Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen mit 23 Monaten?

Frage: Abstillen mit 23 Monaten?

s.marti

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Liebe Biggi, liebe Kristina, zunächst herzlichen Dank für die wunderbare Unterstützung, die ihr hier so vielen Frauen zukommen lasst! Das ist so viel wert. Meine Frage bezieht sich auf meine Tochter, die nächsten Monat 2 Jahre alt wird. Sie wollte von Anfang an sehr viel gestillt werden und ich bin dem immer nachgekommen. So stille ich sie auch heute noch ca. 10 Mal am Tag und ca. 5 Mal in der Nacht. Sie isst sehr wenig und verlangt sehr vehement nach der Brust. Sie ist insgesamt ein sehr willensstarkes, autonomiebedürftiges Kind. Ich hatte mich nach einer Ambivalenzphase in den letzten Monaten mit dem weiteren Stillen nach Bedarf arrangiert und fand es schön, wie meine Tochter es liebt, gestillt zu werden und wie nah wir uns dabei sind. Gestern Abend hatte ich jedoch ein Gespräch mit meinem Mann, das mich dazu bewogen hat, bald abzustillen. Uns ist bewusst geworden, wie viel Stress das ständige Stillen verursacht. Ich kann deshalb meiner (selbständigen) Arbeit kaum nachgehen. Meine Bedürfnisse stelle ich immer hinten an - ich habe z.B. seit 2 Jahren abends das Haus nicht mehr verlassen. Die Kita-Eingewöhnung gestaltet sich schwierig. Die beiden älteren Geschwister kommen oft zu kurz. Und vor allem leidet die Beziehung zwischen meinem Mann und unserer Jüngsten, weil sie mich immer vorzieht und ihn eher ablehnt, sie lässt sich von ihm nicht trösten, beruhigen, wickeln, anziehen etc.. Ich mache mir Sorgen, dass ich meine Tochter durch das lange Stillen in einer Abhängigkeit halte, die sie daran hindert, sich von mir zu lösen und frei und selbständig zu werden. Andererseits bricht es mir das Herz, wenn ich daran denke, ihr die Brust weg zu nehmen. Ich ahne, dass sie wahnsinnig rebellieren wird. Wie stelle ich das denn am besten an? Ich würde es eigentlich gerne schrittweise machen, aber es ist jetzt schon kaum möglich, eine Stillmahlzeit etwas heraus zu zögern. Ich weiß gar nicht, wie das gehen soll. Habt ihr einen Rat für mich? Herzliche Grüße, s.marti


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe s.marti, ich kann Dich gut verstehen, würde aber jetzt nicht abrupt abstillen - ich denke, dass würdet Ihr BEIDE nicht verkraften. Sicher ist ein 23 Monate altes Kind noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deinem Kind darüber sprichst, wie es dir geht und was Du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Selbstverständlich wird sich nicht von heute auf morgen eine plötzliche Änderung ergeben, das geschieht in kleinen Schritten und selbstverständlich wirst Du mit Rückschritten rechnen müssen, doch mit viel Liebe und Beharrlichkeit, kannst Du einen Weg finden. Wenn Du nicht mehr ständig stillen möchtest, wird es am besten sein, wenn du schrittweise vorgehst, z.B. in dem du zunächst eine gewisse stillfreie Zeit in der Nacht einführst. Dazu kannst du wie folgt vorgehen: Erkläre deinem Kind schon bei Tag, was sich in der Nacht ändern wird, und versuche, Signale zu definieren, die es wieder erkennen kann (z.B. "erst wenn der Radiowecker angeht, dann darfst Du trinken") und die sich eventuell anpassen lassen (den Radiowecker kann man etwa jeden 2. Tag eine viertel Stunde nach hinten programmieren, so dass die Pause immer länger wird). So wird die Nacht allmählich stillfrei. Wenn sich dein Kind dann in der Nacht beschwert, dass es nicht trinken darf (und das kann es natürlich nur durch weinen oder schreien), dann tröste es und sprich liebevoll-beruhigend mit ihm, und gestehe es ihm auch wirklich zu, sauer zu sein, aber bleib konsequent beim "Nein", bis der vereinbarte Zeitpunkt (z.B. der Radiowecker geht an) für das Stillen gekommen ist. Dann jedoch solltest Du auch von dir aus deinem Kind die Brust anbieten - so lernt es, dass es sich auf dein Wort verlassen kann. Natürlich kannst Du ihm während der Nacht einen Schluck Wasser oder auch einen Schnuller anbieten, doch sei nicht allzu überrascht, wenn das anfangs mit Wut abgewiesen wird. Deine Kleine wird vermutlich schreien, toben, treten oder dich gar schlagen wollen. Ist das schlimm? Nein, es ist völlig normal, denn es ist die einzige Art, wie sie in diesem zarten Alter ihren Frust ausdrücken kann. Wie kannst du damit umgehen? Lass es zu. Lass dich nicht verunsichern, denn es geht deinem Kind ja trotzdem gut, es bekommt kein Trauma fürs Leben, wird nicht an deiner Liebe zweifeln. Dein Baby ist sauer, und das wird auch wieder vergehen. Bleibe bei ihm und sei du ruhig und klar, so dass deine Kleine sich an dir orientieren kann. Vielleicht wirst du sie ein wenig ablenken wollen (falls sie sich ablenken lässt), vielleicht bleibst du auch einfach nur in ihrer Nähe und versicherst ihr, dass alles ok ist. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass die ersten Nächte zwangsläufig sehr unruhig sein werden. Doch in der Regel akzeptieren Kinder relativ schnell die neuen "Spielregeln", und je älter sie sind, desto einfacher. Nur wenn sich dein Kind über mehrere Tage hinweg gegen diese stillfreie Zeit sperrt, oder gar tagsüber extrem anhänglich bzw. weinerlich wird, oder gar eine Hautreaktion zeigt, dann weißt du, dass es noch zu früh ist und du vielleicht einfach noch ein paar Wochen warten und durchhalten solltest. Dieser Vorschlag stammt von Elizabeth Pantley, Autorin des Buchs "Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch: Das 10-Schritte-Progamm für ruhige Nächte", das nun auf Deutsch erschienen ist und das ich wärmstens empfehlen kann. Pantley hat ein Programm entwickelt, mit dem man älteren Babys, auch Stillkinder, dabei helfen kann, auch ohne Brust oder ständiges Stillen die Nacht zu schaffen. Auch wenn man nicht alle ihre Schritte anwendet haben viele Mütter doch gute Erfahrungen mit diesem Buch gemacht. Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter. LLLiebe Grüße, Biggi


s.marti

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Liebe Biggi, vielen Dank für deine schnelle Antwort. Die liebevolle, geduldige Haltung des beschriebenen Vorgehens finde ich sehr angenehm. Ich hatte Angst, jetzt radikal abstillen zu müssen und bin froh, dass du mich bestärkst, uns noch etwas Zeit zu lassen. Herzlichen Dank und viele Grüße, s.marti


zweizwerge

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Huhu, ich würde überlegen, wann dich oder Euch das Stillen am meisten stört - und dann damit zuerst aufhören. Es hörte sich ein wenig so an, als ob das Stillen tagsüber am anstrengendsten ist... vielleicht auch am leichtesten zu arrangieren? Bei uns war z.b. das Stillen morgends und abends das letzte, was wir weggelassen haben. Einfach, weil das die "bedürftigsten" Zeiten waren. Außerdem war es dazu eigentlich sehr praktisch :-). Alles Gute!


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