Mitternacht
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, ich befinde mich kurz vor der Geburt und es wurden per Zufalls Zufallsbefund in meinem Vaginalabstrich massenhaft die Bakterien Citrobacter koseri und Enterobacter cloacae komplex gefunden. Symptome habe ich keine. Die dagegen wirksamen Antibiotika laut Resistenzenbestimmung wurden laut Embryotox alle als bedenklich (grau) eingestuft. Beispielsweise Ciprofloxacin oder Cotrimoxazol. Macht es Sinn, nun dennoch Antibiotika zu nehmen, um die Übertragung der Bakterien im Geburtskanal auf das Baby zu verhindern? Im schlimmsten Fall könnten die Bakterien wohl eine Sepsis oder eine Hirnhautentzündung beim Baby auslösen. Können die Bakterien auch in die Fruchtblase aufsteigen und Schaden verursachen? Gibt es noch andere Möglichkeiten das Kind bei der Geburt zu schützen (Kaiserschnitt, Antibiotika unter Geburt...)? Vielen Dank für Ihre Überlegungen!
Eine asymptomatische vaginale Besiedlung mit den Darmbakterien Citrobacter koseri und Enterobacter cloacae ist keine klare Indikation für eine antibiotische Behandlung kurz vor der Geburt. Im Gegensatz zu einer Besiedlung mit Gruppe-B-Streptokokken (GBS) gibt es keine Leitlinienempfehlung, bei Citrobacter oder Enterobacter routinemäßig unter der Geburt Antibiotika zu geben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein reifes Neugeborenes durch die bloße vaginale Besiedlung erkrankt, ist insgesamt gering. Zwar können diese Erreger in seltenen Fällen Infektionen beim Neugeborenen verursachen, sie gehören aber nicht zu den Keimen, für die ein standardisiertes Screening oder eine antibiotische Prophylaxe unter der Geburt empfohlen wird. Statt einer orale Gabe von Antibiotika könnte man alternativ auch eine vaginale antiseptische Behandlung mit Vagi-Hex (Chlorhexidin) oder Fluomizin (Dequaliniumchlorid) versuchen.
Mitternacht
Sehr geehrter Herr Dr. Paulus, vielen Dank für Ihre rasche Antwort.Der Versuch, die Bakterien mit Dequaliniumchlorid zu bekämpfen, führte leider nicht zum Erfolg. Für mich stellt sich nun die Frage, ob das Risiko von vielleicht schädigenden Antibiotika für das Baby geringer ist, als eine mögliche Übertragung der Bakterien bei der Geburt?
Wenn die Gabe von Ciprofloxacin oder Cotrim wirklich erforderlich erscheint, wäre die Gefahr einer kindlichen Schädigung zu vernachlässigen. Knorpelschäden durch Ciprofloxacin konnten nur in Tierversuchen mit jugendlichen Hunden beobachtet werden. Cotrim kann Bilirubin aus der Plasmaeiweißbindung verdrängen und zu einem verstärkten Ikterus (Gelbsucht) beim Neugeborenen führen. Deshalb würde man es möglichst nicht unter der Geburt verabreichen; wenn aber noch kein Anzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Geburt vorliegen, wäre Cotrim durchaus vertretbar. Allerdings führt eine Gabe von Antibiotika grundsätzlich auch zu einer Beeinträchtigung der erwünschten Keimflora (Darm, Vagina). Bei vaginaler Besiedlung mit Darmbakterien erlebt man häufig, dass sie nach kurzer Zeit erneut im Vaginalabstrich auftauchen, da das Reservoir im Darm nicht völlig eliminiert wird.
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