Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen

Frage: Abstillen

Nutsy

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Hallo, Sicher eine häufige Frage und doch könnte ich bisher keine Antwort finden, welche zu unserer Situation passt. Ich möchte meinen Sohn Finn (knapp 9 Monate alt) abstillen. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht aber einerseits fühle ich mich gezwungen, da ich ab September arbeiten muss (Schichtdienst und teils Nachtdienste) andererseits habe ich auch schlichtweg keine Lust mehr. Ich fühle mich einfach nicht mehr wohl. Da wir mitten in der Planung für ein Haus stecken und mein Sohn jegliche Nahrung außer der Brust ablehnt habe ich immer viel Stress bei allen Terminen die Rund um das Thema anstehen. Ich würde ihn einfach gerne mal zu dem Großeltern geben. Aber Finn möchte alle 2h trinken. Und allmählich möchte ich ihn auch daran gewöhnen dass er ab Anfang September 3x pro Woche 8 Stunden bei der Oma sein muss. Wie oben kurz erwähnt lehnt er andere Nahrung ab. Kein Brei, kein BLW. Gestern hatte ich das erste Mal nach Monaten ganz ohne Stress den Erfolg dass er Säuglingsmilch aus einer unserer 4 verschiedenen Sauger getrunken hat 60ml. Er weiß also wie es geht. Er will nur nicht. Und einen starken Willen hat er. Der Kinderarzt empfiehlt einfach weiter zu stillen bis er 1 Jahr ist und dann die "Holzhammer"-Methode abrupt abstillen. Aber das finde ich nicht richtig. Ich brauche jetzt dann die Gewissheit dass ich wieder arbeiten gehen kann. Und ich möchte ihn ja auch an die Oma gewöhnen die er aktuell dank Corona nur noch anfremdelt. Was empfehlen Sie? Weiterhin versuchen ihn zu anderen Nahrungsmitteln zu überreden oder abruptes abstillen damit er das nimmt was ihm angeboten wird. Und wie gehe ich vor? Danke Liebe Grüße Nathalie


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe Nathalie, ich rate zu Geduld und nicht zu einem traumatischem Abstillen. Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Stillen ist viel, viel mehr als nur Nahrung für den Körper und deshalb bedeutet Stillen nicht nur, dass das Kind Mahlzeiten an der Brust zu sich nimmt. Das sollte Ihnen absolut bewusst sein, wenn Sie Ihr Kind abstillen: Sie ersetzen nicht einfach nur ein Nahrungsmittel durch etwas anderes. Wenn Sie jetzt für sich beschlossen haben, dass Sie Ihren Kleinen abstillen wollen, so kann ich Ihnen nur davon abraten es auf durch „kalten Entzug" zu tun (z.B. ein Wochenende verreisen). Erstens kann dies zu einem schweren Bruch in der Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Kind führen und zweitens gibt es keine Garantie, dass Ihr Kind nach einem Wochenende oder einer Woche, die Sie verschwunden waren nicht doch weiter an die Brust will. Ich werden Ihnen jetzt ein paar weniger drastische Methoden beschreiben, die sich beim Abstillen eines älteren Kindes bewährt haben, vielleicht ist ja etwas dabei, was Ihnen weiterhilft: Eine Methode, die sich beim allmählichen Abstillen bewährt hat heißt „biete nicht an, lehne nicht ab". Das bedeutet, dass Sie Ihrem Kind die Brust nicht von sich aus anbieten, aber auch nicht ablehnen, wenn es danach verlangt. Viele Kinder wurden auf diese Weise abgestillt. Eine weitere Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung abzustillen bedeutet, Ihre Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Sie müssen die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass Sie viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmen, die Ihrem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn Sie Ihr übliches Verhalten in bestimmten Situationen verändern. Wenn Sie zum Beispiel sitzen bleiben anstatt sich hinzulegen, wenn Sie Ihr Kind zum Einschlafen bringen. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal ist es sinnvoll, wenn der Vater das abendliche Zubettbringen übernimmt. Manchmal bringt es das Abstillen auch weiter, wenn Sie das Stillen immer dann, wenn Ihr Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschieben. Das können Sie flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeit ausfallen zu lassen. Sie können auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Sie können Ihr Kind eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Womöglich wäre „punktuelles Abstillen" eine Lösung für Sie. Es ist eine Alternative zum vollständigen Abstillen. Damit meine ich, dass zu bestimmten Zeiten nicht mehr gestillt wird oder Sie versuchen Ihr Kind davon zu überzeugen, nach einer ausreichend langen Zeit an der Brust, etwas anderes zu tun. Dann würde ich weiterhin die Flasche und Beikost anbieten. Anfangs können Sie Muttermilch mit Säuglingsmilch mischen und dann immer weiter strecken, das klappt meist ganz gut. Lassen Sie IMMER JEMANDEN ANDERS die Flasche anbieten, nie Sie selbst. Es gibt einige Tricks, die Sie probieren können: - versuchen Sie, die Flasche anzubieten, wenn Ihr Baby nicht allzu hungrig (zur regulären Stillzeit wird er keine Experimente mitmachen wollen) ist; - lassen Sie die fütternde Person das Baby ganz liebevoll halten, während die Flasche angeboten wird; - anstelle den Sauger in den Mund zu schieben, lassen Sie die Betreuung die Unterlippe damit kitzeln, damit sie selbst ihn nimmt; - Ihr Baby könnte in ein Kleidungsstück eingewickelt werden, welches nach Ihnen riecht; - der Sauger der Flasche könnte mit warmen Wasser auf etwa Körpertemperatur gebracht werden; - versuchen Sie verschiedene Sauger - Silikon + Kautschuk, verschieden Formen, größere oder kleinere Sauger; - versuchen Sie, verschiedene Positionen ausprobieren zu lassen; - vielleicht geht es mit rhythmischen Schaukeln besser, auch Gehen kann Erfolg bringen. Einige Babys nahmen die Flasche, wenn sie im Autositz saßen, besser; - probieren Sie, die Flasche zu geben, wenn Ihr Baby schläft; - versuchen Sie es weiter - aber bedenken Sie auch, er kann auch aus einer Tasse, vom Löffel, mit der Pipette oder dem "Soft Cup" gefüttert werden; Versuchen Sie verschiedene Sorten der Säuglingsmilch aus und wie gesagt, oft klappt es mit abgepumpter Muttermilch am besten! Wichtig ist, dass Sie wirklich geduldig bleiben. LLLiebe Grüße Biggi


Nutsy

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Vielen Dank für Ihre Antwort. Mein Partner nächsten Monat Eltermzeit dann wird er versuchen zu füttern.


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