Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

Abstillen 15 Monate

Frage: Abstillen 15 Monate

doraaa

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Hallo Biggi! Ich möchte mein 15 Monate altes Baby abstillen, weil ich einfach keine Lust und Kraft mehr habe. Ich hab in tagsüber immer nach Bedarf gestillt, zum Einschlafen und in der Nacht. Flasche und Fopper nimmt er beides nicht. Seit ca 1 Monat stille ich ihn nicht mehr zum Einschlafen, da kuscheln wir uns jetzt in den Schlaf. Das hat eig ziemlich lange auch nachts funktioniert, doch seit kurzem will er unbedingt wieder die Brust und wenn ich ihn nicht stille schreit er auch mal 1 - 1,5h und dann stille ich ihn wieder, dass wir alle zu etwas Schlaf kommen (er schläft noch bei uns im Bett) Tagsüber will er im 1-2h Takt trinken und lässt sich da auch nicht ablenken, er weint dann wirklich viel wenn ich ihn nicht trinken lasse. Wenn er mit dem Papa/Oma etc unterwegs ist, ist das kein Problem, aber ich kann ihn ja nicht den ganzen Tag weggeben. Warum klappt das jetzt nachts nicht mehr? und wie kann ich ihn nachts wieder beruhigen? Es hat sicher 2-3 Wochen gut funktioniert. Und wie bekomme ich dieses „Clusterfeeding“ tagsüber weg? Ich rede mit ihm und erklär ihm die Situation auch wirklich liebevoll und immer wieder aufs Neue. Aber er besteht darauf, er will nur meinen Busen und da hat er echt Ausdauer dabei. Er ist so ein willensstarkes Baby, dass ich echt anstehe. Vielleicht kannst du mir einen Tipp geben, Danke!!


Biggi Welter

Biggi Welter

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Liebe doraaa, für viele von uns ist es sehr ungewohnt zu sehen, wie begeistert und mit wie viel Freude ein Kleinkind stillt. Dein Sohn verhält sich gar nicht so "brustversessen" wie du glaubst, viele langzeitgestillte Kinder zeigen sehr deutlich wie viel ihnen das Stillen bedeutet. Stillen ist viel, viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist Trost, Geborgenheit, sicherer Hafen und ein Weg zur Ruhe zu kommen, wenn die Wellen des Alltags so hochgeschlagen sind, dass das Kind keinen Weg mehr weiß, um mit sich selbst und der Umgebung ins Reine zu kommen. Das Stillen bietet in dem Alter der ersten Ablösung wichtige emotionale Hilfe, dein Kind kann immer wieder den "Heimathafen" ansteuern, wenn etwas beängstigend ist. Stillen ist aber auch eine Zweierbeziehung und wenn es dazu kommt, dass sich ein Partner dabei nicht wohl fühlt, dann müssen Lösungswege gefunden werden. Das Wichtigste ist dann allerdings, dass du fest zu deinem Entschluss stehst. Solange hier noch der geringste Zweifel besteht, wird dein Kind diese Zweifel spüren und du wirst weiterhin „schwach" werden. Sicher ist ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage alles Gesprochene bis ins letzte Detail zu verstehen, doch ich denke, dass der erste Schritt für dich sein sollte, dass Du mit deinem Sohn darüber sprichst, wie es dir geht und was du nicht mehr möchtest. Dann könnt ihr als Eltern eine Art Plan machen, wie ihr vorgehen wollt, um das Stillen etwas einzuschränken. Stillen nach Bedarf ist bei einem Kind über einem Jahr nicht mehr ein so eng gefasster Begriff wie bei einem kleinen Baby und mit liebevoller Konsequenz lassen sich auch bei einem Kind in diesem Alter in einem gewissen Rahmen Regeln aufstellen. Eine Möglichkeit heißt Ablenkung. Durch Ablenkung ab- oder weniger zu stillen bedeutet, deine Gewohnheiten von Tag zu Tag erheblich zu verändern. Du musst die vertrauten Stillsituationen vermeiden und neue Betätigungsfelder schaffen. Für das eine Kind kann das bedeuten, dass ihr viel häufiger Ausflüge zu Orten unternehmt, die deinem Kind gefallen und wo es viele Menschen und viel Trubel gibt. Für ein anderes Kind bedeutet dies vielleicht, das Leben erheblich ruhiger zu gestalten, um Situationen, die es als bedrohlich empfindet, zu verringern. Es kann auch ablenkend wirken, wenn du dein übliches Verhalten in bestimmten Situationen veränderst. Wenn du zum Beispiel sitzen bleibst, anstatt dich hinzulegen, wenn du dein Kind zum Einschlafen bringst. Andere Möglichkeiten sind Vorlesen, Singen oder vielleicht ein neues Spielzeug. Manchmal bringt es dich auch weiter, wenn du das Stillen immer dann, wenn dein Kind diesen Aufschub verkraften kann, für eine Weile verschiebst. Das kannst du flexibler handhaben als den Vorsatz eine bestimmte Stillmahlzeitausfallen zu lassen. Du kannst auch versuchen die Stillzeiten zu verkürzen. Viele Mütter haben festgestellt, dass es wirksam und relativ wenig belastend ist, ein Kind so oft anzulegen, wie es möchte, aber es nicht so lange zu stillen. Du kannst deinen Kleinen eine kleine Weile anlegen und ihn dann ablenken oder ihm etwas zu essen anbieten. Wichtig ist, dass dein Kind weiterhin deine Liebe und Zuneigung spürt und du nicht gleich die Geduld verlierst, wenn es nicht so schnell klappt. Viele Frauen glauben, dass sie sich beim Abstillen vom Kind distanzieren müssen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Probiere es einmal mit immer kürzerem Stillen und viel Kuscheln. Liebe Grüße Biggi Welter


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