Frage im Expertenforum Stillberatung an Biggi Welter:

11 Monate noch voll gestillt?

Frage: 11 Monate noch voll gestillt?

Steffi030517

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Hallo ihr lieben, Ich bin jetzt ganz schön verunsichert. Meine Maus ist 11 Monate alt, wiegt ordentlich und ist wirklich sehr aktiv. Nur schläft sie sehr sehr schlecht, und ich habe gelesen, das Eisenmangel dazu führen kann. Ich wollte beim Arzt einen Test machen lassen, als er mich fragte, wieso ich das machen möchte, schilderte ich ihm die Situation. Er war total schockiert, und meinte auch sehr streng, wie man auf die Idee kommt, ein 11 monatigen altes baby so gut wie noch voll zu stillen. Na klar hat sie einen erheblichen Eisenmangel. Das Kind muss essen. (Ohne sie getestet zu haben) Als ich fragte, ob sie ich sie zwingen soll?! Ob das seine Vorstellung ist, meinte er, ich soll ihr „einfach“ keine Milch mehr geben. Wenn sie Hunger hat, wird sie schon Essen. Es ist noch kein Kind verhungert. Ich bin Wirklich total verzweifelt. Ich will doch nur das beste für sie, aber zwingen möchte ich sie auch nicht. Das Essen soll doch Spaß machen, und nicht aus zwang. Als ich meinte, das manche Babys erst mit eins anfangen zu essen, kam Nur kurz und knapp, „kenn ich net!“ Meine Maus probiert gerne mal unser Essen, isst auch mal bissi Wurst, es gab auch mal Tage wo sie zb. Müslibrei am Morgen weggeputzt hat, aber das kann man an der Hand abzählen. Und wie gesagt, sie probiert gerne von unser Essen, aber so minimal. Auch Fingerfood ich schwierig, weil sie kein Gefühl hat, wann Stopp ist, und stopft sich den ganzen Mund voll, und verschluckte sich auch schonmal. Ich bin mit meinem Latein am Ende. So sie zum Essen zu zwingen und den Milchhahn zu drehen möchte ich einfach nicht. Aber ich mache mir auch Sorgen, wegen dem Eisenmangel :( Liebe Grüße


