatlich. Wieg doch bitte mal ihre Windeln, wenn du sie mal 24 Stunden NICHT zufüttern kannst. Du kannst entweder die einzelnen Windeln wiegen, oder besser noch die von 24 Stunden sammeln, wiegen, und das Gewicht mit der gleichen Anzahl trockener Windeln vergleichen. So erhalten wir über die Ausscheidungen grob Aufschluss darüber, wie viel dein Kind trinkt. Für die Ausscheidungen bei einem ausschließlich gestillten Baby gelten die folgenden Anhaltswerte: Urin: 1. + 2. Tag: 15 - 60 ml pro Tag 3. - 10. Tag: 50 - 300 ml pro Tag 2. Monat: 250 - 400 ml pro Tag Wenn wir diesen Wert haben, sehen wir auf jeden Fall klarer. Damit deine Maus bei gleicher Stilldauer mehr Milch abbekommt, kannst du die Brustkompression anwenden. Dazu gibt es Videos auf Youtube, und ich hänge dir unten einen Text dazu an. Häufiger Stillen geht nur dann, wenn das Baby mitmacht - wenn sie nicht mehr trinken wollen, dann lässt sich das kaum ändern. Ich würde dir zusätzlich noch empfehlen, deinem Baby eine Kalorienbombe aus Muttermilchsahne zu geben, das gibt den Kleinen meist einen wirklich guten Zunahme- und Entwicklungskick. Schau, dass du Milch ausstreichst oder abpumpst, die du in 10 ml Spritzen aufziehst und dann kopfüber in ein Glas stellst (also mit der Spitze nach unten). Lass aber ein bisschen Luft, denn die Schwerkraft wird den Kolben vielleicht etwas weiter in die Spritze drücken... Oben auf der Milch wird sich eine Fettschicht absetzen, der Muttermilchrahm. Nach ca. 2 Stunden kannst du den wässrigen unteren Teil der Milch ausdrücken und deinem Kind die verbleibende Sahne in den Mund träufeln. Statt mit leeren Spritzen kannst du natürlich auch mit einer Tasse arbeiten, in die du die gewonnene Muttermilch gibst. Oben wird sich der fetthaltige Rahm absetzen, du kannst ihn mit einem Löffel abschöpfen und deinem Baby geben. Wenn du das 3-4 Tage lang machst (je mehr, desto besser), wird er ganz sicher einen Schub machen! Probier es mal aus! Lieben Gruß, Kristina Brustkompression "Der Zweck der Brustkompression ist den Muttermilchfluss zum Baby weiter zu erhalten, auch wenn das Baby selber nicht mehr so produktiv trinkt ("weit geöffneter Mund Pause dann Schliessen des Mundes"). Auf diese Weise wird das Baby länger weiter trinken. Die Brustkompression simuliert einen Milchspendereflex ("Letdown reflex") und oft stimuliert sie sogar tatsächlich das Auftreten eines natürlichen Milchspendereflexes. Diese Technik kann bei schlechter Gewichtszunahme eines Babys hilfreich sein. Die Brustkompression setzt den Milchfluss fort, wenn das Baby nicht mehr richtig von der Brust trinkt, sondern nur noch daran nuckelt, und bewirkt beim Baby folgendes: 1. Es bekommt mehr Muttermilch. 2. Es bekommt mehr fettreiche Milch (Hintermilch). Die Brustkompression Wie funktioniert sie? 1. Halten Sie das Baby mit einem Arm/einer Hand. 2. Halten Sie die Brust mit der anderen Hand, den Daumen auf der einen Seite der Brust (am einfachsten ist es, wenn der Daumen auf der oberen Seite der Brust positioniert ist), die anderen Finger auf der anderen, unteren Seite (C Griff). Alle Finger sollten ziemlich weit weg von der Brustwarze sein. 3. Schauen Sie wie das Baby trinkt (zu Ihrem Verständnis können Sie folgenden Video anschauen unter: www.thebirthden.com/Newman.html). Machen Sie sich keinen Stress, sie brauchen nicht jeden Schluck zu erwischen. Das Baby bekommt eine nahrhafte Menge Muttermilch, wenn es mit der Technik "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes" trinkt. 4. Wenn das Baby nur noch an der Brust nuckelt und nicht mehr richtig mit der oben beschriebenen Technik trinkt, dann ist es Zeit, die Brustkompression einzusetzen. Rollen Sie nicht ihre Finger über die Brust zum Kind, sondern drücken sie nur. Aber nicht so sehr, dass es schmerzt und versuchen Sie, die Form des Brustwarzenhofes nicht zu verändern. Mit der Kompression sollte das Baby wieder anfangen effektiv zu saugen und schlucken, d.h. mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Benutzen Sie die Brustkompression nur dann, wenn das Kind nuckelt, nicht aber wenn es richtig trinkt! 5. Belassen Sie den Druck so lange, bis das Baby auch mit der Kompression nicht mehr richtig trinkt, dann lösen sie den Druck. Oft hört das Baby ganz auf zu saugen wenn der Druck wegfällt, aber es wird bald wieder damit anfangen, nämlich sobald die Milch wieder fließt. Falls das Baby nicht aufhört zu nuckeln warten Sie einen kurze Zeit, bevor Sie wieder mit der Brustkompression beginnen. 6. Die Gründe, wieso Sie den Druck lösen sollen sind einerseits, dass Sie Ihre Hand etwas ausruhen können und anderseits, damit die Muttermilch wieder zum Kind fließen kann. Das Baby wird, falls es aufgehört hat zu saugen als Sie die Kompression gelöst haben, nun wieder damit beginnen, wenn es die Milch wieder schmeckt. 7. Wenn das Baby wieder zu saugen beginnt kann es sein, dass es effektiv trinkt mit dem Typus "Weit geöffneter Mund Pause dann Schließen des Mundes". Falls dies nicht der Fall ist, d.h. das Kind nur nuckelt, benutzen Sie wieder die Brustkompression wie oben erklärt. 8. Fahren Sie so an der ersten Brust fort bis das Baby auch trotz der Kompression nicht mehr trinkt. Sie sollten dem Baby erlauben, noch eine kurze Weile länger an dieser Seite zu bleiben, da Sie manchmal einen erneuten "Let down" Reflex (Milchspendereflex) bekommen können. Das Baby würde dann von selber wieder zu trinken beginnen. Falls es jedoch nicht mehr trinkt, erlauben Sie ihm sich selbst von der Brust zu lösen oder nehmen sie es von der Brust. 9. Falls das Baby mehr möchte, offerieren Sie ihm die andere Seite und wiederholen den Prozess." (Quelle: Handout Nr. 15. Breast Compression. Revised Januar 2005 Verfasst von Dr. Jack Newman, MD, FRCPC. ©2005; www.BreastfeedingOnLine.com; Übersetzung von: Anke Käppeli Tinnes, IBCLC in Ausbildung, Zollikerberg, April 2006)


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