sunyside
Liebes Stillteam, ich habe meinen Sohn seit Geburt bis heute (28 Monate) nach Bedarf gestillt. Nun ist es so, dass er von Anfang an nachts kein guter Schläfer war und sehr oft die Brust verlangt hat, ob zum trinken oder nur kurz nuckeln. In Zahnungsphasen kam er oft mehrfach die Stunde und bis heute ist es so, dass er mich gefühlt 10 mal nachts weckt. Wann immer er erwacht, fordert er die Brust. Ich bin von dem Schlafentzug von fast 2,5 Jahren völlig ausgelaugt und entkräftet und kann nun nicht mehr, ich sehne mich nur noch nach Schlaf und dass auch der Vater sich nachts mal am Wochenende oder falls ich mal eine Nacht außer Haus möchte um das Kind kümmern kann. Daher möchte ich nun um die Weihnachtszeit das Stillen beenden. Tagsüber bin ich schon nach dem Prinzip nicht anbieten, aber auch nicht verwehren vorgegangen und das klappt sehr gut. Er kommt tags auch gut ohne zurecht, aber nachts ist es ohne unmöglich . Vor zwei Tagen hat er von 0-4 Uhr morgen gefühlt dauermäßig am Busen gehangen und dabei trinkt er nicht immer , oft nuckelt er auch nur rum. Ich weiß auch gar nicht, ob ich noch viel Milch habe, wenn ich tagsüber nicht mehr stille. Als es um die Morgenzeit gegen vier Uhr nur noch geschmerzt hat, hab ich versucht ihm zu erklären, dass nix mehr aus der Brust kommt und er endlich schlafen soll, dann hab ich sie ihm entnervt verwehrt! Daraufhin ist er völlig ausgerastet und hat sich in Rage geschrien! Der Papa hat versucht ihn zu tragen, er war fast zwei Stunden wach und irgendwann ist er beim Papa entkräftet eingeschlafen. Das hat mir einen Vorgeschmack auf das nächtliche Abstillen gegeben und ich fand es ganz schlimm. Am nächsten Tag waren wir alle energetisch am Ende und der kleine hatte auch Augenringen. Von der WEckermethode hier hab ich auch schon gelesen, dass man das mit dem Kind ausmacht, aber dann wecke ich ihn auch zu einer Zeit zu der er schläft nur um die Zeit einzuhalten? Das ist ja auch seltsam für mich...Gibt es einen guten Rat wie man bei einem langzeitgestillten Kleinkind abstillen kann, das nachts extrem die Brust verlangt, und dennoch massive Schreiattacken vermeiden kann:-( Er hat noch nie einen Schnuller gewollt, und was passiert den nach dem Abstillen dann mit dem Saugbedürfnis der Kinder ? Mit 2,5 Jahren will ich auch nicht mehr zwanghaft den Schnuller anbieten, da sollen es ja viele schon der Zahnstellung zuliebe absetzen. Um Hilfe und guten Rat wär ich sehr dankbar! Lieben Gruß Sunyside
Liebe Sunyside, Stillen ist eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste überhaupt ist allerdings, dass Du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und Du wirst weiterhin „schwach" werden. Für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Dein Kleiner verhält sich gar nicht so "brustversessen" wie Du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Wird es dem Kind überlassen, wann es sich selbst abstillt, dann stillen sich die meisten Kinder irgendwann zwischen dem zweiten und dem vierten Geburtstag ab. Ein Abstillen deutlich vor dem zweiten Geburtstag auf Initiative des Kindes hin ist eher unwahrscheinlich. All diese theoretischen Überlegungen helfen dir jedoch nicht weiter, denn Du fühlst dich in der derzeitigen Situation unwohl. Wenn sich in einer Stillbeziehung ein Partner nicht mehr wohl fühlt, dann ist es an der Zeit zu überlegen, was geändert werden kann. Sicher ist ein gut zweijähriges Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deinem Kind darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden. Wenn Du nicht mehr ständig stillen möchtest, wird es am besten sein, wenn du schrittweise vorgehst, z.B. in dem du zunächst eine gewisse stillfreie Zeit in der Nacht einführst. Dazu kannst du wie folgt vorgehen: Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Wenn Du Dein Kind nicht wecken möchtest, dann wartest Du eben einfach, bis es von selbst wieder kommt ;-). Natürlich kannst Du ihm während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Dein Kleiner wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich gar schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie er in diesem zarten Alter seinen Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Baby ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass dein Kleiner sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du ihn ein wenig ablenken wollen (falls er sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in seiner Nähe und versicherst ihm, dass alles ok ist. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das nun auf Deutsch erschienen ist und das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße, Biggi
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