Biggi Welter

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Liebe Steffi030517, wenn es erst einmal so ist, dass das Essen Machtkampf bedeutet, dann sind wir Eltern sehr schnell die Verlierer und viele Essstörungen haben ihre Ursache in einem krampfhaften Machtkampf ums Essen im Baby und Kleinkindalter. Im ersten Lebensjahr IST Milch die Hauptnahrungsquelle und viele Babys essen noch nicht viel feste Kost. Der beste Weg, ein Kind zu einem "schwierigen Esser" zu machen besteht darin, es zum Essen zu zwingen! Ein Kind darf essen, aber es muss nicht essen und eine sehr bewährte Methode lautet "Die Mutter bietet an, was es gibt, das Kind entscheidet wie viel oder wenige es davon isst". Ganz sicher ist auch für dich das Buch "Mein Kind will nicht essen" von dem spanischen Kinderarzt Dr. Carlos Gonzales eine interessante (und beruhigende) Lektüre. Das Buch ist im Buchhandel (ISBN 3 932022 12 2) bei der La Leche Liga oder auch im Stillshop hier auf der Seite erhältlich. Dr. Gonzales hat eine Aufstellung gemacht, wie viel Muttermilch (MM) ein Baby im Alter zwischen neun und zwölf Monaten benötigt, um den empfohlenen Bedarf an verschiedenen Nährstoffen zu decken: Energie: 830 kcal = 1185 ml MM Eiweiss: 9,6 g = 910 ml MM Vitamin A: 350 µg = 700 ml MM Vitamin B: 0,4 µg = 412 ml MM Vitamin C: 25 mg = 625 ml MM Diese Angaben zeigen, dass Muttermilch den Bedarf des Kindes an vielen Nährstoffen lange zu decken vermag und nicht unbedingt Eile geboten ist, das Kind zum Essen zu zwingen. Ich zitiere dir noch aus einem Artikel, den Denise Both IBCLC geschrieben hat: "Das am heißesten gehandelte Thema, wenn es um Mangelerscheinungen bei gestillten Kindern ist das Eisen. Stillende Frauen dürfen sich immer wieder anhören, dass Muttermilch ja nur wenig Eisen enthält und dass die Eisenspeicher des Kindes nur bis etwa sechs Monate ausreichen und dann sei es unabdingbar Beikost einzuführen, um einen Eisenmangel abzuwenden. Es stimmt, dass Muttermilch im Verhältnis zu Kuhmilch oder künstlicher Säuglingsnahrung nur wenig Eisen enthält, demgegenüber steht jedoch die bessere Bioverfügbarkeit des Muttermilcheisens für das Kind. Dennoch kann es zu einem Eisenmangel bei gestillten Kindern kommen. Besonders gefährdet dafür sind Frühgeborene, Kinder deren Mütter in der Schwangerschaft einen Eisenmangel hatten und Kinder, deutlich länger als sechs Monate jegliche feste Nahrung ablehnen. Man muss zwischen Eisenmangel und einer Eisenmangelanämie unterscheiden. Eisenmangel lässt sich nicht unbedingt an einem niedrigen Hämoglobinwert (Hb) erkennen. Es reicht also nicht, beim Kind regelmäßig den Hb zu bestimmen, um einen Eisenmangel auszuschließen, sondern es muss zusätzlich auch noch der Serum Ferritin Wert bestimmt werden. Ein Eisenmangel im Kindesalter kann wirklich schwer wiegende und vor allem nicht immer wieder behebbare Folgen für die geistige und körperliche Entwicklung haben und sollte deshalb nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dazu kommt, dass sich ein unguter Kreislauf entwickeln kann, wenn das Kind erst mal in eine Mangelsituation geraten ist: Der Eisenmangel macht das Kind appetitlos, das Kind mag erst recht keine Beikost essen, der Eisenmangel verschärft sich. Deshalb ist es sinnvoll, dass bei einem Kind, das lange jegliche Beikost verweigert, Hämoglobin und Ferritin bestimmt werden, um rechtzeitig eingreifen zu können, falls sich ein Mangel bestätigt. Der Pieks für die Blutuntersuchung ist weniger traumatisch für das Kind, als ein unentdeckter Eisenmangel. Eine vegetarische Ernährung ist übrigens nicht gleichzusetzen mit einer zu geringen Eisenzufuhr. Vegetarisch lebende Familien sollten jedoch unbedingt auf eine bewusste Zusammenstellung ihrer Ernährung achten, denn das Eisen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln wird nur zu 3 bis 8 Prozent verwertet, also deutlich weniger als das hämgebundene Eisen aus Fleisch, dessen Verwertbarkeit bei etwa 23 % liegt.“ Bitte nicht einfach Eisen zuführen, wenn ein Mangel nicht gesichert ist. Lass die Zink- und Eisenwerte kontrollieren, denn es kann gut sein, dass dein Baby einen Mangel hat und deshalb so appetitlos ist. Es steht Dir zu, eine zweite Arztmeinung einzuholen. LLLiebe Grüße Biggi


Mamakastaniebaum

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Hallo, ich hoffe es ist ok wenn ich dir schreibe. Ich möchte dir sagen, ich kann deine Verzweiflung so gut nachvollziehen, denn mir ging es 1 zu 1 genau so. Unsere Kinderärzte könnten Zwillinge sein. Die Aussagen ähnlich. Ich habe mich so allein gefühlt, weil ich von überall nur massiv zum abstillen gedrängt wurde, damit mein Kind „richtig „ isst. Als wäre das das Allheilmittel. Ich habe auf die Kontrolle des Eisenwertes trotz persönlichem Angriff der Kinderärztin mir gegenüber bestanden. Der Wert war noch ok (Im unteren Normbereich). Ich habe mein Kind nicht zum Essen gezwungen und auch nicht abgestillt, es wäre auch nicht möglich gewesen und hätte einen Bruch in unserer Bindung bedeutet. Ich wollte auch wie du, dass das Essen Spaß machen soll. Ich möchte dir Mut machen: Nun ist mein Kind bald 21 Monate alt und seit ungefähr vier Wochen hat sich plötzlich von allein die Tatsache ergeben, dass zu jeder Mahlzeit mitgegessen wird. Zwar stillen wir trotzdem noch zwischendurch, aber rein theoretisch könnte es auch nur mit Essen satt werden. Ich wünsche dir gutes Durchhaltevermögen, viel Kraft und ein dickes Fell gegenüber dem Kinderarzt.


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